Do., 05.10.2017

Große Ernüchterung bei der Wohnungssuche Dämpfer für die Erstsemester

Das hatten sich Penelope Kostedde aus Wertheim (Mitte) und Laura Joly aus Detmold (rechts) anders vorgestellt: Die Wohnungssuche sei eine "Katastrophe" finden die beiden 19-jährigen Medzinstudentinnen. Kommilitonin Sima Fartash aus Münster hatte einen Heimvorteil.

Das hatten sich Penelope Kostedde aus Wertheim (Mitte) und Laura Joly aus Detmold (rechts) anders vorgestellt: Die Wohnungssuche sei eine "Katastrophe" finden die beiden 19-jährigen Medzinstudentinnen. Kommilitonin Sima Fartash aus Münster hatte einen Heimvorteil. Foto: Anne Koslowski

Münster - 

Die Wangen mit Herzchen bemalt, in der Hand ein Alster. Von der ersten Vorlesung sind Penelope Kostedde und ihre Mitstreiterinnen nur wenige Tage entfernt. Die Freude und Aufregung auf ihren neuen Lebensabschnitt sind den jungen Medizinstudentinnen anzusehen. Fragt man sie am Donnerstag auf dem Weg zur Erstsemester-Begrüßung in der Mensa am Ring aber nach ihrer Erfahrung bei der Wohnungssuche, kommt große Ernüchterung.

Von Anne Koslowski

„Es ist teuer, es ist zeitaufwendig, es ist anstrengend und man denkt nach vier Wochen: Ich muss wirklich ein unsympathischer Mensch sein, wenn mich keine WG will. Es ist echt eine Katastrophe“, sagt Penelope Kostedde. Sieben Wochen lang ist die 19-jährige jedes Wochenende von Wertheim bei Würzburg nach Münster gependelt, um sich Zimmer anzugucken. Gefunden hat sie erst eines zum 1. November. Bis dahin kommt sie bei ihrer Großmutter in Lippstadt unter. „Man freut sich am Anfang so über den Studienplatz und dann bekommt man so einen richtigen Dämpfer.“

Besonders schwierig für die Jüngsten

Ein Problem, das insbesondere die jüngsten Studierenden trifft. Viele möchten nicht an Erstsemester vermieten, wie Masterstudentin Mahila weiß. Während die 24-Jährige aus Freiburg an nur einem Wochenende eine Bleibe in Münster fand, habe ihre kleine Schwester an 30 Castings teilnehmen müssen, um ein WG-Zimmer zu finden. Auch Mahilas Freundin Katharina, ebenfalls angehende Masterstudentin, war bereits nach zwei Tagen versorgt, erlebte im Hostel aber andere Geschichten: „Da waren ganz viele verzweifelte Erstsemester.“

Der Markt bricht zusammen

Ähnliches berichtet auch Uwe Warda von der Wohnbörse des Asta der Uni Münster. Jeden Tag stünden Eltern und ihre Kinder trotz seiner Aushänge am schwarzen Brett in seinem Büro und fragten verzweifelt nach Hilfe. "Im Augenblick bricht der Markt zusammen." Er sei überzeugt, dass viele ihr Studium nicht antreten könnten, weil sie nichts finden. Die freien Zimmer in Privathaushalten in Münster seien schon 2013, als die doppelten Abiturjahrgänge in die Hochschulen strömten, auf den Markt geworfen worden und seitdem belegt. "Wir können gar nichts machen."

Angebot und Nachfrage passen in Münster eben nicht zusammen in Münster, sagt Eszter Zahn aus Hameln. Seit August sucht die Lehramtsstudentin ein Zimmer – bislang ohne Erfolg. Immerhin habe sich eine Zwischenmiete bei einer Freundin ergeben. „Das machen viele“, so die 21-Jährige. Denn Ende des Jahres würde sich der Wohnungsmarkt entspannen. Bis dahin suche sie weiter über Aushänge in der Mensa und in Facebook-Gruppen.

Besserung ist nicht in Sicht

Besserung ist underdessen nicht in Sicht. Alle Wohnheimplätze (5617) sind belegt, ebenso die Notunterkunft an der Steinfurter Straße mit 25 Plätzen, berichtet Studierendenwerk-Geschäftsführer Frank Olivier. Zwischen 1600 und 1800 Bewerber stünden auf der Warteliste – etwa 400 mehr als in den Jahren zuvor. „Es wird nicht einfacher, ganz im Gegenteil.“ Bezahlbare Grundstücke in Münster seien Mangelware, ab September 2018 würde das Wohnheim am Gescherweg saniert, wodurch 700 Wohnheimplätze für ein Jahr wegfielen. "Da wird es noch kritischer", so Olivier. 

Was am Ende wohl nur hilft, sind Menschen die einen übergangsweise aufnehmen und eine positive Einstellung: "Wenn man erstmal hier ist und zu Besichtigungsterminen gehen kann, dann findet man auch etwas", ist sich Lars Schiefelbein aus Lünebürg sicher. In Hamburg habe der 18-jährige Mathe- und Informatikstudent noch viel schlimmeres erlebt. Er wird jetzt erst einmal von Haltern am See nach Münster pendeln und bei Freunden wohnen.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5202838?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F