Fr., 29.09.2017

Musik - Integration - Heimat Soul mit Hiltruper Wurzeln

Trotz bescheidener Lebensverhältnisse ging es ihrer aus Sri Lanka geflüchteten Familie in ihrer neuen Heimat Hiltrup gut. Shubangi Yogendra war auf dem Cover ihrer neuen EP „Halt Dich fest“, drei Jahre alt. Die Möbel waren Geschenke vom roten Kreuz, Manches kam vom Sperrmüll. Es gab viel Musik und Pflanzen. Das prägt auch Shubangis heutiges Leben.

Trotz bescheidener Lebensverhältnisse ging es ihrer aus Sri Lanka geflüchteten Familie in ihrer neuen Heimat Hiltrup gut. Shubangi Yogendra war auf dem Cover ihrer neuen EP „Halt Dich fest“, drei Jahre alt. Die Möbel waren Geschenke vom roten Kreuz, Manches kam vom Sperrmüll. Es gab viel Musik und Pflanzen. Das prägt auch Shubangis heutiges Leben.

Münster-Hiltrup - 

Mit „Shoe & The Maxons“ trat Shubangi Yogendra bei „The Dome“ auf, wurde beim renommierten Deutschen Rock & Pop Preis mehrfach ausgezeichnet, war „Lokalmatador“ beim Funkhaus Europa und tritt am 8. Oktober in der nächsten Adam Riese Show in der Cloud am Germania Campus (Es gibt noch Karten!) bereits zum zweiten Mal auf. Diesmal stellt sie ihre neue EP exklusiv mit der Showband „Markus Paßlick und seine Original Pumpernickel“ vor. Einen Abend vorher (7.10., 19 Uhr) ist Release-Konzert mit Gästen im Triptychon. Ihre Karriere begann in Hiltrup und die neue EP „Halt mich fest“ führt sie auch wieder zurück zu ihren Wurzeln.

Von Peter Sauer

„So viele Möglichkeiten. Unendlichkeit und Weite. So viele volle Taschen die du mit dir schleppst. Ohne sie fühlst durch dich verlassen. Und du hälst sie fest. Halt Dich an Dir fest.“ Mit ihrer neuen Single macht Sängerin Shubangi Yogendra allen Menschen Mut, auch mal über ihren Schatten zu springen und einfach mal etwas Neues zu wagen. Die 31-Jährige weiß wovon sie singt.

Ihre Kindheit und Jugend verbrachte die Trägerin des deutschen Rock & Pop-Preises in Hiltrup- West am Hummelbrink 3a. Das Coverfoto ihrer neuen, heute erscheinenden EP zeigt ihre Familie Anfang der Neunziger Jahre mitten im Wohnzimmer. „Da war ich gerade neun Monate alt.“ Bewusst hat die famose Grenzgängerin zwischen Soul, Hip Hop und Elektro dieses Motiv für ihre modernen Songs ausgewählt. „Das Bild habe ich ausgewählt, weil mich die Situation berührt. Sie strahlt für mich Geborgenheit, Ruhe, Liebe und Halt aus. Aber ebenso Neuanfang.“

Denn ihre Eltern flohen um 1984 vor dem Bürgerkrieg auf Sri Lanka. „Weil Tamilen diskriminiert und teils verfolgt wurde aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit“, ergänzt Shubangi. Es war keine einfache Zeit für die Neuankömmlinge im viel zu kalten Winter-Deutschland. Der Weg zur Arbeit war weit und nur mit dem Fahrrad beschwerlich. Die fremde Sprache, zwei kleine Kinder, die ungewisse Zukunft.“ Aber sie haben es mit Bravour gemeistert, wie Shubangi rückblickend anerkennt. „Meine Eltern waren immer sehr interessiert daran, dass wir eine vernünftige Bildung bekommen und uns gut integrieren.“

Noch gerne erinnert sie sich an ihr sehr frühes Schulerlebnis. „Meine Eltern gingen mit mir, als ich etwa drei Jahre alt war, zur Paul Gerhardt-Grundschule in Hiltrup und fragten, ob ich schon eingeschult werden kann.“ Die damalige Schulleiterin Frau Kracht („mit schneeweißem, feschen Bob“) erklärte ihren Eltern, dass es dafür zu früh sei. „Sie begleitete uns zum Kindergarten Wielerort, um uns bei der Anmeldung zu helfen. Auch andere Hiltruper boten ihre Hilfe an.“

Hauptberuflich arbeitet Shubangi inzwischen in Nottuln als Lehrerin. Englisch, Politik und Geschichte. Ihre Berufsentscheidung stand schon früh fest: „Grundschullehrerin Frau Hilbert inspirierte mich. Sie war eine sehr zugewandte, wertschätzende und faire Lehrerin.“

Das EP-Cover-Bild vom heimischen Wohnzimmer am Hummelbrink ist für Shubangi ein wichtiges Symbolfoto: „Wir hatten nicht viel, aber wir hatten uns. Es lief nicht alles rund, aber wir haben es uns mit unseren Möglichkeiten gemütlich gemacht, Freunde gefunden und in Münster Fuß gefasst.“

Heimweh nach Sri Lanka gab es natürlich auch. Dort mussten Shubangis Eltern Geschwister und Freunde zurücklassen. Ein bisschen wie im neuen Song „Ich bin gestrandet“: „Auf einer einsamer Insel. Um mich herum nur das Meer. Ich vermisse Euch sehr.“

Aber Shubangi ist ein optimistischer Mensch. „Veränderung hat auch was Positives. Das Foto von unserem früheren Wohnzimmer im Hiltrup steht für mich also auch für Neuanfang und seine Wurzeln pflegen. Sie geben uns schließlich Halt.“

Ihre neue Single „Halt Dich Fest“ drückt für Shubangi aus, „dass das wichtigste gute Beziehungen zu deinen Liebsten sind und dass man eine gute Beziehung zu sich selbst hat.“ Man muss sich auf das Wesentliche konzentrieren. „Der Titelsong spielt auch darauf an, dass wir vor lauter Konsum den Kontakt zu unserem Inneren und zu dem was wir wirklich brauchen, verlieren.“

Ihr Vater brachte ihr bei, Musik zu genießen und förderte sie. So begann Shubangi schon als Jugendliche in Hiltrup ihre Laufbahn als Sängerin, mit Soul, Funk und Jazz. „Mein erster Auftritt war mit zwölf Jahren. Ich sang Whitney Houston „Your love ist my love“.

Wer Shubangi heute auf der Bühne herzhaft soul-rocken sieht, ahnt nichts über frühere Schüchternheit: „Ich habe mich erst gar nicht getraut vor Leuten zu singen, hatte weiche Knie. Doch der erste Auftritt hat mich ermutigt weiter zu machen, dranzubleiben und es hat sich voll gelohnt an sich zu glauben.“ Das spornte sie an, weiter ihren Weg zu gehen: „Ich hatte mit 14 meine erste Band Groovin Mojo. Wir hatten uns während der Kinderbibelwoche in der Evangelischen Kirche kennengelernt.

In meiner Pubertät habe ich entdeckt, dass ich eine Leidenschaft dafür habe live zu singen, dass ich damit Menschen zum Lachen, Tanzen und Mitfühlen bringen kann. Für mein Selbstbewusstsein war es sehr wichtig zu merken was ich gut kann und was nicht.“ So fand die junge Deutsch-Tamilin mit der luftig-lockeren Haarmähne ihren Platz im Leben.

Stilistisch besinnt sich Shubangi mit ihrer neuen EP „Halt Dich fest“ auf ihre musikalischen Wurzeln – zwischen Ella Fitzgerald und Aretha Franklin: „Die Soulmusik gibt mir Halt, ist Teil meiner Lebenswelt.“

In der Tat: Die vier neuen Songs und die Extras (Studiosession und Acapella) ihrer EP treffen Herz und Kopf gleichermaßen, gehen mit unterschwellig coolen Groove aber auch gut in die Beine und haben Ohrwurmqualität. Und man kommt Shubangi, die kräftig und sanft zugleich singt und sich zwischen die Zeilen groovt, ganz nahe, nicht nur im Liebessong „Freier Fall“: „Ich lass mich auf Dich ein. Lass Dich in meine Welt hinein.“

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Shubangi stellt ihre neue EP live vor:

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7. Oktober Triptychon Münster, 19 Uhr (mit Azudemsk);

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8. Oktober, Adam Riese Show (mit Kabarettist Fritz Eckenga, Quizprofi Klaus Otto Nagorsnik und den Schauspieler Vittorio Alfieri), Cloud, Germania Campus Münster, 19 Uhr. VVK: Jörgs CD Forum, WN Ticket-Shop.   | shubangi.com/



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