Fr., 29.09.2017

Skulptur-Projekte 2017 Was passiert nach dem Ende der Kunstausstellung?

Alexandra Pirici und ihr Team präsentieren ihre Performance „Leaking Territories“ auch an diesem Abschluss-Wochenende im Historischen Friedenssaal.

Alexandra Pirici und ihr Team präsentieren ihre Performance „Leaking Territories“ auch an diesem Abschluss-Wochenende im Historischen Friedenssaal. Foto: Gerhard H. Kock

Münster - 

Was macht Imke Itzen, die Projektleiterin, wenn am Abend des 1. Oktober die letzte Klappe für die Skulptur-Projekte 2017 fällt? Sie wird nicht die Füße hochlegen, nicht spornstreichs in den Urlaub starten. „Für uns geht die Arbeit weiter“, sagt Itzen, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren für alles Organisatorisch-Technische bei der internationalen Ausstellung zuständig war. Und die sie jetzt mit ihrem Team quasi zurückbauen muss.

Von Petra Noppeney

Vier Wochen sind laut Itzen geplant, um die Skulpturen abzubauen. Bereits am Sonntagabend wird Aram Bartholls Arbeit im Tunnel am Schlossplatz entfernt: „Am Dienstag darauf ist das Radrennen, da muss das weg sein“, sagt Itzen. Am Montag wird Nicole Eisenmans Brunnen an der Promenade abgebaut, der in diesem Sommer mehrfach Opfer sinnloser Zerstörungswut geworden ist.

Itzen empfindet es als besonders brutal, dass den Körpern aus Gips der Kopf abgeschlagen wurde., „Das ist eine Form von Vandalismus, die meine Vorstellungskraft übersteigt“. Das habe auch nichts mehr mit Bürgerprotest zu tun. Beim jüngsten Farbanschlag, der sich auf die Köpfe und die Körpermitte der Brunnenfiguren konzentrierte, „habe ich schon schwer schlucken müssen“, so Itzen betroffen. „Der Übergriff richtete sich explizit gegen dieses Werk.“ Mit Symbolen wie Hakenkreuzen, so Pressesprecherin Jana Duda, sei erstmals auch eine eindeutige politische Agenda erkennbar gewesen.

Auch Justin Matherlys „Nietzsche’s Rock“ soll laut Itzen am Dienstag den Servatiiplatz verlassen. Es wird also wieder Baustellen geben in Münster – wie beim Aufbau im Juni, der laut Itzen trotz mancher Widrigkeiten punktgenau geklappt hat.

„Wir bauen auch die Arbeiten ab, die für einen Verbleib in Münster im Gespräch sind“, macht die Projektleiterin klar. Welche Kunstwerke dies sind, ist natürlich streng geheim. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und die Stadt Münster haben als Träger der Ausstellung ein Vorkaufsrecht, und das Kuratorenteam hat bereits Vorschläge unterbreitet.

Imke Itzen erklärt, wie das Prozedere aussieht. Der Rat der Stadt Münster entscheidet über Kunstankäufe. Er wird dabei beraten von einem künstlerischen Beirat, der bereits Ende August getagt hat. Er wird dem Rat der Stadt Münster am 18. Oktober eine Empfehlungsliste vorlegen, die dann diskutiert und geprüft wird. „Es müssen schließlich viele Dinge geklärt sein, zum Beispiel, ob das Werk frostsicher ist und die Stadt die Pflege und Unterhaltung eines Kunstwerks gewährleisten kann“.

Fotostrecke: Diese Skulpturen bleiben auf keinen Fall in Münster

Frühestens im Dezember, so vermutet Itzen, „gibt es dann Butter bei die Fische“. Und manchmal – wie etwa bei der Paul-Wulff-Skulptur im Jahr 2007 – bringe auch bürgerschaftliches Engagement den Rat noch dazu, einen Ankauf zu überdenken, der bislang nicht im Gespräch war. Das LWL-Museum für Kunst und Kultur entscheidet unabhängig von der Empfehlung des künstlerischen Fachbeirats der Stadt für seine Sammlung.

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Was würde sie als Projektleiterin denn gern dauerhaft in Münster sehen? Imke Itzen braucht nicht lange zu überlegen: Oscar Tuazons Werk auf der Brachfläche zwischen Hafengrenzweg und Albersloher Weg schätzt sie aufgrund seiner sozialen Qualität. Auch Koki Tanakas „Workshop-Studies“ hält sie für sehr aussagekräftig.

Voller Fahrplan am letzten Skulpturen-Wochenende

Zum Ende der Skulptur-Projekte ist der Veranstaltungskalender noch mal voll. am Samstag (30.9., 18 Uhr) findet im Foyer des LWL-Landesmuseums, Domplatz 10, eine Diskussion mit dem kuratorischen Team und Gästen aus Kunst und Wissenschaft statt. Um 20 Uhr schließt sich die Abschlussparty mit DJ Klara Sound im Foyer und Patio des Museums an.

Ebenfalls am Samstag (30.9., 15 Uhr) reflektieren Regisseurin Monika Gintersdorfer und Künstler Knut Klaßen im Gespräch mit Kuratorin Britta Peters über ihr Performance-Projekt als neues Theaterformat im Theater im Pumpenhaus. Dort findet auch das Gespräch statt. Am Sonntag (1.10., 11 Uhr) laden das Team um Xavier Le Roy und Scarlet Yu zu einem letzten Workshop unter dem Titel „Make it Public“. Um 14.30 Uhr schließt sich eine Diskussion dazu an – beides im Krameramtshaus, Alter Steinweg.

Gintersdorfer/Klaßen zeigen zudem am Samstag und Sonntag um 14 und 17 Uhr eine Performance im Pumpenhaus. Alexandra Pirici performt an beiden Tagen von 14-17 und 18-21 Uhr im Historischen Friedenssaal. Die Grandtour startet letztmalig am Samstag (15 Uhr) und Sonntag (12 und 15 Uhr) vom Pumpenhaus. Der kostenfreie Shuttlebus nach Marl fährt am Sonntag um 10 Uhr am Aegidiimarkt ab. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Und: „Etwas Performatives kann durchaus auch bleiben“ – die Arbeit von Alexandra Pirici im Friedenssaal etwa. „Das würden wir alle begrüßen, wohl wissend, dass es nicht einfach für die Stadtverwaltung ist, anzukaufen und weiterzuführen.“ Die Stadt Marl als Kooperationspartner der Skulptur-Projekte 2017 mache vor, dass so etwas aber sehr wohl möglich sei: „Reiner Ruthenbecks Reiter von 1997“, so Imke Itzen, „sind während der Dauer der Ausstellung jeden Sonntag auf ihren Pferden in Marl unterwegs.“



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