So., 13.08.2017

Originelle Version vom „Räuber Hotzenplotz“ Die schöne Oma mit den Puppen

Sabine Mittelhammer in Personalunion als Großmutter und als Puppenspielerin.

Sabine Mittelhammer in Personalunion als Großmutter und als Puppenspielerin. Foto: Helmut Jasny

Münster - 

Ihr Jungbrunnen ist kalter Kaffee. Dass der schön macht, weiß jede Großmutter. Und als solche trat Sabine Mittelhammer auch auf. Nicht alleine, sondern zusammen mit einer Handvoll Marionetten, die ihren Enkel Kasperl, dessen Freund Seppel, den Wachtmeister Dimpfelmoser, den Zauberer Zwackelmann und den Räuber Hotzenplotz darstellten.

Von Helmut Jasny

Und spätestens hier dürfte es geklingelt haben. Zumindest beim jungen Publikum, das am Sonntag die Wiese vor der Eulenburg am Alten Zoo bevölkerte. In der Reihe Roter Hund stand dort die Hotzenplotz-Geschichte von Otfried Preußler auf dem Programm, dargeboten von der Kompanie Handmaids aus Berlin.

Mittelhammer hat die Sache im Griff und die Zuschauer schnell auf ihrer Seite. Von allen Seiten ertönen Warnrufe, als sich der Räuber von hinten anschleicht. Was aber nicht verhindert, dass er ihr die Kaffeemühle klaut. Das ist das Signal für Kasperl und Seppel. Die Schauspielerin gibt dem einen einen kessen Berliner Dialekt mit, dem anderen einen bayerischen. Bei Hotzenplotz verwandelt sich ihre Stimme in ein Reibeisen, der Zauberer führt sich mit einem Rap ein, und der Wachtmeister versucht seine Kompetenz mit einem amtlich klingenden Ton unter Beweis zu stellen.

Akustisch bietet das Ganze schon mal reichlich Abwechslung. Vor allem die Passagen, in denen Kasperl die Namen Hotzenplotz und Zwackelmann auf allerlei Weise verhunzt, kommen bei den kleinen Zuschauern bestens an. Aber auch optisch hat die Aufführung einiges zu bieten. Das Bühnenbild beherbergt nicht nur Großmutters Küche und das Zauberschloss mit dem Verlies, aus dem Kasperl die verzauberte Fee Amaryllis befreit, sondern auch den Höllenschlund, in den der Zauberer am Ende der Geschichte hinabfährt. Eingestreute Songs, zu denen sich Mittelhammer auf Gitarre und Akkordeon begleitet, lockern das Spiel ebenfalls auf.

Erfreulicherweise spielte auch das Wetter mit. Ungetrübte Vormittagssonne ersetzte die Scheinwerfer, und der Rasen vor der Eulenburg war so weit abgetrocknet, dass man sich bedenkenlos darauf niederlassen konnte. Als die Großmutter zum Ende der Vorstellung einen Gugelhupf aus dem Backofen holte, war das auch für das Publikum ein Signal, zum Mittagessen aufzubrechen. Vorher gab’s aber noch verdienten Applaus für Mittelhammer und ihre Puppen.



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