Mo., 25.09.2017

Analyse der Bundestagswahl in Münster AfD bundesweit nur im Wahlkreis Münster unter 5 Prozent

 

  Foto: Andreas Hasenkamp

Münster - 

Münsters Volksparteien sind in der bundesrepublikanischen Normalität angekommen. Bundesweit holt die Union 33 Prozent der Stimmen, in Münster sind es für die CDU 32,8 Prozent. Das Bundesergebnis der SPD liegt bei 20,5 Prozent, in Münster bei 20,9 Prozent. Mehr Übereinstimmung ist kaum möglich.

Von Klaus Baumeister

Dazu passt auch, dass Union und SPD – die beiden Parteien der großen Koalition – zusammen 13,7 Prozentpunkte verloren haben. Auch in Münster schlägt dieser Trend mit 11,4 Prozentpunkten Verlust für CDU und SPD voll durch, wenn auch mit anderer Gewichtung. Hier verliert nämlich die SPD mehr als die CDU.

Markante Unterschiede bei Grünen und AfD

Wer markante Unterschiede zwischen dem Bundesergebnis und dem Münster-Ergebnis finden möchte, der muss zu den kleinen Parteien gehen. Nicht zu FDP und Linken, wohl aber zu den Grünen und zu der AfD.

Die Grünen holen in Münster bei der Zweitstimme satte 5,7 Prozentpunkte mehr als im Bundesdurchschnitt, bei der AfD ist es genau umgekehrt. 12,6 Prozent sind es für die Rechtspopulisten insgesamt, aber nur 4,9 Prozent in Münster. Das macht eine Differenz von 7,7 Prozentpunkten.

Mit dem Ergebnis unter der Fünf-Prozent-Marke hat Münster am Montag eine überregionale Popularität gewonnen, denn die AfD hat ihr schlechtestes Ergebnis eben im Wahlkreis Münster zu verzeichnen – was viele Beobachter als Auszeichnung bewerten.

Auch in einem anderen Punkt kann Münster mit einem Spitzenwert aufwarten. Die Wahlbeteiligung liegt mit 82,3 Prozent deutlich über dem Bundeswert von 76,2 Prozent.

Gute, aber nicht überragende Wahlbeteiligung

Gemessen an den münsterischen Maßstäben ist das Ergebnis 2017 gut, aber nicht überragend. Bei der Bundestagswahl 2005 waren es noch 83 Prozent der Münsteraner, die zu den Urnen gingen, 1998 sogar 86,8 Prozent.

Bezogen auf die 33 Wahlbezirke in Münster fällt auf, dass CDU und SPD flächendeckend abfallen, während FDP und Linke flächendeckend zulegen. Bei den Grüne halten sich Gewinne und Verluste die Waage, während die AfD in allen Wahlkreisen außer im Kreuzviertel zulegen kann.

Die CDU schafft es nur noch an zwei Stellen im Stadtgebiet, die 40-Prozent-Marke zu überspringen, und zwar in Gelmer und Nienberge. Die SPD bleibt stadtweit unter der 25-Prozent-Marke. Die 24,5 Prozent in Hiltrup-Ost sind bereits das höchste der Gefühle. Die Grünen müssen sich derweil damit begnügen, dass sie nur in einem der 33 Wahlbezirke oberhalb von 20 Prozent landen. Die Rede ist vom Wahlbezirk Bahnhof/Pluggendorf.

Zu dem bundesweit beachteten Negativ-Rekord der AfD in Münster gehört, dass die Partei nur in einem von 33 Wahlkreisen über zehn Prozent kommt. Weitere Hochburgen sind Berg Fidel (8,6 Prozent) und Angelmodde (7,6 Prozent).

Hatten örtliche Themen Einfluss?

Während man hier die bestehenden sozialen Problemlagen noch als Grund für das Ergebnis anführen kann, sind die 7,3 Prozent AfD-Stimmen in dem ansonsten so betulichen Amelsbüren kaum erklärbar. Vielleicht hat der derzeit laufende Bau von Windrädern rund um Amelsbüren der AfD, die die Energiewende heftig kritisiert, etwas Aufschwung gegeben.

Auch an anderen Stellen ist nicht ausgeschlossen, dass örtliche Themen einen Einfluss auf das Ergebnis haben. In Wolbeck und Angelmodde ist die FDP erfolgreich. Dort unterstützt sie die Gegner des geplanten Zugverkehrs auf der alten WLE-Trasse.

 

 

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