Fr., 13.10.2017

Unternehmer unterstützt Elterninitiativen „Investition“ in freie Kitas

Renate und Ulrich Völkel (v.l.) die jedes Jahr freie Kitas in Münster mit fünfstelligen Beträgen unterstützen, kauften am Donner­stag im Kaufladen der „Zwerge“ an der Südstraße ein.

Renate und Ulrich Völkel (v.l.) die jedes Jahr freie Kitas in Münster mit fünfstelligen Beträgen unterstützen, kauften am Donner­stag im Kaufladen der „Zwerge“ an der Südstraße ein. Foto: kv

Münster - 

Kitas, die von Elterninitiativen betrieben werden, sind finanziell weniger gut ausgestattet als solche mit einem großen Träger im Hintergrund. Ihnen hilft jedes Jahr der münsterische Unternehmer Ulrich Völkel mit einer Großspende.

Von Karin Völker

Ulrich Völkel ist seit 33 Jahren Unternehmer in Münster und kennt sich aus mit Investitionen. Das „denkbar beste Investment“ liegt aber für den Geschäftsmann nicht in seiner Branche, der Mikroelektronik. Völkel „investiert“, wie er sagt, seit 2009 in Elterninitiativen, die Kitas betreiben.

11.000 Euro pro Kita

Bis zum vergangenen Jahr hat Ulrich Völkel zusammen mit seiner Frau Renate jeweils 10.000 Euro pro Jahr für münsterische freie Kitas gespendet. Seit dem 32. Geburtstag seines in Roxel ansässigen Unternehmens ergibt sich Völkels jährliche Spendensumme aus dem Ergebnis der Multiplikation der Anzahl der Firmenjahre mit dem Faktor 1000. Am Donnerstag war der 33. Geburtstag der Firma – und damit gingen 33.000 Euro als Spenden an die Kitas, jeweils 11.000 Euro erhielten die drei Initiativen „Rappelkiste“, „Zwerge“ und „Pustekuchen“.

Besseres ‚Return on Investment‘ gibt es nicht

Das war Anlass für eine kleine Feier in den Räumen der „Zwerge“ an der Südstraße – und für Ulrich Völkel, Gelegenheit, einen Appell an andere, in Münster tätige Unternehmer zu richten. „Hier gibt es noch viele andere gut verdienende Firmen“, sagt Völkel, und wirbt in der Sprache des Geschäftsmannes: „Ein besseres ‚Return on Investment‘ als bei der Unterstützung von Kita-Gruppen gibt es nicht.“

Gerade hat er mit seiner Frau Renate im Kaufladen bei einigen der „Zwerge“ eingekauft, anschließend lassen sich die beiden mit einer Geburtstagstorte und selbst gebastelten Geschenken der Kinder beschenken. Christina Künneth, Mutter dreier kleiner Kinder und Mitglied im Elternvorstand der „Zwerge“, kann das Glück kaum fassen. „Mit dem Geld können wir jetzt endlich viele Dinge anschaffen, die wir uns bisher nicht leisten konnten“, freut sie sich. Das sind etwa Spielsachen und pädagogisches Material vor allem für die unter Dreijährigen oder Einrichtungsgegenstände.

Eltern machen alles selbst

Die „Zwerge“ arbeiten wie auch „Pustekuchen“ an der Gasselstiege und die „Rappelkiste“ an der Hafenstraße seit rund 30 Jahren. „Bei uns muss alles selbst gemacht werden“, skizziert Silvia Hegele Leiterin der Kita „Zwerge“, die 17 Kinder betreut. Wenn etwas kaputt geht, kommt kein Hausmeister, sondern die Eltern übernehmen die Reparatur, auch der kleine Garten muss selbst gepflegt werden.

Beate Heeg, Geschäftsführerin des münsterischen Vereins „Eltern helfen Eltern“ der die in Münster tätigen 39 Elterninitiativen mit rund 70 Kitagruppen berät, ist „heilfroh“, über die Firmenunterstützung, die so betonen die Völkels, über kurz oder lang alle freien Kitas in der Stadt erreichen soll.

Sechsfache Großeltern kein Verständnis für Unterfinanzierung

„Das hilft den Trägern sehr, grundsätzlich brauchen wir aber eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung der freien Kitas“, betont Heeg. Seit fast zehn Jahren, also seitdem das Kibiz-Gesetz die Finanzierung der Kinderbetreuung in NRW regelt, haben die freien Träger vor allem durch Tarifsteigerungen Probleme, sagt Heeg.

Ulrich und Renate Völkel, selbst sechsfache Großeltern, haben dafür kein Verständnis. „Für Bildung und Erziehung der ganz Kleinen kann man gar nicht genug tun“, sagen sie.

Die Finanzierung von freien Kita-Gruppen

Hinter Elternvereinen, die eine Kita betreiben, steht kein Träger, der bei Kostensteigerungen einspringt. Vor zwei Jahren gerieten die freien Kitas in erhebliche Zahlungsschwierigkeiten, als die Tariferhöhung für Erzieher wirksam wurde. Die Stadt half damals, Eltern und Kinder hatten zuvor mehrfach demonstriert. Die Mitarbeiter der Kitas reduzierten außerdem ihr Stundenkontingent, besonders Angebote der Kitas mussten zurückgefahren werden. Jetzt will die neue Landesregierung im Nachtragshaushalt ein „Rettungspaket“ für die freien Gruppen auf den Weg bringen, über eine Million Euro davon soll an die Initiativen in Münster fließen, kündigte kürzlich Jugendamtsleiterin Anna Pohl an. „Wir hoffen auf eine Neufassung des Gesetzes“, sagt Beate Heeg vom Verein „Eltern helfen Eltern“.



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