Do., 12.10.2017

Gebäude wird entkernt Bunker im Bahnhof hat ausgedient

2005 wurde der Bunker für ein paar Stunden geöffnet, um Menschen, die während der Schneekatastrophe in Münster strandeten, aufzunehmen.

2005 wurde der Bunker für ein paar Stunden geöffnet, um Menschen, die während der Schneekatastrophe in Münster strandeten, aufzunehmen. Foto: hpe

Münster - 

Der Weltkriegs-Bunker im Hauptbahnhof hat ausgedient. Bis Ende 2018 soll er entkernt werden. Zuletzt war er während des Orkans Kyrill im Jahr 2007 zum Einsatz gekommen.

Von Martin Kalitschke

Als der Luftschutzbunker im münsterischen Hauptbahnhof gebaut wurde, fielen Bomben vom Himmel. Später bot er Flüchtlingen aus der DDR und Bosnien sowie den Opfern der Schneekatastrophe und von Orkan „Kyrill“ Zuflucht. Doch nun hat er ausgedient. In Kürze soll die Entkernung des massiven Beton-Gemäuers beginnen, berichtet Bernhard Wessels, der bei der Feuerwehr für den Bunker zuständig ist.

Bis Ende 2018 entkernen

2009 hatte der Bund beschlossen, das flächendeckende Schutzraumkonzept aufzugeben. Damit war auch das Ende des Bahnhof-Bunkers besiegelt, der der Deutschen Bahn gehört, aber von der Stadt Münster verwaltet wird. Dafür bekommt sie wiederum – wie Wessels berichtet – die Kosten vom Bund erstattet.

Ende 2018 soll die Entkernung abgeschlossen sein. Danach soll das dann leere Gebäude, in das man über den Bahnhof-Nordtunnel sowie einen Innenhof gelangt, nur noch alle fünf bis sechs Jahre betreten werden. „Mitarbeiter der Bahn werden dann überprüfen, ob es noch in gutem Zustand ist“, berichtet Wessels. „Schließlich trägt der Bunker einen Teil der Schienenanlagen und der Bahnsteige.“

Lüftung versehentlich zubetoniert

Schon seit Längerem ist der Bunker in schlechtem Zustand. Bei der Sanierung der Verkehrsanlagen des Bahnhofs zwischen 2010 und 2013 wurden versehentlich die Lüftungsanlagen zubetoniert. Im Bunker kam es anschließend zu Wassereinbrüchen, und an den Wänden entstand Schimmel, da nun keine Frischluft mehr in das Gebäude gelangte. Führungen für Interessierte gibt es seitdem nicht mehr, nur noch im Ausnahmefall darf der Bunker betreten werden. Immerhin: „Die Suche nach Schadstoffen brachte keine nennenswerten Ergebnisse“, unterstreicht Wessels.

Eine aufwendige Entsorgung der Inneneinrichtung, darunter Hunderte Liegen, die in den 1970er-Jahren angeschafft wurden, wird damit wohl nicht erforderlich sein. „Die werden wohl auf dem Schrott landen“, vermutet er.

Kosten werden vom Bund erstattet

Zwischenzeitlich sei auch überlegt worden, den Bunker komplett mit Beton zu füllen. „Doch den Nachweis, dass es danach keine Hohlräume gibt, hätte kein Bauunternehmen erbringen können“, sagt Wessels. So fiel die Entscheidung, das Gemäuer lediglich zu entkernen. Auch die Kosten für diese Maßnahmen werde die Stadt vom Bund erstattet bekommen, betont der Feuerwehr-Mitarbeiter.

Der Bahnhof-Bunker

1941/1942 wurde der Bunker errichtet, um Schutz vor Luftangriffen zu bieten. 1961, also während des Kalten Krieges, wurde er von der Bundesregierung im Rahmen eines Sofortprogramms reaktiviert. In den 1970er-Jahren, während des Wettrüstens der Supermächte, wurde der Bunker saniert, neue Leitungen wurden gelegt und Filter eingebaut, die Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Angriffen bieten sollten. 14 Tage lang, so das Ziel, sollten sich hier Menschen am Stück aufhalten können. 1989 wurde er geöffnet, um Menschen aus der DDR aufzunehmen – doch benötigt wurde er dann doch nicht.

Im Frühjahr 1994 diente er vorübergehend als Aufnahmestelle für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Bosnien. 2005 kamen im Bunker gestrandete Bahn-Reisende während der Schneekatastrophe unter, 2007 wurde er zuletzt geöffnet. Ein paar Stunden hielten sich Kyrill-Opfer dort auf. -kal-



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