Mi., 13.09.2017

Abgesang auf Kulturforum Gutachten geben Plänen auf Hörsterparkplatz keine Chance

Der zentrale Platz dient bislang zum Parken.

Der zentrale Platz dient bislang zum Parken. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Lange haben die Ideengeber um ein Kultur- und Bildungsforum auf dem Hörsterparkplatz gekämpft. Jetzt sprechen die Gutachten Klartext.

Von Dirk Anger

Die hochtrabenden Pläne für ein insgesamt rund 75 Millionen teures Kultur- und Bildungsforum auf dem Hörsterparkplatz haben nach Einschätzung von Gutachtern und Stadtverwaltung keine Chance auf eine Realisierung. Zwei von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten weisen auf verschiedene Schwachstellen in dem Konzept von Projektentwickler Christoph Deckwitz (VI Group) und Architekt Hans-Otto Höyng hin.

Letztere haben das Konzept für ein Kultur- und Bildungsforum vorangetrieben. Dieses sieht neben einem Konzertgebäude mit 1200 Plätzen Wohnungsnutzung sowie Bildungsreinrichtungen wie Volkshoch- und Musikschule auf städtischen wie privaten Flächen vor. Doch das gemeinsame Fazit beider Gutachten fällt eher vernichtend aus. Von einer „Vielzahl offener Problemstellungen“ ist die Rede. „Keine zufriedenstellenden Lösungsansätze“ gebe es zur Wirtschaftlichkeit, baulichen Dichte und Verkehrssituation.

Vernichtendes Urteil für Konzertsaal-Konzept

Vor allem für den ­Konzept-Baustein eines Kon­zertsaals auf dem ­Parkplatz zwischen Hörster­ straße/Bült/Korduanenstraße/ Sonnenstraße fällt das Urteil vernichtend aus: Das vor­gelegte Konzept werde sowohl in städtebaulicher als auch in architektonischer Hinsicht der herausragenden Bedeutung einer Musikhalle nicht gerecht, so die Einschätzung. Die Konzerthalle würde – erreichbar durch eine Passage – auf dem Hörsterparkplatz gebaut, dort allerdings in der zweiten Reihe stehen. Denn das bereits vorhandene Hochhaus am Bült und ein neu zu errichtendes Hochhaus würden den Blick auf die Konzerthalle deutlich einschränken, heißt es.

Eine erhebliche dauerhafte finanzielle Belastung der Stadt Münster, finanzielle Risiken aus dem Betrieb sowie „funktionale Mängel im Raumprogramm“ führen die Gutachter als weitere Schwachpunkte der vorgelegten Pläne an. Dabei lag den Experten, die in zwei getrennten Gutachten die baurechtliche Seite sowie das inhaltliche Konzept auf den Prüfstand stellten, ein 450-seitiges Kompendium aus den Händen der Initiatoren Höyng und Deckwitz vor. Im Mai dieses Jahres wurde ein 50-seitiges Dokument nachgereicht, das den aktuellen Projektstand nochmals konkretisierte. Doch auch dieses hat die Gutachter nicht überzeugt. Beim Baustein Wohnen meldeten sie Zweifel an der Wirtschaftlichkeit an. „Die Erträge der Wohnnutzung erscheinen nicht plausibel“, heißt es im Gutachten.

Kommt jetzt der Musikcampus an der Hittorfstraße?

In Ratskreisen gilt das Projekt am Hörsterparkplatz jetzt endgültig als tot. Damit dürften Pläne für einen Musikcampus an der Hittorfstraße alsbald in den Vordergrund rücken: Dort soll nach dem Willen von Oberbürgermeister Markus Lewe und Spitzen der Universität Münster ein Musikcampus entstehen, wie 2016 in einer Absichtserklärung von beiden Seiten bekundet wurde.

Danach soll der Campus mit dem Veranstaltungs- und Kongressgebäude auf einem Grundstück an der Hittorfstraße/Ecke Einsteinstraße gebaut werden – dort, wo noch das ehemalige Pharmaziegebäude der WWU steht, das abgerissen werden soll. Auf dem Campus sollen sowohl die WWU-Musikhochschule als auch die städtische Musikschule untergebracht werden. Zusätzlich soll die Halle für Konzerte und zahlreiche andere Veranstaltungen zur Verfügung stehen, so die Idee.

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