So., 01.10.2017

Expertengespräch Lebenslanges Arbeiten hält jung

Einen kritischen Blick auf politische und technische Aspekte der Pflege warfen (v.l.) Prof. Norbert Klusen, Dr. Stefan Kettelhoit, Dr. Christine Sowinski, Prof. Jürgen Osterbrink und Prof. John Mc Donough.

Einen kritischen Blick auf politische und technische Aspekte der Pflege warfen (v.l.) Prof. Norbert Klusen, Dr. Stefan Kettelhoit, Dr. Christine Sowinski, Prof. Jürgen Osterbrink und Prof. John Mc Donough. Foto: Medienhaus Münster

Münster - 

„Alter und Mensch“ stand im Mittelpunkt eines Expertengesprächs vor Teilnehmern aus der Gesundheitswirtschaft. Fazit: Sinnhafte Tätigkeit und soziale Kontakte halten jung.

Rente mit 65? Wenn es nach Dr. Christine Sowinski geht, auf keinen Fall. Jedenfalls nicht, wenn damit sinnhafte Tätigkeit und soziale Kontakte verloren gehen. „Bloß nicht nichts tun. Das ist die schnellste Einbahnstraße hin zu Siechtum und Tod“, erläuterte die Expertin vom Kuratorium Deutsche Altenhilfe.

Empfohlen: Ehrenamtliche Tätigkeiten

Sinnstiftende Arbeit sei der wichtigste Faktor zum Erreichen eines hohen Lebensalters. Wer nicht mehr aktiv im Berufsleben stehe, dem empfiehlt die Psychologin ehrenamtliche Tätigkeiten. „Altruismus macht glücklich, und glückliche Menschen leben länger.“

20 Prozent sind älter als 65 Jahre

Bei den zweiten münsterischen Expertengesprächen ging es um das Thema „Alter und Mensch.“ „20 Prozent der Bevölkerung sind schon jetzt älter als 65. Im Jahre 2060 wird die durchschnittliche Lebenserwartung bei 100 Jahren liegen“, zitiert Prof. Jürgen Osterbrink Prognosen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

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Der Vorstand des Instituts für Pflegewissenschaft und -praxis der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg und Direktor des WHO Colloborating Centre warnte: „Wir werden darauf rasch reagieren müssen. Was die Entscheider aus Forschung, Industrie und Kostenträgern längst verinnerlicht haben, muss schneller Eingang in die Politik finden. Sonst werden wir die wachsende Alterspyramide nicht stemmen können“.

Schnelles Altern durch Medikamente

Als zweiten Risikofaktor für schnelles Altern nennt die Beraterin von Pflegeheimen Medikamente. „Wer alles nimmt, was der Arzt verschreibt, bringt sich um,“ so Sowinski. Diese Erfahrung des Pflegepersonals in Altenheimen müsse Eingang in die tägliche Praxis finden. „Geriater sind in dieser Hinsicht viel weiter als ihre Kollegen“, lobte die Referentin. Diese Spezialisten für Altersmedizin seien sehr zurückhaltend mit Medikamenten. „Mehr Physio- und Ergotherapie statt Pillen und Tropfen bringen deutlich mehr Lebensqualität“, empfahl die Expertin aus fast 30-jähriger Beratungspraxis den 60 anwesenden Entscheidern aus der Gesundheitswirtschaft.



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