So., 01.10.2017

Lesung mit August Zirner und Kai Struwe im Kleinen Haus Sternen-Kind auf Erden

August Zirner las in Münster aus Antoine de Saint-Exupérys „Der Kleine Prinz“.

August Zirner las in Münster aus Antoine de Saint-Exupérys „Der Kleine Prinz“. Foto: Steinböck

Münster - 

Er gähnt, fährt sich mit der Hand über den Kopf und dehnt den Oberkörper nach hinten, bevor er als eitle Rose den staunenden kleinen Prinzen begrüßt: „Ich glaube, es ist Zeit für das Frühstück, hätten Sie die Güte, an mich zu denken?“

Von unsererMitarbeiterinIsabell Steinböck

Es ist einer der humorvollsten Momente in August Zirners Lesung, was nicht zuletzt an Kunstpausen und seiner ausdrucksstarken Mimik liegt. Als Gewächs, das nur unter einer Glasglocke zufrieden ist, gibt er sich fordernd wie eine eitle Diva. Eine hübsche Tyrannin, die den fantastischen Jungen in die Flucht schlägt und von seinem kleinen Planeten vertreibt, bis das auf sich allein gestellt Sternen-Kind auf der Erde endlich einem Menschen begegnet. In die Wüste abgestürzt, wird ein Pilot dieser wissbegierigen kleinen Figur zum väterlichen Freund – auch wenn er beim besten Willen kein perfektes Schaf malen kann. Zwei einsame Gestalten mit großen Herzen, trennen kann sie nur der Tod.

Mit warmer Stimme erzählt der renommierte Charakterdarsteller August Zirner Antoine de Saint-Exupérys unvergessene, poetische Geschichte und erweist sich zudem als versierter Querflötist. Im nahezu ausverkauften Kleinen Haus gelingt dem Schauspieler neben Kai Struwe am Kon­trabass in der Weverinck-Reihe „Meister des Wortes“ ein atmosphärisch dichter Abend. Getragen von lautmalerischer, perkussiver, mitunter auch folkloristisch anmutender Musik (Komposition: August Zirner und Kai Struwe) führt der Darsteller sein Publikum durch eine surreale Welt. Dagegen wirken die Figuren zeitgemäßer denn je, etwa, wenn der geldgierige Geschäftsmann seinen Reichtum nur um des Besitzes willen zählt oder ein gehetzter Straßenlaternen-Anzünder am Rande des Möglichen agiert, weil ihn die Arbeit permanent antreibt. Gestalten, die sich selbst genug sind.

Tiefe Gefühle entstehen nur um den kleinen Prinzen, sei es seine von Verantwortlichkeit geprägte Liebe zur Rose oder die sich langsam entwickelnde zarte Freundschaft zum Fuchs. Das „Geschenk“ des schlauen Tiers, das er dem kleinen Prinzen zum Abschied mit auf den Weg gibt, hat Saint-Exupéry berühmt gemacht: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“



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