Fr., 15.09.2017

Hörsterparkplatz bleibt im Gespräch Ideengeber wollen Kultur-Pläne retten

Der Hörsterparkplatz im Zentrum der Stadt: Wie er künftig genutzt werden könnte, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten.

Der Hörsterparkplatz im Zentrum der Stadt: Wie er künftig genutzt werden könnte, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Die Initiatoren des Kultur- und Bildungsforums kämpfen um ihre Pläne – zunächst nehmen sie sich die kritischen Gutachten vor.

Von Dirk Anger

Die Ideengeber für ein Kultur- und Bildungszentrum auf dem Hörsterparkplatz wollen sich intensiv mit den in zwei Gutachten aufgezeigten Schwachstellen ihres Projekts auseinandersetzen. „Dies erscheint in weniger als 14 Tagen als nicht seriös realisierbar, geschweige denn, dies ,über Nacht´ zu tun“, heißt es in einer Stellungnahme der VI.Group und ihres Geschäftsführer Christoph Deckwitz, der mit Architekt Hans-Otto Höyng über Jahre an dem Konzept gearbeitet hat. „Um dem überaus wichtigen Thema für Münster und dem komplexen Sachverhalt gerecht zu werden, möchten die Initiatoren die Gutachten/Stellungnahmen in Gänze verstehen, verarbeiten und bewerten.“

Wie aus der Stellungnahme hervorgeht, haben sich die Ideengeber trotz der negativen Bewertung in den beiden Expertisen, die Montag bekannt gemacht wurden, noch lange nicht von ihren Plänen verabschiedet, auf dem Parkplatz ein Konzertgebäude, Bildungseinrichtungen und Wohnungen zu realisieren. Trotz eines abschlägigen Votums der Verwaltungsspitze um Oberbürgermeister Markus Lewe setzen Deckwitz und Höyng weiter auf Verhandlungen mit Verwaltung und Politik.

Dazu heißt es in ihrer Pressemitteilung von Freitag: „Nach Einbindung unsere fachkundigen Mitstreiter, Fach- und Sachbearbeiter freuen wir uns gemeinsam mit der Stadt Münster, die etwaig unterschiedlichen Interpretationen zu besprechen.“ Nach diesem Austausch wollen beide das Gespräch mit der Politik suchen: Dann sei die vollumfängliche Vorstellung der durchaus komplexen Aspekte des Forums der richtige Zeitpunkt.

Die beiden Gutachten hatten im Auftrag der Stadt die „technischen und wirtschaftlichen Aspekte“ (Assmann Gruppe) und die „kulturfachlichen“ Aspekte (Imorde Projekt- und Kulturberatung) des Projekts untersucht. Dabei legen Deckwitz und Höyng Wert auf die positiven Aussagen des Gutachtens. Darin heißt es auch: „Die vorliegende Machbarkeitsstudie hat sich über einen Zeitraum von über drei Jahren intensiv mit dem Grundstück (...) auseinandergesetzt, deutlich über das bei Projektstudien sonst übliche Maß hinaus.“ Die Ergebnisse seien im Wesentlichen aufeinander abgestimmt und nachvollziehbar, jedoch bestehe in bestimmten Punkten noch Klärungsbedarf. 

Pro & Contra

Pro: Inhalte statt Standorte

Münsteraner diskutieren gerne über Standorte: Hörsterparkplatz oder Schlossplatz oder Hittorfstraße? Wer so argumentiert, zäumt das Pferd von hinten auf.

Viel wichtiger ist die Frage: Mit welchem Inhalt soll ein Kulturforum gefüllt werden? Wie soll es finanziert werden? Es gibt eine Vision, die diesen Namen auch verdient: Münster muss es schaffen, die Westfälische Schule für Musik, die Musikhochschule und das Sinfonieorchester räumlich zusammenzufassen und an der Schnittstelle von Bildung und Kultur eine Einrichtung mit bundesweiter Strahlkraft zu schaffen. Für eine derartige Einrichtung in der „Stadt der Wissenschaft und Lebensart“ würde sich auch eine Spielstätte anbieten, nennen wir sie der Einfachheit halber Musikhalle.

Sollten die Verantwortlichen im Rathaus und im Schloss eines derartiges Kulturforum (oder wie man es sonst nennen möchte) stemmen und auch finanzieren, dann findet sich auch ein Standort. Es wird Zeit, dass Kulturdebatten von Kulturschaffenden geführt werden – und nicht von Städteplanern und Architekten. Klaus Baumeister

Contra: Musik für die Mitte

Sollte es das etwa schon wieder gewesen sein? Bitte nicht. Die Idee eines Kulturforums auf dem Hörsterparkplatz ist zu wertvoll, als dass man sie aufgrund eines skeptischen Gutachtens einfach verwerfen dürfte. Man spürt geradezu die Erleichterung einiger Verantwortlicher, das Thema nun nicht mehr anfassen zu müssen . . .

Es bleibt dabei: Dieser Platz ist als Parkplatz verschenkt. Und er drängt sich aufgrund seiner Nähe zum Stadttheater, zur Stadtbücherei, zu diversen Parkhäusern und zur Innenstadtgastronomie als Standort eines Kulturforums geradezu auf. Wer glaubt denn ernsthaft, dass ein halbuniversitärer Musikcampus das Publikum in Strömen ans Coesfelder Kreuz lockt? Genauso gut könnte man die Skulptur-Projekte auf die Loddenheide verlegen. Nein, die Musik spielt im Zentrum! Das gilt für den Einzelhandel – und es gilt umso mehr für die kulturelle Infrastruktur, die für das Selbstverständnis der wachsenden Stadt entscheidend ist. Für das Kulturforum gilt deshalb: Ruhe bewahren, weiter überlegen.

Wo ein Wille, da ein Weg. Aber eben nur da. Lukas Speckmann



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