Do., 28.09.2017

Szusza Bánk liest beim Literaturverein Gelesenes wird Gelebtes

Szusza Bánk las aus ihrem Briefroman, in dem Annette von Droste-Hülshoff ungeahnte Präsenz genießt.

Szusza Bánk las aus ihrem Briefroman, in dem Annette von Droste-Hülshoff ungeahnte Präsenz genießt. Foto: jas

Münster - 

Hoher Ton, Emotionalität und Innenschau – „im Briefroman ist alles möglich“, sagt Szusza Bánk. Deshalb habe sie sich für diese Form entschieden. „Schlafen werden wir später“ umfasst rund 200 Briefe auf 700 Seiten, die einen Zeitraum von drei Jahren abdecken. Es geht um zwei Frauen Anfang 40, die höchst unterschiedliche Lebensentwürfe verkörpern, aber eines gemeinsam haben: Sie wollen ihr Leben nicht verschwenden. Deshalb auch der Titel, so die Autorin bei ihrer Lesung am Mittwoch in der Stadtbücherei.

Von Helmut Jasny

Márta ist Schriftstellerin und lebt mit Mann und drei Kindern in der Großstadt. Johanna ist Single, arbeitet als Lehrerin im Schwarzwald und schreibt eine Dissertation über Annette von Droste-Hülshoff. Damit kommt die Literatur ins Spiel, die ein weiteres zentrales Thema im Roman bildet. Immer wieder tauchen Droste-Zitate in den Briefen der Protagonistinnen auf und spiegeln deren Leben und Denken. „Eine Anverwandlung, bei der Gelesenes zu Gelebtem wird“, so Hermann Wallmann vom Literaturverein.

Für die Lesung wählte Bánk eine winterliche Stimmung. In den Briefen, die hier zeitgemäß als E-Mails durchs Netz gehen, erzählt Johanna von einem Schüler aus einem problematischen Elternhaus, bei dem sie sich an die Figur des Friedrich Mergel aus der „Judenbuche“ erinnert fühlt. Parallel dazu berichtet Márta von ihrem Leben, bei dem neben unbezahlten Rechnungen der Stress mit den Kindern, aber auch die Freude an ihnen viel Raum einnimmt. Es ist ein einfühlsamer, reflexiver und durchaus anspruchsvoller Ton, in dem die beiden Frauen kommunizieren. Er spiegle ihre Liebe zur Literatur, erklärt Bánk. „Sie schreiben so, weil sie es können und weil sie sich darüber definieren.“ Ursprünglich sei gar nicht geplant gewesen, dass die Droste in dem Buch eine so starke Präsenz bekommt. Das habe sich erst mit der Recherche ergeben. „Man macht wundervolle Entdeckungen, wenn man auf Droste-Pfaden wandelt.“ Zudem stünden ihre Romanfiguren den Erscheinungen modernen Lebens eher skeptisch gegenüber und seien literarisch mehr im 18. Jahrhundert verhaftet, so Bánk. Und für diesen Zeitraum sei die Droste als Dichterin gewissermaßen konkurrenzlos.



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