Sa., 07.10.2017

Interview Wirtschaftsförderer zieht Messe-Bilanz: Alle Tische ausgebucht

Wirtschaftsförderer Dr. Thomas Robbers organisiert den Messeauftritt bei der Expo Real in München. In diesem Jahr waren 22 Partner dabei.

Wirtschaftsförderer Dr. Thomas Robbers organisiert den Messeauftritt bei der Expo Real in München. In diesem Jahr waren 22 Partner dabei. Foto: -kb-

München - 

Drei Tage lang hielt sich Münsters oberster Wirtschaftsförderer Dr. Thomas Robbers auf der Immobilienmesse Expo Real in München auf. Jetzt zieht er Bilanz.

Von Klaus Baumeister

In München fand von Mittwoch bis Freitag die weltweit größte Messe für gewerbliche Immobilien statt, die Expo Real. Für alle Wirtschaftsförderer ist diese Ausstellung ein Pflichttermin, so auch für Dr. Thomas Robbers, Leiter der Wirtschaftsförderung Münster. Am Ende der Expo Real sprach unser Redakteur Klaus Baumeister mit ihm.

Herr Dr. Robbers, wie sind die Gespräche in München gelaufen?

Robbers: Ich bin sehr zufrieden. Wir hatten hier am Stand 22 Partner aus Münster und dem Münsterland. In einem Teilbereich des Messestandes ist es möglich, für fest terminierte Gespräche einen Tisch zu reservieren. Hier waren wir komplett ausgebucht.

Was war das Hauptthema?

Robbers: Wohnen! Die Nachfrage nach Möglichkeiten für Investoren, in Münster im Wohnungsbau aktiv werden zu können, ist riesig. Weitere zentrale Themen waren Büronutzung und Logistik.

Auch abseits der reservierten Tische für vertrauliche Gespräche war es sehr voll am Stand.

Robbers: Das habe ich auch so erlebt. Der Stand ist wie eine Kontaktbörse, eine Plattform zur Präsentation der Stadt und des Umlandes.

In diesem Jahr waren alle Wirtschaftsförderungen der Umland-Kreise am Stand vertreten, ferner Wirtschaftsförderer aus Bocholt und Ibbenbüren. Machen Sie sich da nicht selbst Konkurrenz?

Robbers: Nein. Wir haben als Wirtschaftsförderung gute Erfahrungen damit gemacht, den Standort Münster regional zu denken. Wir müssen wirtschaftliche Zusammenhänge erkennen. Das geht nur, wenn nicht hinter Sprakel oder Amelsbüren für uns die Welt aufhört. Die Region als Ganzes ist sehr stark. Jede Form der Nabelschau stört da nur.

Wie werden Münster und das Münsterland von außen gesehen?

Robbers: Die Region wird sehr stark identifiziert mit einer mittelständisch geprägten Struktur der Wirtschaft, die sich als stabil erwiesen hat.

Wenn es bei uns so gut funktioniert, warum muss man dann überhaupt hier in München für Münster werben?

Robbers: Münster gehört zu den 20 größten Städten in Deutschland. Wenn man hier auf der Expo Real fehlt, fällt das auf. Wer für Unternehmen und Investoren interessant sein möchte, der muss Netzwerke pflegen. Hierfür bietet die Messe ideale Bedingungen. Das persönliche Gespräch kann man nicht ersetzen.

In früheren Jahren wurden die hohen Kosten des Messeauftrittes kritisiert. Wie ist das heute?

Robbers: Ich halte es für legitim, wenn Menschen nachfragen, wofür eine Stadt und auch eine Wirtschaftsförderung ihre Budgets einsetzt. Da wir den Messestand aber als Plattform verstehen und sich die vielen Standpartner aus Münster und der Region auch an der Finanzierung beteiligen, haben wir gute Argumente auf unserer Seite. 

Aber ist es nicht verrückt, wenn sich Geschäftsleute aus Münster in München zum Gespräch verabreden?

Robbers: Das scheint verrückt zu sein, aber es ist so. Etwa ein Drittel der Besucher, die an unseren Stand kommen, sind Münsteraner und Münsterländer, ein weiteres Drittel sind bekannte Kunden aus Deutschland, das letzte Drittel sind Neukunden. Die Attraktivität der Messe für alle Kunden besteht nicht zuletzt darin, dass man hier am Stand auch ganz problemlos einen Oberbürgermeister, einen Stadtbaurat oder einen Liegenschaftsdezernenten ansprechen kann.

Die Zahl der freien Gewerbeflächen in Münster wird immer geringer. Wenn Sie demnächst nichts mehr anbieten können, können Sie sich doch auch den Messeauftritt sparen.

Robbers: Wir arbeiten an der Entwicklung neuer Gewerbe- und Industriegebietsflächen, dazu gibt es bereits einen Ratsbeschluss.

Geht Ihnen die Entwicklung schnell genug?

Robbers: Nein. Es braucht Zeit, um Gewerbeflächen zu sichern, zu planen, zu erschließen und zu vermarkten. Da kann man schon ungeduldig werden.

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Befürchten Sie eine zunehmende Flächenkonkurrenz, etwa wenn es um die Ausweisung von Gewerbe- und Wohnflächen geht?

Robbers: Ja, den Konflikt gibt es. Aber es gibt auch den Zielkonflikt zwischen Gewerbeflächen und Grünflächen. Wichtig ist, Lösungen zu finden, die die vielfältigen Belange berücksichtigen.

Jeder Wirtschaftsförderer wünscht sich viele neue Arbeitsplätze. Aber wenn man die Pendlerströme ansieht, muss die Frage erlaubt sein, ob die Prosperität Münsters nicht an Grenzen stößt.

Robbers: 1995 hatte Münster rund 118 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, heute sind es rund 43 000 mehr. Der Einpendler-Überschuss zwingt uns, auch ganz neu über die Frage der Mobilität nachzudenken. Wir brauchen einen besseren ÖPNV, werden aber auch damit leben müssen, dass künftig weiterhin ein nennenswerter Teil der Arbeitnehmer mit dem Auto zum Arbeitsplatz fahren wird. Die Verkehrsinfrastruktur ist darauf auszurichten.



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