Mi., 04.10.2017

Geschichten aus der Einheit Thüringer Rostbratwürstchen spendiert

Abschied von einer Göttin, die seinen Schreibtisch zierte, hat Klaus Meier genommen. Er übergab die Replik an Matthias Stollberg (r.), Geschäftsführer des Freilichtmuseums Opfermoor nahe Mühlhausen.

Abschied von einer Göttin, die seinen Schreibtisch zierte, hat Klaus Meier genommen. Er übergab die Replik an Matthias Stollberg (r.), Geschäftsführer des Freilichtmuseums Opfermoor nahe Mühlhausen.

Münster - 

Der Mühlhausen-Besuch bot Anlass zum Austausch von Erinnerungen.

So viele Geschichten in fast drei Jahrzehnten Deutsche Einheit sind schon erzählt worden – diese über das von den Münsteranern spendierte Geläut der Jakobikirche ist noch nicht bekannt: Eine Mühlhäuserin rief Klaus Meier in Münster an und sagte: „Ich wohne jetzt seit Kriegsende im Jakobiviertel und habe noch nie das Läuten der Glocken der Jakobikirche gehört. Ich muss Ihnen sagen, als ich es zum ersten Mal gehört habe, habe ich auf dem Balkon gesessen und geweint.“

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An dem Empfang, den die Gruppe um Klaus Meier im Anschluss an die Einheitsfeier gab und auf dem Thüringer Rostbratwürste und Pflaumenmusflädchen mit Schmand serviert wurden, nahmen auch die Oberbürgermeister der Partnerstädte teil. Der Mühlhäuser Dr. Bruns ließ sich zu dem bewundernden Ausruf hinreißen: „Das, was Klaus Meier macht, kann kein professioneller Reiseleiter bieten!“ Der gelernte Lehrer Meier wehrte aber ab: „Das muss man so sehen: einmal Dienstleister, immer Dienstleister.“

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Entsetzt sei er und sehr nachdenklich geworden sei er über den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl in Mühlhausen, sagte OB Dr. Bruns (SPD). Die „Alternative für Deutschland“ landete mit 23,8 Prozent der Zweitstimmen nur ganz knapp hinter der CDU (24,9 Prozent) und war damit mit Abstand zweitstärkste Kraft unter den Parteien. Er appellierte an die Politiker, sich Gedanken zu machen, wie sie die Menschen, die sich abgewendet haben, wieder mitnehmen können.

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Beim Volksfest auf dem Heldrastein erzählt eine Thüringerin, wie sie den Mauerfall erlebt habe: „Nu, zur Arbeit gehen wollte am nächsten Morgen keiner von uns. Wir wohnten da unten im Sperrgebiet, in einem fünf Kilometer breiten Streifen entlang der Grenze, den wir nur mit Sondergenehmigung verlassen durften. Am 10. November 1989 sind wir auf die Grenze, die wir noch nie von Nahem gesehen hatten, zugegangen und wollten in den Westen. Da sagten uns die Grenzsoldaten, die Mauer in Berlin sei gar nicht geöffnet. Das sei alles gelogen, und hier könne man sowieso nicht über die Grenze. Wir haben es an dem Tag noch ganz umständlich bis nach Hessen geschafft. Es hat Monate gedauert, bis hier ein offizieller Grenzübergang eingerichtet war.“



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