Mi., 20.09.2017

Espa-Trägerschaft: Demonstration gegen Bethel-Rückzug Gellender Protest gegen Übernahme

Rund 200 Menschen demonstrieren vor dem Rathaus gegen den Rückzug der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel als Träger der Espa.

Rund 200 Menschen demonstrieren vor dem Rathaus gegen den Rückzug der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel als Träger der Espa. Foto: Ralf Repöhler

Münster - 

(Aktualisiert) Protest vor dem Rathaus: Rund 200 Demonstranten haben sich dort am Mittwochmittag versammelt, um ihren Unmut über den Rückzug der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel als Träger der Espa deutlich zu machen.

Von Lukas Speckmann

Würde vom Prinzipalmarkt her nicht der gellende Protest von etwa 200 Schülern und Lehrern nach oben dringen – die Harmonie im Stadtweinhaus wäre an diesem Mittwochnachmittag ungetrübt. Die „v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel“ aus Bielefeld möchten aus Kostengründen die Trägerschaft des Espa-Berufskollegs im Kreuzviertel aufgeben, die Stadt Münster möchte sie hingegen unbedingt übernehmen. Das verkünden der Bethel-Vorstandsvorsitzende Pastor Ulrich Pohl und Stadtdirektor Thomas Paal bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

An dem Berufskolleg werden unter anderem Heilpädagogen, Heilerziehungspfleger, vor allem aber Erzieher ausgebildet – auf diesem Gebiet aber sei der Fachkräftemangel in Münster riesig, weil es nicht genügend Ausbildungsplätze gebe, betont Thomas Paal: „Undenkbar, darauf zu verzichten.“ Wenn die Politik zustimmt, könnte der Übergang innerhalb eines Jahres vollzogen sein. Und zwar unter der Ägide des Anne-Frank-Kollegs.

Fotostrecke: Espa: Lautstarker Protest vor dem Rathaus gegen Bethel-Rückzug

Der Protest draußen wird so ungemütlich, dass die Sitzung rasch formlos beendet wird: Die Beteiligten marschieren in den Rathaus-Innenhof, wo die Demonstranten zum Empfang zwar ordentlich Krach machen, aber dann doch aufmerksam zuhören. Es soll weitergehen mit dem Berufskolleg, die Ausbildungsgänge und Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben, vorerst sogar das alte Schulgebäude. Wo also ist das Problem?

Das erläutert Norbert Göttker, der kommissarische Schulleiter, der an der Pressekonferenz nicht hatte teilnehmen dürfen: Man sei angetreten, um „Wut und Ärger darüber auszudrücken, dass es in Münster nicht möglich ist, ein evangelisches Bündnis zu schmieden, das diese Schule trägt“.

Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Mitglieder des Kollegiums betonen, dass das Berufskolleg eine von außergewöhnlicher Mitbestimmung geprägte Kultur verkörpere, die unter dem Dach eines städtischen Groß-Kollegs kaum gepflegt werden könne: „Es macht keinen Sinn, eine Schule aufzugeben, die gut ist“, sagt eine Lehrerin verbittert. Und wo, wenn nicht in Schule oder Kita, könnten christliche Werte überhaupt noch vermittelt werden?

Die Informationspolitik des Bethel-Vorstands wird heftig kritisiert. Aber es gibt auch Applaus: für Thomas Paal, der erklärt, die Botschaft der Demonstranten verstanden zu haben. „Dass wir überhaupt eine Perspektive haben, verdanken wir der Stadt“, sagt Schulleiter Göttker.

Espa-Berufskolleg

Die „Evangelische Sozialpädagogische Ausbildungsstätte“ ist ein Berufskolleg für Heil- und Erziehungsberufe. 1955 unter dem Dach des Diakonissenmutterhauses gegründet, wurde es nach dessen Insolvenz 2004 von Bethel weitergeführt. Die Stadtverwaltung plant eine Übernahme zum nächsten Schuljahr: Die 37 Mitglieder des Kollegiums sollen vom Land, die übrigen Angestellten von der Stadt übernommen werden. Die Ausbildungsgänge für die 550 Schüler würden fortbestehen, auch das Gebäude könnte vorerst weiter genutzt werden. Bis 2020 wäre Bethel zudem an den Kosten beteiligt.

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