Sa., 07.10.2017

Neuer Vorstand im Mühlenhof Mühlenhof auf dem Silbertablett

Wollen alle an einem Strang ziehen: Der neue Mühlenhof-Vorstand (v.l.) Dr. Wolfgang Echelmeyer, Dr. Markus Johow, Klaus Bleckmann und Heribert Aldejohann. Im Bild fehlt der neue 2. Baas Ralf Landwerth.

Wollen alle an einem Strang ziehen: Der neue Mühlenhof-Vorstand (v.l.) Dr. Wolfgang Echelmeyer, Dr. Markus Johow, Klaus Bleckmann und Heribert Aldejohann. Im Bild fehlt der neue 2. Baas Ralf Landwerth. Foto: hpe

Münster - 

Der Mühlenhof hat seit Donnerstag einen neuen 1. Baas. Dr. Markus Johow will mit einem neuen Konzept frischen Wind in das Freilichtmuseum am Aasee bringen. Zum Aasee hin kommt ein neuer Zugang, weitere Großveranstaltungen sind vorgesehen.

Von Helmut P. Etzkorn, Ralf Repöhler

Der „neue Mühlenhof 2.0“ soll nicht zur Disneyworld mutieren, aber auch nicht im westfälisch-gemütlichen Dornröschenschlaf in die nächste Insolvenz dämmern: Fünf Tage nach dem überraschenden Rücktritt des langjährigen 1. Baas (Vorsitzenden) Georg Berding hat sich das neue Vorstandsteam im Freilichtmuseum um den bisherigen Vize und am Donnerstagabend zum neuen 1. Baas gewählten Dr. Markus Johow formiert. Mit dem klaren Ziel, den Mühlenhof dauerhaft in den „schwarzen Zahlen“ zu halten.

Johow will „den Mühlenhof wieder sichtbar machen für die Bevölkerung, die ihn als ihre Heimat erleben soll“. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Bäume, hinter denen sich Gräftenhof, Mühle und Mäusespeicher bislang zur Seeseite hin versteckt haben, kommen gerade weg und ebnen den Blick auf den Aasee. „Der Mühlenhof auf dem Silbertablett“, so Johow.

Fotostrecke: „Münster leuchtet“ auf dem Mühlenhof

Vom See-Uferweg aus wird es einen direkten Zugang zur Hofanlage geben. Im Torhaus eröffnet schon im November ein Bauernladen, bis zum Frühjahr wird ein Biergarten aufgebaut, die Montagsschließung sowie die Winterpause sind bereits aufgehoben.

Weil in diesem Jahr trotz getätigter Investitionen und Zahlungsverpflichtungen von 50.000 Euro ein Überschuss von 100.000 Euro erwartet wird, sind laut Johow keine Entlassungen geplant. Alle 16 Mitarbeiter bleiben laut Johow an Bord. Einen hauptamtlichen Geschäftsführer werde man sich aber vorerst nicht leisten können.

Mit dem neuen 2. Baas Ralf Landwerth, der Obermeister der Baugewerbe-Innung ist, erhofft man sich weitere Unterstützung bei den ehrgeizigen Projektzielen. Auch die Besucherzahlen steigen. 2016 waren es laut Vorstand knapp 90.000, in diesem Jahr werden es deutlich über 130.000 sein. Ein museumspädagogisches Konzept mit digitalen Elementen ist in Arbeit, ein Kinderspielplatz gebaut.

Berding am Montag zurückgetreten

Berding, der das neue Wirtschaftskonzept so nicht mittragen wollte – weshalb es Meinungsverschiedenheiten im Vorstand gab –, soll beim Muelendag im Frühjahr „in ehrenvollem Rahmen“ verabschiedet werden. Johow: „Wir bedauern seinen Rücktritt.“

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Georg Berding selbst sagt, er habe andere Vorstellungen gehabt, will sich aber inhaltlich zu seinem Rücktritt von allen Ämtern nicht äußern. „Ich habe es aus Vorsorge für meine Gesundheit getan. Es ist gut gewesen“, sagt Berding mit Blick auf die 15 Jahre als 1. Baas und zweieinhalb Jahre als Geschäftsführer. 

Kommentar

Juwel mit viel Potenzial: Neues Führungsteam im Mühlenhof-Museum

Seit Oktober fallen die Bäume, die bislang den Blick vom Aasee auf den Mühlenhof versperrt haben. Der Kahlschlag hat eine gewisse Symbolkraft, denn er soll das Freilichtmuseum wieder zurück ins Blickfeld der Bevölkerung holen. Ein Wirtschaftsunternehmen zu führen, das einen Jahresumsatz von einer Million Euro verwaltet und den Anspruch hat, die westfälische Heimat- und Kulturpflege maßgeblich zu bereichern, ist ehrenamtlich eine Herausforderung. Dazu auch noch ein Konzept zu realisieren, das den Spagat zwischen Tradition und Moderne schafft, gleicht einer Herkulesaufgabe. Ein neues Team um Markus Johow versucht nun das, was Heimatfreunde wie Theo Breider, Willi Niemann und Georg Berding mit viel Engagement aufgebaut und gestaltet haben, in eine finanziell krisensichere Zukunft zu führen. Erste Ansätze scheinen Erfolg versprechend zu sein. Der Mühlenhof ist für Münster ein Juwel mit viel Potenzial. Er ist es wert, ein wenig neu erfunden zu werden. (-hpe-)



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