Sa., 30.09.2017

Schulpolitiker informieren sich über das Berufskolleg Espa: Voller Einsatz für den Erhalt

Auf dem Espa-Podium diskutieren (v.l.) Robert von Olberg, Angela Stähler, Schülervertreter Glenn Hüfing sowie die Schulleiter Norbert Göttker und Margot Große Scharmann.

Auf dem Espa-Podium diskutieren (v.l.) Robert von Olberg, Angela Stähler, Schülervertreter Glenn Hüfing sowie die Schulleiter Norbert Göttker und Margot Große Scharmann. Foto: spe

Münster - 

Bethel will die Espa nicht mehr. Das hat die Schulgemeinschaft offenbar genauso überrascht wie die Politik, die sich nun Gedanken darüber machen muss, in welcher Form sie das sozialpädagogische Berufskolleg übernehmen kann.

Von Lukas Speckmann

In der vergangenen Woche zeigten Schüler und Lehrer des Espa-Berufskollegs vor dem Rathaus, dass sie richtig Krach machen können. Nun bewiesen sie, wie sehr ihre Schulkultur auch die konstruktive Diskussion fördert: Die schulpolitischen Sprecher der Fraktionen sahen sich am Freitag einer disziplinierten Tischrunde aus Schülern, Lehrern und Mitarbeitervertretern gegenüber, die ihnen voller Leidenschaft darlegte, warum die Espa einzigartig ist und erhalten werden müsse.

Im Grunde waren die Falschen zu Gast – denn die Politik ist von der Entscheidung des Schulträgers Bethel, die Espa an die Stadt abgeben zu wollen, offenbar genau so überrascht worden wie die Schulgemeinschaft selbst. Der Grüne Christoph Kattentidt kritisiert die von Bodelschwinghschen Stiftungen: „Sich Knall auf Fall zurückzuziehen, ist keine Art des Umgangs!“ Angela Stähler (CDU) betont, dass sich die Politik in Sachen Espa einig ist: Die Stadt werde einspringen. Nur habe man sich über die künftige Form der Schule noch keine Gedanken machen können.

Fotostrecke: Espa: Lautstarker Protest vor dem Rathaus gegen Bethel-Rückzug

Die Schülerinnen und Schüler sprechen so voller Inbrunst von „ihrer“ Espa, dass die Lehrer gerührt sind: eine kleine Schule zum Wohlfühlen, in der man aufmerksam miteinander umgeht, hervorragend ausgebildet wird und Mobbing nur als Fremdwort kennt: Das dürfe nicht durch Eingliederung in ein anonymes städtisches Kolleg gefährdet werden.

Da muss Robert von Olberg (SPD) doch darauf hinweisen: „Tolle Menschen gibt es auch in großen Systemen.“ Die Politik benötige handfeste Argumente – und werde die Stimme der Schule bei der Entscheidungsfindung berücksichtigen.

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Die Zeit drängt: Die Trägerschaft soll schon zum kommenden Schuljahr wechseln.

Kommentar: Übergang unter Zeitdruck

Die naheliegendste Frage bleibt unbeantwortet: Warum will Bethel die Espa aufgeben? Die offizielle Erklärung – es rechnet sich nicht, zu wenig Erzieher und Sozialpädagogen für den eigenen Bedarf – klänge nachvollziehbarer, wären die von Bodelschwinghschen Stiftungen nicht der größte Diakonieträger Europas.

Der Gedanke an eine strategische Entscheidung, sprich: an den Rückzug aus dem Zuschussgeschäft Bildung, drängt sich auf. Im vergangenen Jahr ist den Stiftungen eine geplante Schulschließung am eigenen Stammsitz in Bielefeld unter öffentlichem Druck um die Ohren geflogen. Ähnliches ist in Münster nicht zu erwarten: Ein rascher Übergang des Berufskollegs in städtische Trägerschaft begrenzt den Protest weitgehend auf die Schule selbst.Von Image-Verlust ist kaum die Rede. Jetzt geht es nur noch um die Frage: Bleibt die Espa – oder geht sie in einem städtischen Groß-Kolleg auf?

Die von der Entwicklung überrumpelte Politik zeigt sich der sympathischen Schulgemeinschaft gegenüber aufgeschlossen, steht aber unter Druck: Wenn der Übergang  schon zum kommenden Schuljahr erfolgen soll, bleibt für sorgfältiges Abwägen kaum Zeit. Und: Natürlich spielen auch in diesem Stück die Kosten die Hauptrolle. Darüber sollte sich niemand täuschen.

Lukas Speckmann



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