Mi., 09.08.2017

Rotlichtverstoß - oder nicht? Vorschneller Blitzer sorgt für Ärger

Dieser Rotlicht-Blitzer am Hohenzollernring / Ecke Warendorfer Straße wird nur ausgelöst, wenn ein Fahrzeug bei Rot komplett über die Kreuzung fährt. Der gegenüber installierte Vorblitzer dient lediglich der Unfallprävention.

Dieser Rotlicht-Blitzer am Hohenzollernring / Ecke Warendorfer Straße wird nur ausgelöst, wenn ein Fahrzeug bei Rot komplett über die Kreuzung fährt. Der gegenüber installierte Vorblitzer dient lediglich der Unfallprävention. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Nicht selten gibt es Beschwerden über die Blitzanlange am Hohenzollernring auf der Höhe der Warendorfer Straße. Wir haben mit einer Betroffenen und dem Verkehrsplaner der Stadt gesprochen.

Von Pjer Biederstädt

An der Ampel auf dem Hohenzollernring wartet Jutta Gerdener auf grünes Licht, nimmt den Fuß von der Bremse, fährt an – und wird geblitzt. Ihr Mann auf dem Beifahrersitz beruhigt sie, das könne ja gar nicht ihr gegolten haben, schließlich hätte sie ja bei Rot gewartet und wäre erst bei Grün losgefahren. 14 Tage später kommt trotzdem der Bescheid der Stadt Münster: 220 Euro Strafe, zwei Punkte in Flensburg und vier Wochen Fahrverbot. Sie soll an dem Tag im Mai bei Rot über die Kreuzung gefahren sein, 40 Sekunden nach dem Lichtwechsel. „Ich warte doch nicht 40 Sekunden an einer Ampel und fahre dann bei Rot los. Es war grün, davon bin ich felsenfest überzeugt“, sagt Jutta Gerdener.

Das sagt der Verkehrsplaner der Stadt

Beschwerden über die Blitzanlange am Hohenzollernring auf der Höhe der Warendorfer Straße gebe es häufiger, bestätigt Andreas Pott, Verkehrsplaner der Stadt Münster. Oft ist der Grund der so genannte Vorblitz. Der ist an einem Ampelmast schräg gegenüber der eigentlichen Blitzanlage angebracht und wird zu Zwecken der Unfallprävention ausgelöst, wenn Autos bei gelb die Haltelinie überqueren. Es ist der einzige dieser Art in Münster.

Kollisionen sollen verhindert werden

„An der Kreuzung kam es wegen Rotlichtverstößen immer wieder zu schwersten Unfällen“, sagt Andreas Pott. Erst habe man die Signale vergrößert, später eine separate Rechtsabbiegerampel für den Verkehr in die Warendorfer Straße Richtung Kanal installiert. Diese brachte neue Probleme: Häufig fuhren Autofahrer geradeaus über die Kreuzung, obwohl nur die Rechtsabbieger grünes Licht angezeigt bekamen. Der Vorblitz soll verhindern, dass es in der Kreuzung zu Kollisionen kommt. „Wenn nur der Vorblitz ausgelöst wird, gibt es aber kein Bußgeld“, erklärt Andreas Pott und ergänzt: „Oft beobachten die Fahrer die Ampel im Augenwinkel und fahren auch geradeaus, wenn die Rechtsabbieger Grün bekommen.“ Unter Fachleuten heißt das „Mitzieh-Effekt“.

Rotblitzer in Münster

In Münster gibt es fünf festinstallierte Rotlicht-Blitzanlagen. Neben dem Blitzer auf dem Hohen­zollernring/Warendorfer Straße stehen auf der Weseler Straße/Ecke Geiststraße und an der Engelenschanze weitere Anlagen im Stadtzentrum. Zwei „Rotblitzer“ hat die Stadt in Hiltrup aufgestellt. An der Westfalenstraße sind an der Ecke zur Marktallee und an der Ecke zur Amelsbürener Straße gleich zwei Apparate installiert.

Verkehrsplaner hält technischen Fehler für unwahrscheinlich

Genau das soll auch Jutta Gerdener passiert sein. Hat sie versehentlich auf die Abbiegerampel geschaut? „Nein. Ich bin mir absolut sicher“, sagt sie. Mittlerweile haben die Gerdeners mit Personen gesprochen, denen Gleiches widerfahren sein soll. „So viel Zufall ist schon komisch“, merkt die Horstmarerin an. Also ein technischer Fehler? Verkehrsplaner Andreas Pott hält das für sehr unwahrscheinlich. Die Anlagen würden regelmäßig überprüft. Zur „juristischen Absicherung“ (Pott) diene ein Kontrollmechanismus: Gegenüber der Blitzanlage leuchtet ein Lämpchen, wenn die Ampel auf Rot steht. Ist das auf dem Foto zu sehen, geht der Bußgeld-Bescheid raus. Helmut Gerdener, selbst von Beruf Techniker, vermutet den Fehler woanders. Die Ampelschaltung variiert an der Kreuzung je nach Verkehrsaufkommen. „Vielleicht laufen Ampel und Blitzer kurzzeitig nicht synchron“, mutmaßt er.

Doch wer hat Recht?

Darüber streiten die Stadt und die Gerdeners demnächst vor Gericht. „Wir gehen bis zum letzten Schritt“, sagt Helmut Gerdener.

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