Mo., 25.09.2017

Poltikwissenschaftler analysiert Ergebnis „Von sehr konservativ bis Mitte links“

Politikwissenschaftler Norbert Kersting spricht der CDU in Münster und dem Münsterland noch eine überdurchschnittliche Bindungskraft zu. Diese habe auch geholfen, die AfD klein zu halten.

Politikwissenschaftler Norbert Kersting spricht der CDU in Münster und dem Münsterland noch eine überdurchschnittliche Bindungskraft zu. Diese habe auch geholfen, die AfD klein zu halten. Foto: Andreas Hasenkamp

Münster - 

Der Politikwissenschaftler Norbert Kersting hat einen Blick auf das Wahlergebnis in Münster geworfen.

Von Dirk Anger

Während bundesweit das starke Abschneiden der AfD für Diskussionen sorgt, nehmen sich die Erfolge der rechtspopulistischen Partei im Münsterland und insbesondere in Münster eher verhalten aus. In der Domstadt blieben die Rechten knapp unter fünf Prozent. Ein Ergebnis, das republikweit viele Beobachter nach Münster gucken lässt.

Große Bindungskraft der CDU

Die nach wie vor große Bindungskraft der CDU ist nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Norbert Kersting von der Westfälischen Wilhelms-Universität ein entscheidender Grund für das schwache AfD-Abschneiden in Münster und der gesamten Region. „Von sehr konservativ bis Mitte links wie in Münster reicht das Spektrum der CDU“, meint Kersting. Deshalb gebe es bei den hiesigen Christdemokraten auch noch eine „Heimat für einen konservativen Flügel“. Und das christliche Element sei in der hiesigen CDU ausgeprägt stark verankert.

Auch die in Münster „besonders hohe“ Wahlbeteiligung habe die AfD klein gehalten. Das sei in Großstädten eigentlich untypisch: „Denn man neigt in großen Städten aufgrund der Anonymität eher dazu, rechtspopulistisch zu wählen“, sagt der Lehrstuhlinhaber für Vergleichende Politikwissenschaft – Kommunal- und Regionalpolitik. Gleichwohl sieht Kersting auch bei der CDU „Verluste auf Bundesebene in einer Größenordnung, die keiner gedacht hätte“. „Die Unzufriedenheit mit der Asylpolitik ist immer noch eine Tatsache, die stark zum Tragen kommt.“

"Erststimme häufig von Zweitstimme abhängig"

Dass die Entscheidung um das Direktmandat in Münster am Ende klarer ausgefallen ist, als ursprünglich vorhergesagt, verwundert Politikwissenschaftler Kersting im Nachhinein bei der Analyse nicht: „Die Erststimme ist häufig abhängig von der Zweitstimme.“ Gegen einen Negativtrend anzukommen, sei dann insbesondere für einen Herausforderer wie den SPD-Vertreter Robert von Olberg „sehr schwierig“.

Den Weg der SPD zurück auf die Oppositionsbänke begrüßt Kersting durchaus. Wenn allerdings Grüne und FDP in einer Jamaika-Koalition unter CDU-Führung nicht zusammenfänden, dann müsse sich zeigen, wie es um die staatsbürgerliche Verantwortung der SPD bestellt sei. „Denn Neuwahlen will so schnell niemand.“

In unserer interaktiven Karte können Sie sehen, wie in Ihrem Wahllokal abgestimmt wurde und wo die Hochburgen der sechs großen Parteien in der Stadt sind:



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