Di., 03.10.2017

Interview Kabarettist Bernd Stelter: „Nur Lachen ist langweilig“

Bernd Stelter ist seit 25 Jahren verheiratet – und gibt deshalb viele Tipps.

Bernd Stelter ist seit 25 Jahren verheiratet – und gibt deshalb viele Tipps. Foto: Manfred Esser

Münster - 

Bekannt wurde er durch die RTL-Sendung „7 Tage, 7 Köpfe“. Mittlerweile ist Bernd Stelter mit seinem sechsten Bühnenprogramm auf Tournee. Mit unserem Redaktionsmitglied Anna Spliethoff sprach der 56-Jährige über die Ehe, Ängste und Musik.

Von Anna Spliethoff

Ihr aktuelles Programm heißt „Wer heiratet, teilt Sorgen, die er vorher nicht hatte“. Klingt, als würden Sie vom Heiraten abraten.

Bernd Stelter: Das ist ein total positiver Ansatz. Weil wer sich Sorgen anderer teilt, wird glücklich. Das hätte nur nicht alles zusammen aufs Plakat gepasst. Sie merken das, wenn Sie etwas Schönes oder Positives gemacht haben: Man schläft abends besser.

Sie sind seit über 25 Jahren verheiratet. Was ist das Erfolgsrezept?

Stelter: Das ist sehr persönlich, man kann das nicht verallgemeinern. Ich habe damals Blacky Fuchsberger kennengelernt, und der hat mir erzählt, das Geheimnis einer glücklichen Ehe sind die vier großen V: Verstehen, Vertrauen, Verzeihen, Verzichten. Das kann ich so unterschreiben. Aber er sagte auch: Und dass wir niemals getrennt waren. Das könnte ich gar nicht unterschreiben.

Warum nicht?

Stelter: Meine Frau und ich sind oft getrennt, ich bin auf Tournee, und sie hat ihre Hobbys. Ich glaube, dass das unserer Ehe sehr gut tut. Aber nach drei, vier Tagen reicht einem das Handy nicht mehr, da will man sie in den Arm nehmen. So führen auch die kleinen Tourneen dazu, dass auch nach 25 Jahren Ehe die Sehnsucht noch eine Chance hat.

Geben Sie in Ihrem Programm denn auch Ratschläge oder Tipps?

Stelter: Ja, es sind eine Menge Tipps dabei. Ein ganz wichtiger, den ich gebe, ist: Man darf nicht heiraten, wenn man verliebt ist. Das ist entscheidend.

Und wieso nicht?

Stelter: Verliebt sein, das sind Chaos im Hirn und Chaos im Brustkorb. Es gibt Psychologen, die vergleichen das Verliebtsein nerventechnisch mit einer Zwangsneurose. Und wenn Sie gerade zwangsneurotisch sind, dann sollten Sie nicht solche Entscheidungen fällen.

Das aktuelle Bühnenprogramm ist das sechste. Haben Sie manchmal Angst, dass Ihnen die Ideen ausgehen?

Stelter: Permanent. Diese Angst habe ich immer. Aber da bin ich nicht der einzige. Ich weiß, dass Heinz Erhardt wegen dieser Angst manisch depressiv war. Ich bin nicht depressiv, denke ich. Aber ich habe immer Angst, dass mir das beim nächsten Mal nicht wieder einfällt.

Woher kommen Ihre Ideen denn?

Stelter: Die Idee mit dem Heiratsprogramm kam von meiner Silberhochzeit. Vorher waren viele Themen aus dem Bereich der Familie. Erst war es „Pubertät ist mehr als Pickel“, dann „Mittendrin: Männer in den Wechseljahren“.

Die Musik spielt wieder eine wichtige Rolle. Warum?

Stelter: Die Musik hat einen riesengroßen Vorteil. Man kann in drei Minuten eine Geschichte erzählen. Das schafft man mit einem Prosatext nie. Und der andere Punkt, und der ist noch wichtiger: Man fühlt sich ja ganz anders, wenn man ein Lied hört. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass nur Lachen langweilig ist. Das ist ja auch der Grund, warum ich immer sage, ich bin kein Comedian.

Aber wieso möchten Sie kein Comedian sein?

Stelter: Der Comedian hat ein Mikrofon in der Hand, rennt über die Bühne und erzählt irgendwas, Hauptsache lustig. Das finde ich langweilig. Wenn man gelacht hat und sich dann zurücklehnt und eine Gänsehaut bekommt, dann bleibt einem das Lachen im Hals stecken, und vielleicht verdrückt man auch mal ein paar Tränchen. Das sind alles Emotionen, und Lachen ist nur eine. Eine ist zu wenig.

Sie sind ja nicht nur Kabarettist, sondern auch Autor, Moderator und Karnevalist. Können Sie sagen, was das Beste ist?

Stelter: Im Endeffekt kann ich zwei Dinge: schreiben und aufführen. Das ist aber immer ein Nacheinander. Wenn ich sechs, sieben Wochen am Computer gesessen und ein Buch fertig geschrieben habe, wie im letzten Herbst, dann will man auch ganz dringend mal wieder auf die Bühne.

Finden Sie eigentlich, dass in unserer Gesellschaft genug gelacht wird?

Stelter: Nein, das finde ich nicht. Ein Kind lacht 450 Mal am Tag. Und ein Erwachsener 15 Mal. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Aber was denken Sie, woran das liegt?

Stelter: Ich glaube, wir nehmen das Leben zu ernst, und wir gucken zu viel in den Computer und in den Fernseher. Man muss rausgehen, man muss Leute treffen und nicht nur anklicken, dann geht es einem besser.

Zum Thema

Bernd Stelter ist am Samstag (7. Oktober) um 19.30 Uhr in der Aula am Aasee, Scharnhorststraße 100, zu sehen. Tickets gibt es in allen bekannten Vorverkaufsstellen, telefonisch unter 02 373/53 51 und an der Abendkasse.



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