Do., 19.10.2017

Frauennotruf Münster unterstützt „Me too“-Kampagne "Es wird so getan, als ob es zum Leben dazu gehört"

Frauennotruf Münster unterstützt „Me too“-Kampagne : "Es wird so getan, als ob es zum Leben dazu gehört"

Die US-amerikanische Schauspielerin Alyssa Milano hat unter dem Hashtag #metoo dazu aufgerufen, in sozialen Netzwerken über sexualisierte Gewalt zu berichten. Foto: dpa

Münster - 

Der Aufruf von Schauspielerin Alyssa Milano, in sozialen Medien unter dem Hashtag #MeToo Erfahrungen mit Sexismus und sexuellen Übergriffen zu teilen, stößt auch in Deutschland auf große Resonanz. Die Leiterin des Frauennotrufes in Münster sieht in solchen Bewegungen eine große Chance.

Von Anne Koslowski

#MeToo - unter diesem Schlagwort schreiben derzeit viele Frauen im Netz über ihre Erfahrungen mit Sexismus, Belästigung und Missbrauch. Am Mittwoch veröffentlichte die Kunstturnerin und Olympiasiegerin McKayla Maroney über den Nachrichtendienst Twitter, dass sie seit ihrem 13. Lebensjahr von ihrem Teamdoktor regelmäßig belästigt worden sei. "Die Menschen sollten wissen, dass das nicht nur in Hollywood passiert. Es passiert überall", schreibt die 21-Jährige in einem offenen Brief. Die "Me too"-Bewegung habe sie dazu inspiriert, an die Öffentlichkeit zu gehen.

US-Schauspielerin Alyssa Milano hatte nach Bekanntwerden des Skandals um Hollywoodproduzent Harvey Weinstein #MeToo ins Leben gerufen. Tausende Frauen haben seit Sonntag darauf reagiert, viele auch in Deutschland.

Viele Münsteranerinnen kennen Belästigung

"Der Hashtag zeigt, wie real und verbreitet sexualisierte Gewalt ist", sagt Gerlinde Gröger, Leiterin des Frauennotrufs in Münster. Auch hier haben 75 Prozent von 400 befragten Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren schon einmal sexuelle Belästigung erlebt, wie eine Umfrage der Beratungsstelle vor zwei Jahren in Münster zeigte.

Offiziellen Stellen wie dem Frauennotruf und dem Deutschen Gewerkschaftsbund zufolge beginnen sexuelle Belästigung schon bei Anstarren, Hinterherlaufen oder Pfeifen, ungewolltem Anfassen sowie anzüglichen Kommentaren und Witzen. Selbst ein Griff auf die Schulter sei Belästigung, wenn sie unerwünscht und unpassend ist.

Es geht nicht um Sexualität

"Es gibt einen gesellschaftlichen Konsens darüber, wie nah wir einander kommen dürfen. Die Täter wissen daher sehr genau, dass sie eine Grenze überschreiten", sagt Gerline Gröger. Sexistische Witze, Kosenamen im Stil von "Süße" oder zweideutige E-Mails seien deshalb nicht falsch verstandenes Flirtverhalten oder einfach ein dummer Witz. Stattdessen zielten sie darauf ab, das Gegenüber herabzuwürdigen und einzuschüchtern. "Es geht bei sexualisierter Gewalt nicht darum, sexuell etwas zu erreichen, sondern darum, Macht auszuüben."

Das Resultat sei unter anderem, dass Frauen nicht alleine rausgingen oder sich viele Gedanken darüber machten, ob, wann und wo sie sich frei bewegen können. "Damit wird die Bewegungsfreiheit von Frauen eingeschränkt und das ist Gewalt." Ein Zustand, der ebenso wie Alltagssexismus von vielen als Normalität empfunden werde. "Es wird so getan, als ob es zum Leben dazu gehört, aber da sagen wir nein."

Klare Signale aus der Gesellschaft

Deshalb hofft Gröger, dass die "Me too"-Kampagne zum Nachdenken führe, wie man sexualisierte Gewalt verhindern kann, und zu klaren Signalen aus der Gesellschaft, dass es keine sexualisierte Gewalt und Tabuisierung des Themas mehr geben darf.

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