So., 13.08.2017

Witzige Weltdeutungen und Wehwehchen Süchtig nach Rudi Ameisenbär

Katinka Buddenkotte  sieht sich als „Avocado im Obstkorb des Lebens“.

Katinka Buddenkotte  sieht sich als „Avocado im Obstkorb des Lebens“. Foto: Arndt Zinkant

Münster - 

Als Katinka Buddenkotte ihre Gäste begrüßt, ist erst mal eine Klarstellung fällig: Entgegen einer Presseankündigung stamme sie aus – Münster. „Aber sowas von Kreuzviertel!“, präzisiert sie. Dann wird in der stickigen „Hörstation“ (Windthorststraße) eine kreislauflabile Zuschauerin bestimmt, die bei akutem Sauerstoffmangel Signal geben soll. Alles klar, dann kann es losgehen! Auf eine Reise, die die grinsenden Zuhörer von schwedischen Fernsehkrimis und Zoo-Dokumentationen auf die Straßen North Carolinas nach „Graceland“ zu Elvis-Jüngern führte, um im Horror der Damen-Umkleidekabine zu enden.

Von Arndt Zinkant

Ein knalliger Strauß von Themen – das Entscheidende ist jeweils die Performance. Und „performen“ kann Buddenkotte, schließlich gehört sie zu den bekannten Frauen der PoetrySlam-Szene und weiß, wie man dem Auditorium Wehwehchen und Weltdeutungen schön sarkastisch um die Ohren haut. Das kam in der ehemaligen Sparkassenfiliale glänzend an.

Der Witz kam zunächst auf leisen Pfoten. Katinka Buddenkotte, die viele Themen aus Film und Fernsehen saugt, widmete sich herrlich den gefühlten 700 Zoo-Dokus, die nachmittags durch dritte Programme flimmern. „Pflegerin Birgit naht mit frischen Zweigen“, konstatiert der Off-Sprecher, während Rudi Ameisenbär der Betäubung harrt. Nach drei Folgen wird man süchtig wie nach „Breaking Bad“, denn der Tier-Grusel sei eigentlich ein Menschen-Grusel, grinst die Spötterin.

Ganz gruselig fand sie auch, wie sie einst mit einem weiblichen Ex-Marine per Anhalter nach Graceland unterwegs war. Wo sie, die enttarnte Deutsche, in eine absurde Diskussion mit Elvis-Jüngern geriet. Denn der „King“ sei doch keinesfalls als Soldat in Deutschland stationiert gewesen – denn falls doch, hätte Hitler (da Vegetarier!) nicht die geringste Chance gegen ihn gehabt! Man glaubt die irre Begebenheit und zweifelt doch, dass sie wahr ist.

Die kurzen Stimmungsbilder des Poetry-Slams schimmern auch durch, wenn sich Buddenkotte als die „Avocado im Obstkorb des Lebens“ imaginiert, während sie sich bei Karstadt in vier Nummern zu enge Ballkleider zwängt. Witziger ist aber die Erinnerung an die Punk-Zeit um 1990 herum, als sie sich 13-jährig mit Blech im Ohr und Socken im BH in „Clockwork Orange“ stahl. In Münsters traditionsreichem Kino, dem Schlosstheater.



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