So., 20.08.2017

NRW-Kolping-Vorsitz Unparteilich unterwegs

Engagement für das Kolpingwerk: Dr. Stefan Nacke (l.) ist Nachfolger des bisherigen Landesvorsitzenden Karl Schiewerling.

Engagement für das Kolpingwerk: Dr. Stefan Nacke (l.) ist Nachfolger des bisherigen Landesvorsitzenden Karl Schiewerling. Foto: Kolping

Münster - 

Dr. Stefan Nacke hat den Vorsitz im NRW-Kolping-Landesverband übernommen.

Auf der politischen Landesbühne steht er seit drei Monaten. Der Essener Bischof aber muss zurzeit auf seinen Referenten verzichten, der Arbeitsvertrag ruht. Stattdessen ist er gerade „Chef“ der großen NRW-Kolping-Familie mit rund 90 000 Mitgliedern geworden. Kurzum: CDU-Politiker Dr. Stefan Nacke hat einen prall gefüllten Terminkalender, viele Ideen für seine neuen Aufgaben und die große Hoffnung, seine politischen Ziele einerseits und seine Überzeugung als gläubiger Christ und Kolping-Freund andererseits in einem guten Miteinander voranzubringen. Im Gespräch mit unserer Redakteurin Martina Döbbe erläutert er seine Vorstellungen, Aufgaben und Ziele.

Bei dieser Aufgaben-Fülle liegt die erste Frage ja nahe. Ist Ihnen das Landtagsmandat allein etwa zu langweilig . . .?

Dr. Stefan Nacke: (lacht) Nein, ganz sicher nicht, im Gegenteil. Aber Landtagsabgeordneter und NRW-Kolping-Vorsitzender zu sein, hat sehr viele Berührungspunkte und Parallelen. Ich sehe darin für beide Seiten eine Win-win-Situation.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Nacke: Ich bin als Mensch, aber auch aus meiner bisherigen Position heraus im katholischen Bereich verwurzelt und sozial vernetzt. Dem Kolping-Landesverband ist es wichtig, einen Vorsitzenden zu haben, der als Brücke oder auch als Bote seiner Anliegen in die Politik wirkt. Die Kolpingfamilien im ganzen Land arbeiten sehr engagiert und setzen die Ziele des Kolpingwerkes vor Ort um. An der Spitze brauchen sie jemanden, der sie landespolitisch unterstützt, der ihr Programm auch an anderer Stelle vertritt. Ich werde zum Beispiel bei meinen Antrittsbesuchen bei den Kollegen anderer Parteien auch die Belange des Kolping-Landesverbandes ansprechen.

Haben Sie sich um den Posten beworben?

Nacke: Nein, das war für mich gar kein Thema. Die Idee hatte mein Vorgänger, Karl Schiewerling, der lange Jahre dieses Amt bekleidet hat und ja auch als Bundestagsabgeordneter aktiv war. Er hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Und wie schon gesagt, ich sehe in den beiden Ämtern sehr gute Verknüpfungsmöglichkeiten. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass der Landesvorstand mich nominiert und die Landesversammlung mich einstimmig gewählt hat.

Das Kolpingwerk blickt ja auf eine lange Geschichte und Tradition zurück. Wo sehen Sie heute ganz aktuell die Aufgaben?

Nacke: Unsere Mitglieder sind ganz nah dran an der gesellschaftlichen Wirklichkeit, am Alltag der Menschen in den einzelnen Orten. Da muss man zunächst einmal die Kolping-Bildungswerke erwähnen, die anerkannte Einrichtungen nach dem Weiterbildungsgesetz sind und zum Beispiel Maßnahmen beruflicher Orientierung und Bildung anbieten. Unter anderem auch mit dem Schwerpunkt für Menschen mit Behinderungen. Es gibt verstärkt Sprach- und Inte­grationskurse zum Beispiel für Flüchtlinge, es gibt die Kolping Akademien, Kolping ist Träger von Kitas und Jugendberufshilfen. Allein im Bildungswesen erreicht Kolping täglich 15 000 Menschen. Darüber hinaus gibt es die vielen Angebote, die in den einzelnen Kommunen verankert sind. Sie werden von Ehrenamtlichkeit und Freiwilligen-Aktivitäten getragen. Dieses Engagement reicht vom Spektrum der Kolpingjugend mit Projekttagen, Gruppenangeboten und Ferienfreizeiten bis hin zu Mitwirkung in Pfarrgemeinden, Engagement für die Eine-Welt durch konkrete Partnerschaftsarbeit. Und jetzt besonders aktuell in der Flüchtlingsarbeit durch ehrenamtliche Betreuung, soziale Hilfen, Koordinierung von Möbel- und Kleiderspenden. Die Arbeit ist unschätzbar wertvoll.

Ist die Tatsache, dass Sie CDU-Mann sind, eine Empfehlung für den Vorsitz?

Nacke: Ich bin kein Parteisoldat . . . Das ist mir wichtig zu sagen, das ist auch wichtig, dass die Mitglieder das wissen. Die Wurzeln des Kolpingwesens mit seinem Gründer Adolph Kolping, der ja Priester war und sich für soziale Gerechtigkeit, für Arme und Benachteiligte eingesetzt hat, sind christlich geprägt. Insofern fühle ich mich dem Anliegen Kolpings über meine Glaubenseinstellung verbunden. Das Kolpingwerk selbst aber ist überparteilich und gewiss kein Vorhof der CDU.

Wie sieht es bei Kolping mit Nachwuchs aus? Interessieren sich Jugendliche für die Angebote?

Nacke: Ich glaube, wir haben die jungen Leute gut im Blick und auch einen guten Draht zu ihnen. Das kommt allein schon durch die Jugendarbeit vor Ort, durch Freizeit- und Bildungsangebote, durch die wir sie ins Boot holen können. Von den 90 000 Mitgliedern sind etwa 8000 Jugendliche. Das ist ein guter Schnitt.

Was haben Sie sich als NRW-Kolping-Vorsitzender als besonderes Ziel gesetzt?

Nacke: Der Staat macht ja gesellschaftliche Gruppen stark, die Aufgaben erfüllen, die er sonst selbst übernehmen muss. Für mich ist das Weiterbildungsgesetz ein Ansatz, Kolping noch weiter zu stärken und die Angebote ausbauen zu können. Aber auch Themen wie Familie, Pflege, Ethik, Glaube und Sozialpolitik bieten noch viele Ansatzpunkte. Bei Kolping ging es von Anfang an immer um den Menschen, um sein Wohl. Daran anzuknüpfen und den gesellschaftlichen Rahmen zu verbessern möchte ich sowohl als Politiker als auch als Kolping-Vorsitzender.

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