Do., 12.10.2017

„Leinwandbegegnungen“ im Cinema bringen Geflüchtete und Münsteraner zusammen Kommen, schauen, kennenlernen

Geflüchtete und Einheimische präsentieren gemeinsam Filme und machen das Kino erfolgreich zur Begegnungsstätte: ein Teil des Teams der „Leinwandbegegnungen“ im Cinema um Nora Meyer (vorne Erste von links)

Geflüchtete und Einheimische präsentieren gemeinsam Filme und machen das Kino erfolgreich zur Begegnungsstätte: ein Teil des Teams der „Leinwandbegegnungen“ im Cinema um Nora Meyer (vorne Erste von links) Foto: Wolfgang A. Müller

Münster - 

Film ist eine Form von Sprache, die interkulturellen Austausch immens erleichtert. Das macht sich die Reihe „Leinwandbegegnungen“ im Programmkino Cinema zunutze. Geflüchtete und Münsteraner kommen hier einmal im Monat zusammen, gucken einen handverlesenen Streifen und lernen sich persönlich kennen.

Von Werner Amendy

„Kino ist ein offener Ort und darum eine gute Bühne für Begegnungen“, beschreibt Nora Meyer vom Cinema das seit dem Juni laufende Projekt. Inzwischen zieht es ein enthusiastisches Stammpublikum von rund 70 Personen an. Auch wegen der Kooperation mit dem Verein „Welcome Münster“: „Es klappt, die Zielgruppe zu erreichen“, freut sich Meyer. „Kommen und schauen“ laute das Motto der für jeden offenen, eintrittsfreien Filmreihe. Aber „nur berieseln“ wolle diese nicht: Partizipation – das ist der Schlüssel zum Erfolg der Veranstaltung.

Organisiert wird das Programm von einem 15-köpfigen Team aus Geflüchteten und Einheimischen, das gemeinsam interessante Produktionen sichtet. Nicht zuletzt sprachlich verständliche: Die Filme sind fast ausschließlich auf Deutsch. Bisher haben es die Produktionen „Oh Boy“, das Roadmovie „Im Juli“ von Fatih Akin und das DDR-Drama „Das Leben der Anderen“ geschafft. Zum Gelingen der „Leinwandbegegnungen“ trägt auch das Publikum aktiv bei: Vor und besonders nach dem Film bringt ein Rahmenprogramm den Dialog untereinander in Gang.

Das Kennenlernen beginnt schon beim Platznehmen im Kinosaal. Viele der meist jungen Besucher kommen mit Freunden, werden aber bei der Ticketvergabe von diesen getrennt und neben ihnen Unbekannte gesetzt. Auf der Kinokarte steht eine unverfängliche Frage, über die sie sich mit den Sitznachbarn austauschen sollen: „Was bedeutet Musik für dich?“ Dann folgt eine kurze Einleitung zum Film.

Dass ein Streifen wie „Das Leben der Anderen“ weit über bloße Kulturvermittlung ins unmittelbar Persönliche ausgreift, wird an einem der Abende schnell beim anschließenden Treff im „neben*an“ (dem Ladenlokal am Cinema) greifbar. Angeleitet von kleinen Aufgaben, bei Snacks und Getränken, sprechen die Teilnehmer über das Gesehene. Und über sich selbst. Der junge Syrer Monther (Teammitglied der „Leinwandbegegnungen“) entfloh vor zwei Jahren dem Krieg. Ganz im münsterschen Hier und Jetzt daheim, protokolliert er die Meinungen seiner Tischgruppe zum von Ulrich Mühe gespielten Stasi-Hauptmann. Sein Freund kann dessen dräuende Zweifel am System nachvollziehen: In der syrischen Armee erfuhr er, wie es ist zu glauben, auf der „richtigen“ Seite zu stehen. Und es entspinnen sich die Gespräche weiter, unbefangen über dies und das, aus dem realen Leben der jeweils Anderen am Tisch.

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Die „Leinwandbegegnungen“ finden jeden dritten Sonntag im Monat statt; der nächste Termin ist am Sonntag (15. Oktober) um 19 Uhr. Gezeigt wird der Film: „Babel“. Regisseur Alejandro González Iñárritu verwebt vier Parallelhandlungen in sechs Sprachen in Mexiko, Marokko, Japan und den USA miteinander. Die Folge: Über zweieinhalb Filmstunden entlädt sich eine dicht erzählte Parabel auf Missverständnisse, Sprachbarrieren und andere misslungene Kommunikationen. Eintritt frei.



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