Do., 05.10.2017

Prozess am Landgericht Mehrfache Messerstiche: Tochter wollte Vater das Heim ersparen

 

  Foto: dpa

Münster - 

Eine 50-jährige Frau gestand am Donnerstag vor dem Landgericht, dass sie im April mehrfach mit einem Messer auf ihren schlafenden Vater eingestochen hat.

Von Lena Sünderbruch

Wegen versuchten Mordes muss sich seit Donnerstag eine 50-jährige Frau vor dem Landgericht verantworten. Im April soll sie mehrfach mit einem langen Küchenmesser auf ihren schlafenden Vater eingestochen haben, bevor sie selbst den Notarzt alarmierte. Der Vater wachte während der Attacke auf und forderte seine Tochter auf aufzuhören. Entgegen der Erwartung der Angeklagten war er noch in der Lage, das Zimmer zu verlassen, wenn auch blutüberströmt. Er trug Schnittverletzungen an Armen, Händen und am Ohr davon. Die Angeklagte versuchte nach der Tat, sich selbst durch Schnittverletzungen an den Handgelenken und in die Brust zu töten.

Vor Gericht gestand sie die Tat. Unter Tränen begründete sie ihr Handeln damit, dass sie ihrem dementen und durch Schlaganfälle eingeschränkten Vater einen qualvollen Tod in einem Pflegeheim habe ersparen wollen. Die Tat sei nicht geplant gewesen. Die Angeklagte hatte ein ähnliches Schicksal bereits bei ihrer schwer kranken Mutter mitansehen müssen. Zusätzlich zur Belastung durch die Pflege der Eltern habe sie mit beruflichen und privaten Problemen zu kämpfen gehabt. Aufgrund einer diagnostizierten Depression wurde sie medikamentös behandelt.

Der Vater machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und sagte nicht vor Gericht aus. Er hatte seine Tochter jedoch in der Untersuchungshaft besucht. Während der Anhörung lächelte er ihr zu und winkte zum Abschied. Die Schwester der Angeklagten sagte im Zeugenstand aus. Sie gab an, dass der Vater der Tochter die Tat verziehen habe und sagte, ihre Schwester habe dem Vater „ja im Endeffekt nichts Böses gewollt“.

Das Gericht bewilligte in Absprache mit einer psychologischen Gutachterin, der Angeklagten ab sofort eine stationäre psychiatrische Behandlung in der LWL-Klinik Münster zu ermöglichen. Der Prozess wird fortgesetzt.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5202753?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F