So., 13.08.2017

Von Bach bis zu Bildern einer Ausstellung Klavier und Orchester am Orgelspieltisch

Thorsten Maus begeisterte auch mit seiner kühnen Programm-Mischung.

Thorsten Maus begeisterte auch mit seiner kühnen Programm-Mischung. Foto: cws

Münster - 

Erst etwas Virtuoses, danach Melancholisches, gefolgt von kompositorisch Kühnem, poesievoller Anmut und schließlich erhabener Monumentalität: Für sein Orgelsommerprogramm im Paulusdom hatte Thorsten Maus eine überzeugende Dramaturgie entworfen. Mit Charles-Marie Widors erstem Satz aus der sechsten Sinfonie legte der Regionalkantor aus Recklinghausen einen rasanten Einstieg hin, in dem die Orgel wie ein Riesenorchester jubilieren durfte, mit Pauken und vielen Trompeten sozusagen. Da kam anschließend die „Etude“ op. 27 Nr. 7 von Frédéric Chopin in der Orgelversion als elegisch fließender Ruhepunkt gerade recht. Verschnaufpause für Interpret wie Publikum gleichermaßen, denn wenig später begann mit Johann Sebastian Bachs Fantasie g-Moll ein kühner Ritt durch harmonische Labyrinthe, die auch 300 Jahre, nachdem Bach sie angelegt hat, schwindelig machen können. Und die Fuge? Da besteht nach wie vor für jeden Organisten an etlichen Stellen Schleudergefahr, aber Thorsten Maus bot ihr souverän Paroli. Alle Achtung.

Von Chr. Schulte im Walde

Freie Fahrt dagegen in Maus’ Improvisation! Ganz ohne Bindung an ein Thema, angelegt als wild wirbelnde Arabeske, französisch-sinfonisch parfümiert und mit großer dynamischer Steigerung. Sergej Prokofjew und Jean Guillou könnten da mit ihrem Toccaten-Stil Pate gestanden haben, zwischendurch auch Maurice Duruflé. Und selbstverständlich der große Pierre Cochereau, von dessen Ideen die Improvisatoren noch heute zehren.

Vor dem großen Finale mit zwei „Bildern einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski noch ein zartes Orgel-Oboen-Solo von César Franck, bevor es wieder süffig-orchestral wurde: die „Hütte der Baba-Yaga“ und – natürlich – „Das große Tor von Kiew“. Solche Musik wirkt an der Domorgel und in dem Raum, in dem sie steht, einfach grandios und hat dem Interpreten hörbar Spaß gemacht. Dem begeisterten Publikum aber auch. Mit einer süß improvisierten Zugabe schickte Thorsten Maus die Zuhörer augenzwinkernd nach Hause. Thema war – ein Schlaflied, das mit „La-le-lu“ anfängt.



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