Do., 05.10.2017

Leslie Clio im Interview Hawaii statt Haifischbecken

Leslie Clio in Münster im Jahr 2013. Foto: Gunnar A. Pier

Leslie Clio hat zwei Jahre Pause gemacht – und ist jetzt zurück. Foto: Gunnar A. Pier

Münster - 

Ihre Hits „Told You So“ und „I Couldn‘t Care Less“ hielten sich wochenlang in den deutschen Charts. Jetzt kommt Leslie Clio mit einem neuen Album zurück. Mit unserem Redaktionsmitglied Anna Spliethoff sprach sie über ihre Auszeit und die Farbe Lila.

Von Anna Spliethoff

Mit Ihrem neuen Album kommen Sie im Oktober nach Münster. Waren Sie schon mal hier?

Leslie Clio: Ja, waren wir, zur zweiten Platte „Eureka“. Das ist zwei Jahre her, und in der Zeit hat sich sehr viel getan, insofern freue ich mich wiederzukommen.

Haben Sie sich in der Stadt damals umsehen können?

Leslie Clio: Leider nein, ich hoffe, dass ich diesmal dazu komme. Manchmal ist so eine Tour ja sehr knapp bemessen. Man kommt von der Autobahn, macht den Soundcheck, hat eine Stunde Zeit, kalt zu duschen, und dann geht es auch schon auf die Bühne. Meistens bleibt es deshalb beim Googlen.

Nun zu Ihrem neuen Album, es heißt „Purple“. Wieso Lila?

Leslie Clio: Weil es in der Farbsymbolik ganz gut zur Grundstimmung des Albums passt. „Purple“ steht für Unabhängigkeit, für Erhabenheit, für Selbstbestimmung. Es ist aber auch die Farbe von Wunden und Narben. Das passt alles ganz gut.

Zwischen Ihrem jetzigem und dem vorherigem Album liegen zwei Jahre. Was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht?

Leslie Clio: Das Album ist im April erschienen, dann bin ich im Mai auf Tour gegangen und war den Sommer über auf Festivals. Dann war ich auf Herbsttour, und danach bin ich für vier Monate nach Amerika gegangen, hauptsächlich nach Hawaii. Über Weihnachten war ich in Deutschland und in Schweden, danach wieder auf Hawaii. Seit März 2016 bin ich zurück und habe an der Platte gearbeitet.

Warum brauchten Sie diese Auszeit auf Hawaii? War es wichtig für Sie, mal rauszukommen?

Leslie Clio: Genau. Es ist manchmal wichtig, sich von allem zu lösen. Gerade die Musikindustrie ist ein Haifischbecken. Man muss manchmal ganz klar eine Grenze setzen zwischen der Künstlerin Leslie Clio und dem Privatmenschen Leslie Clio. Das verschwimmt natürlich oft. Da ist es ganz wichtig, sich den Blick zurückzuholen: Wer bin ich ohne dieses Business? Die Auszeit hat mir gut getan.

Kann ich es mir so vorstellen, dass Sie am Strand lagen und neue Songs geschrieben haben?

Leslie Clio: Ich bin nicht so der Sonnenmensch. Ich war in einem Bergdorf und viel im Dschungel unterwegs. Ich hab viel geschlafen und war oft zum Sonnenuntergang draußen. Ich hab Musik gehört, nachgedacht, reflektiert und ein bisschen gelebt. Aber es war auch nicht meine Intention, direkt mit einem neuen Album anzufangen, weil ich einfach leer war. Das Schöne an der Auszeit war aber auch zu merken, dass einen die Musik eben nicht verlässt.

Die neuen Songs sind melancholischer und ein bisschen düsterer als die vorherigen. Wieso der Wandel?

Leslie Clio: Ich würde es nicht als Wandel beschreiben. Eine Platte ist immer eine Momentaufnahme von einem Lebensabschnitt, ein Spiegel einer bestimmten Zeit. Mir ging es in der Zeit nicht so gut, und das zeigt sich dann auch. Ich bin durch eine dunkle Phase gegangen, aber ich würde es nicht als Wandel beschreiben, weil die nächste Phase ja wieder ganz anders sein kann.

Haben Sie sich denn persönlich verändert?

Leslie Clio: Das ist das Leben – man verändert sich ja die ganze Zeit. Und das belanglose, fröhliche Korsett kann ich nicht immer tragen, dafür bin ich definitiv zu vielschichtig.

Wo stehen Sie lieber – auf der Bühne oder im Studio?

Leslie Clio: Es sind zwei völlig eigene Territorien. Ich sage immer, das sind zwei Füße an einem Körper. Das eine ist, einen Moment zu perfektionieren, da kann man so lange an Knöpfen drehen, wie man möchte. Wenn man auf der Bühne steht, kreiert man einen Moment ganz spontan. Beides ist super.

Sie haben eine Echo-Nominierung und ausverkaufte Tourneen hinter sich. Was bedeutet Ihnen dieses Feedback?

Leslie Clio: Grundsätzlich kann ich sagen, dass es immer super ist, wenn Leute etwas mit deiner Arbeit anfangen können. Wenn ich Nachrichten kriege wie ‚Das Lied hat mir so geholfen‘, dann ist das ein Geschenk. Es ist nicht die Motivation, wieso ich Musik mache. Aber das direkte Echo ist das größte Geschenk.

Und warum machen Sie dann Musik?

Leslie Clio: Aus einer inneren Notwendigkeit heraus, und weil ich das Gefühl habe, dass das meine Bestimmung ist. Ins Studio zu gehen und zu reflektieren, ist für mich eine kleine Oase. Das ist für mich das Persönlichste von allem. Wenn man einen Song dann aber rausbringt, bekommt er ein Eigenleben, das man nicht kontrollieren kann. Das ist aber auch das Spannende.

Zum Thema

Leslie Clio spielt am 20. Oktober (Freitag) im Skaters Palace, Dahlweg 126. Einlass ist um 19.30 Uhr, Beginn um 20.30 Uhr.



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