Mi., 04.10.2017

Münsteraner besuchen thüringische Partnerstadt Mühlhausen Willkommene Grenzgänger

Vom 500 Meter hohen Heldrastein öffnet sich der Blick auf das ehemalige Grenzgebiet im Werratal. Eine Ausbuchtung des Grenzverlaufs bewirkte, dass die BRD-Bewohner im Osten wie im Westen vom DDR-Gebiet umgeben waren. Andererseits führten Versorgungswege von Thüringen nach Thüringen durch westliches hessisches Territorium. Diese unübersichtliche Lage machten sich bis in die 50er-Jahre heimliche Grenzgänger zunutze, darunter der jugendliche Klaus Meier (vorn l. mit Blatt in der Hand) für einen Ausflug zu Verwandten nach Westfalen.

Vom 500 Meter hohen Heldrastein öffnet sich der Blick auf das ehemalige Grenzgebiet im Werratal. Eine Ausbuchtung des Grenzverlaufs bewirkte, dass die BRD-Bewohner im Osten wie im Westen vom DDR-Gebiet umgeben waren. Andererseits führten Versorgungswege von Thüringen nach Thüringen durch westliches hessisches Territorium. Diese unübersichtliche Lage machten sich bis in die 50er-Jahre heimliche Grenzgänger zunutze, darunter der jugendliche Klaus Meier (vorn l. mit Blatt in der Hand) für einen Ausflug zu Verwandten nach Westfalen. Foto: Uta Ribbert

Mühlhausen / Münster - 

Eine Einheitsfeier im Osten, an jenen Orten, wo 1989 die stille Revolution den Mauerfall erzwang, weckt andere Empfindungen als im entfernten Westen. Diese unerwartete Erfahrung machten knapp 30 Münsteraner, die aus Anlass des Nationalfeiertages eine dreitägige Reise in Münsters Partnerstadt Mühlhausen in Thüringen unternahmen.

Von Uta Ribbert

Sie waren dem Aufruf von Klaus Meier, Mitinitiator der Städtepartnerschaft und ehemals Geschäftsführer der „Freunde Mühlhausens“, zur Teilnahme an der gemeinsamen Feier der beiden Städte gefolgt. Seit drei Jahren findet sie abwechselnd in Mühlhausen und Münster statt.

Die Feier im Mühlhäuser Rathaus war wieder mit Rücksicht auf die notwendige Anwesenheit von Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe beim Münsterland-Giro auf den Vorabend des Feiertags verlegt worden. Der Mühlhäuser Oberbürgermeister Dr. Johannes Bruns begrüßte besonders herzlich die Gäste aus Münster mit Meier an der Spitze sowie den ebenfalls angereisten Vorstand des Vereins „Freunde Mühlhausens“, angeführt vom Vorsitzenden Dr. Rüdiger Holtmann.

In seiner Ansprache erinnerte Bruns an die schwierigen Anfangsjahre: „Von 20 Menschen mussten 19 ihr Leben verändern, es gab eine Arbeitslosenquote von 20 Prozent, Hartz IV hat die Bürger in ihrem Selbstverständnis erschüttert.“ In der Folgezeit seien jedoch die Städte erblüht.

Ohne die AfD beim Namen zu nennen, die auch in Mühlhausen bei der Bundestagswahl einen hohen Stimmenanteil erzielt hat, rief er dazu auf, auf keinen Fall den Grundkonsens unserer Werte Demokratie, Freiheit, Achtung vor Menschen und Solidarität in Frage zu stellen. Jetzt müssten die Demokraten zusammenstehen, betonte Dr. Johannes Bruns.

Auch sein Kollege aus Münster beschwor in diesem Zusammenhang das Motto der gesamtdeutschen Einheitsfeier in Mainz „Zusammen sind wir Deutschland“. Er sehe nationale und internationale Partnerschaften als Grundlage für den Frieden. Mühlhausen sei eine schöne Stadt, stelle er immer wieder fest, wenn er mit seiner Ehefrau Maria die Partnerstadt durchstreife. „Sie ist für mich der Inbegriff einer europäischen Stadt. Hier werden Orte der Begegnung gepflegt und damit wird die Identität gewahrt, und doch werden auch Räume für die Zukunft geschaffen. Respekt vor der Politik, die das aufgebaut hat!“

Fotostrecke: Zu Besuch in Mühlhausen

Der künftige Präsident des Deutschen Städtetages kritisierte die „ungleichen Rahmenbedingungen in deutschen Städten“, wobei er nicht nur an Kommunen im Osten sondern auch im Ruhrgebiet denke. „Das können wir nicht zulassen.“

Einheitsfeiern im feinem Zwirn und mit Sektumtrunk sind das Eine, Volksfeste an der ehemaligen innerdeutschen Grenze mit hessischem Bier und Thüringer Mohnkuchen das Andere. Klaus Meiers Reise nach Mühlhausen bot beides und noch mehr.



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