Mi., 04.10.2017

Frauenstraße 24 Wiedersehen mit Mitbesetzern

Wiedersehen mit Mit-Besetzern und sich selbst: ehemalige Besetzer der Frauenstraße 24 vor einem der Meyerratken-Gemälde.

Wiedersehen mit Mit-Besetzern und sich selbst: ehemalige Besetzer der Frauenstraße 24 vor einem der Meyerratken-Gemälde. Foto: anh

Münster - 

Als die Hausbesetzer eindringen in die Frauenstraße 24, stellen sie überrascht fest: Sie sind nicht die ersten – einige Künstler wohnten oben. Im Jahr 1973 war das, Manfred Plümpe erinnerte daran beim Wiedersehens-Treffen am Dienstag.

Von Andreas Hasenkamp

Der Verein „Kulturverein Frauenstraße 24“ hatte zuvor Aktive von damals identifiziert, gesucht und eingeladen. Ein Hilfsmittel war dabei der Star des Treffens. Zwei Gemälde zeigen das Haus mitten in der Stadt, dahinter Betonburgen und einen Baukran, vor allem aber viele Aktive.

Der dort wohnende Künstler Gerd Meyerratken malte die beiden Werke, die unlängst restauriert nach vier Jahrzehnten Kneipendunst, ihren Weg zurück an die Wand in der Frauenstraße 24 gefunden haben.

Plümpe schilderte jene Zeit: Ein Makler will das 1905 erbaute Haus, „eigentlich gut erhalten“, abreißen, lässt innen demolieren, CDU und Stadt helfen, es gibt die Genehmigung.

Die Besetzer – „50 bis 100 Leute waren hier drin“ – machen einen Strich durch die Rechnung, streichen sogar die Fassade schick – einer der ihren trickst der Verwaltung die Genehmigung ab. Den Nachbarn zeigen die Besetzer das Haus; die spenden Möbel und Farbe. Irgendwann stehen Touristen vor dem schmucken blauen Haus. Der Asta hilft mit Mobilisierung, wenn ein Demolier-Kommando anrückt. Für die Abriss-Arbeiter gibt es eine Kiste Bier, ihr Chef zerdeppert noch die Butzenfenster. Wohlwollen gibt es von der SPD; einige Bürger empfehlen ihnen: „Geht doch nach drüben“. Dann war da ein junger Mann mit Pistole, den habe man schleunigst vor die Tür gesetzt, so Plümpe. Er sei wohl vom Geheimdienst gewesen. Später wird das Haus „vergesellschaftet nach BGB“. Einige Studenten wohnen unter dem Dach. Sabine Hetzel-Meyerratken, Witwe des Künstlers, sagte, die Gemälde möchten doch hier hängen, so lange hier die Kneipe sei.

Wenige besetzte Häuser existieren noch, die Frauenstraße 24 sei eine Ausnahme in Deutschland, so Joachim Hetscher, Vorsitzender des Kulturvereins. Der will sein Programm ausbauen – am ungewöhnlichen Montag. Gentrifizierung und bezahlbarer Wohnraum, das sei aktueller denn je.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5200862?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F