Mi., 04.10.2017

Skulptur-Projekte werden abgebaut Der Steg ist aus dem Wasser

Die Stahlträger des Unterwasser-Stegs im Hafenbecken werden aus den Fluten gezogen. Ali Karadogan ist für den Abbau des beliebtesten Skulptur-Projektes verantwortlich und koordiniert die Aktion aus dem Wasser.

Die Stahlträger des Unterwasser-Stegs im Hafenbecken werden aus den Fluten gezogen. Ali Karadogan ist für den Abbau des beliebtesten Skulptur-Projektes verantwortlich und koordiniert die Aktion aus dem Wasser. Foto: hpe

Münster - 

Mit geschätzt 650.000 Kunstbegeisterten als „Wasserläufer“ war der Steg von Ayse Erkmen im Stadthafen das mit Abstand beliebteste Skulptur-Projekt. Nun werden die Container, die den Weg über das Becken ebneten, wieder aus den Fluten gezogen.

Von Helmut P. Etzkorn

Container mit Grünbelag, Algen, Rost und Schlamm werden mit einem Kran aus dem Hafenbecken gezogen. Es riecht modrig-muffig am Kai unweit des alten Krans, als am Mittwochmorgen die letzte Stunde des mit Abstand beliebtesten Kunstwerks der seit Sonntag beendeten Skulptur-Projekte schlägt.

Dreitägiger Abbau

Ali Karadogan steht in seinem Neoprenanzug mitten im Wasser auf einem Teil des Stahlskeletts, das noch einige Zentimeter unter der Wasseroberfläche auf seine Demontage wartet. Eigentlich ist Karadogan Werkstattleiter einer Maschinenbaufirma aus Hamm, die sich als Sponsor an dem Open-Air-Kulturspektakel beteiligt. Jetzt organisiert er mit sieben Kollegen an drei Tagen den Rückbau des Unterwasser-Stegs der Künstlerin Ayşe Erkmen, über den in den vergangenen drei Monaten nach Schätzungen des LWL-Landesmuseums 650.000 Kunstbegeisterte aus aller Welt gepilgert sind.

Fotostrecke: Skulptur-Projekte 2017: „Der Steg“ wird aufgebaut

Das geht ruckzuck

„Zuerst mussten wir die 460 engmaschigen Gitterroste abnehmen, echte Kleinarbeit und sehr aufwendig“, so Karadogan. Das Fundament des Gitterstegs war ein Konstrukt aus acht Seecontainern und Stahlträgern, die nun wieder aus dem Wasser raus müssen. Der Bauleiter muss allerdings keine Taucherqualitäten mitbringen. „Einmal kurz rein ins Wasser und die Hubseile des Krans mit den Stahlteilen verbinden, mehr ist das nicht“, sagt er.

Dann geht es ruckzuck, die Behälter werden am Ufer abgesetzt und mit einem Hochdruckreiniger oberflächlich vom „Seetang“ befreit, bevor sie dann ein Schrotthändler abholt. Karadogan selbst ist in den vergangenen Monaten privat ein paar Mal über den Steg gegangen, ein bisschen Wehmut bleibt beim Abbau. Am Freitag rückt der Kran auf der anderen Uferseite an und holt die letzten drei Container raus.

Rückbau zieht sich noch lange hin

Der Abbruch der Exponate macht stadtweit Fortschritte. An der „rekonstruierten Oberfinanzdirektion“ an der Andreas-Hofer-Straße werden gerade die Gerüste abgebaut, in sechs Wochen ist das Steinprojekt von Christian Odzuck komplett verschwunden. Weil dort die größte Bausubstanz aller Projekte steht, wird der Rückbau sich noch so lange hinziehen. Vor dem Erbdrostenhof verschwindet aktuell das gebogene Werk von Nairy Baghramian. Am Donnerstag werden die Einzelteile dann auf Lastwagen gehoben. Ebenfalls am Donnerstag ab 20 Uhr verschwindet auch der Monolith am Ludgeriplatz.

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