Di., 12.09.2017

Ateliers am Hoppengarten laden am Wochenende ein Spöttische Echokammer zu den Skulptur-Projekten

Iris Palandt mit ihrer Kiepenkaline.

Iris Palandt mit ihrer Kiepenkaline. Foto: kok

Münster - 

Vorhang auf heißt es nicht nur direkt am Eingang zu den Ateliers. Das entsprechende Großbild entstand als Gemeinschaftsaktion der Künstler mit den Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft. Vorhang auf, heißt es am Wochenende (15. bis 17. September) auch für die Maler und Bildhauer, wenn sie Gemälde mit Münster-Bezug, klassische Plastiken oder interaktive Installationen zu den Skulptur-Projekten zeigen, bei denen sehr oft Intuition und Witz eine Rolle spielen.

Von Gerhard H. Kock

Fotostrecke: Jahresaustellung der Ateliers am Hoppengarten

Ricarda Mau und Uwe Wiedenstried haben den Katalog der Skulptur-Projekte gründlich gelesen, über die abgehobenen Formulierungen den Kopf geschüttelt und daraus eine „Echokammer“ gebaut. Die Besucher können sich aus einer Weihe-Schale Zitate ziehen und diese in einen Trichter sprechen, wo Christo und Jeanne-Claude Sätze spöttisch echoen wie: „Wir sind auf ein Selbst verwiesen, dessen Interpretation sich im Außen verliert, uns jedoch zugleich anheimgestellt ist.“

Schräg sehen einige Zeichnungen von Lisa Schlosser aus, angefertigt als Blind-Zeichnung. Die Künstlerin schaut nicht aufs Blatt während sie ein Porträt fertigt, dadurch entstehen die faszinierend surreal verschobenen Strukturen, regelrechte Charakterköpfe. Ulrike Lindken zeigt den stolzen pfiffigen Zaunkönig als akribische Zeichnung aus Chinapapier. Ein Anachronismus von Herstellung und Motiv: Ist der Mini-Piepmatz eher ein unruhiger Hüpfer muss Lindken die Ruhe selbst sein, wenn sie die filigranen Fitzelchen präzise aneinanderfügt.

Theresa Potente schaut mit Bildhauer-Augen die Welt an und sieht dann eben auch das Potenzial von Brennholz. Ein Obstbaum-Stamm stand zur Feuerung an, doch Potente erkannte die skulpturalen Möglichkeiten. „Wachstum“ heißt die Holzskulptur, die wie ein menschlicher Torso erscheint. Witz spielt beim Rosario Marmor „Yon Yong“ mit, der wie ein gedehntes Yin und Yang aussieht.

Iris Palandt bringt Münster auf die Leinwand wie eine Kiepenkaline mit Kohl, Kartoffeln und Sonnenbrillen. Mari Girkelidse liebt deutsche Märchen. Die Georgierin hat sich Schneewittchen zugewandt und stellte diese in Rosarot an einer Stange dar.

Wolfgang Brecklinghaus zeigt in seiner „Apokalypse“-Collage die dunkle Seite der Welt. „Das kann ich nicht zu lange machen, sonst würde ich depressiv.“ Daher „flüchtet“ er dann in geome­trische Farbspiele mit dem Filzstift. Inga Leugers wandelt gerade ihre Ausrichtung, weg von der Bildhauerei hin zur Malerei. Susan Gretz gibt ihren Empfindungen und Stimmungen expressiv Ausdruck. Ferner zu sehen: Junho Chor, Leonie Woellner und Claudia Alfers.

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Die Eröffnung am Hoppengarten 28 ist am Freitag (15. September) von 18 bis 21 Uhr mit Live-Musik von Hanna Meyerholz. Öffnungszeiten: Samstag (16. September) von 14 bis 19 Uhr und Sonntag (17. September) von 11 bis 18 Uhr.



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