Do., 19.10.2017

Stadion-Debatte Lange Gesichter bei den Preußen

Lange Gesichter bei den Preußen-Anhängern, die am Mittwochabend die Ratsdebatte zum Thema Stadion verfolgt haben.

Lange Gesichter bei den Preußen-Anhängern, die am Mittwochabend die Ratsdebatte zum Thema Stadion verfolgt haben. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Oberbürgermeister Markus Lewe bilanziert die Stadion-Debatte: Das Vertrauen sei ziemlich früh verloren gegangen, beklagt das Stadtoberhaupt. Ansonsten bleiben viele offene Fragen. 

Von Dirk Anger

Am Ende einer monatelangen Stadion-Debatte zog Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) in der entscheidenden Ratssitzung am Mittwochabend eine traurige Bilanz: „Das Vertrauen ist schon ziemlich früh verloren gegangen.“ Er sei erschüttert, so klagte Lewe, dass das Thema im parteipolitischen Hickhack geendet sei. Was er selbst dagegen unternommen hat, sagte das Stadtoberhaupt nicht.

Unversöhnlich standen sich die Lager in der Frage Stadion-Neubau oder Sanierung an der Hammer Straße bis zum letzten Redebeitrag gegenüber. Mehrere SPD-Ratsvertreter wie der sportpolitische Sprecher Philipp Hagemann, Sozialausschuss-Vorsitzender Thomas Kollmann und Bürgermeisterin Wendela-Beate Vilhjalmsson trugen demonstrativ einen Preußen-Schal.

Fotostrecke: Entscheidung über Preußen-Stadion-Frage

Doch auch das allerletzte Oppositionsmanöver zog nicht: Bei der von der SPD beantragten geheimen Abstimmung hielt offenbar die Ratsmehrheit aus CDU und Grünen wie Pech und Schwefel – zumindest ein politischer Erfolg: Bei 41 Ja- und 29 Nein-Stimmen wurde der Antrag zur Beendigung der Standort-Suche und für eine in Aussicht gestellte Sanierung der alten Arena an der Hammer Straße angenommen. Doch der spärliche Applaus in den Reihen der Abstimmungssieger ließ deutlich werden, dass es an diesem Abend wohl kaum etwas zu feiern gab, zumal es auch im CDU-Lager glühende Preußen-Anhänger gibt.

In der abschließenden Ratsdebatte kamen Punkte zutage, die zuletzt kaum Beachtung gefunden hatten. So nahm sich Bürgermeisterin Karin Reismann (CDU) den SPD-Vorschlag vor, wonach im Falle eines Stadion-Neubaus die jetzige Arena an der Hammer Straße samt Nebenanlagen mit Wohnungen bebaut werden könnten. Die CDU-Politikerin vermisste die Aussage, wo denn dann die Nachwuchs-Mannschaften trainieren könnten.

Damit traf sie einen wunden Punkt: Denn in der gesamten Stadion-Debatte der vergangenen Monate waren die Aspekte Trainingsflächen und Jugendleistungszentrum weitgehend ausgeblendet worden. Als „erstaunlich“ bezeichnete unterdessen Linke-Ratsherr Rüdiger Sagel die Tatsache, dass nach den Sommerferien der Arbeitskreis Stadion gar nicht mehr einberufen worden sei. Dass mit dem Votum von Mittwoch eine „Entscheidung über Jahrzehnte hinaus“ in Sachen Stadion getroffen werde, warf Carola Möllemann-Appelhoff mahnend in die Runde.

Hat Profifußball in Münster Chancen?

Präsidium und Aufsichtsrat des SC Preußen Münster bedauern die Ratsentscheidung. „Wir sind der Meinung, dass mit dieser Entscheidung eine große Chance vertan wurde, den Standort Münster durch Errichtung eines modernen, privat finanzierten Stadions im Wettbewerb der Kommunen und Regionen nachhaltig zu stärken“, heißt es in einer Pressemitteilung. Ein blanko „Bekenntnis“ des SC Preußen zum Standort Hammer Straße könne es nicht geben, „zumindest solange nicht, bis wir wissen, zu was wir uns ,bekennen´ und wer die Ergebnisse letztendlich zu finanzieren hat“. Man sehe deshalb den konkreten Vorschlägen seitens der Stadt mit Spannung entgegen. Des Weiteren gebiete es die Verantwortung, die Gespräche mit den Repräsentanten von Gemeinden in unmittelbarer Nachbarschaft zu Münster fortzusetzen. „Wir brauchen zukunftsfähige und zeitnahe Lösungen.“ Man brauche auch eine Aussage dazu, „dass Leistungssport und Profifußball in Münster ihre Heimat haben“.

Ein „echter Treppenwitz“ sei ein Stadion mit 40.000 Zuschauern, ereiferte sich Jörn Möltgen von den Grünen, allerdings betonte sein Fraktionskollege Christoph Kattentidt unter Verweis auf die Hammer Straße: Ein „Weiter so“ könne es dort nicht geben. Grünen-Fraktionschef Otto Reiners versprach: „Wir wollen das Stadion an der Hammer Straße weiter entwickeln.“

Mehr zum Thema

SC Preußen schaut verstärkt nach Bösensell:  Stadion-Flächen nur im Tausch

Liveblog zum Nachlesen:  Kein neuer Stadion-Standort in Münster

Debatte um Preußenstadion:  Ratsentscheid: Es bleibt die Hammer Straße

Entscheidung in der Stadion-Debatte:  Chance vergeigt

CDU-Ratsherr Frank Baumann wies darauf hin, dass der SC Paderborn schon mit einem 15.000 Zuschauer fassenden Stadion in der Ersten Bundesliga gespielt habe. Parteifreund Peter Laurenz Börgel hielt einen größeren Stadion-Neubau für unwirtschaftlich, sollte dort nur einmal in der Woche Fußball gespielt werden.

Viele offene Fragen

Klarheit gibt es in der Stadion-Debatte eigentlich nur an wenigen Punkten: Für eine neue und größere Fußball-Arena in Münster sieht die schwarz-grüne Ratsmehrheit keinen geeigneten Platz im Stadtgebiet. Ansonsten bleiben viele offene Fragen:

► Wird der Bebauungsplan für den Sportpark Berg Fidel tatsächlich, wie von der Stadt versprochen, im ersten Quartal 2018 fertig? Mehrfach wurde die Fertigstellung schon verschoben.

► Wer soll die Sanierung des veralteten Stadions an der Hammer Straße und den Ausbau auf 20 000 Zuschauer bezahlen?

► Was passiert mit dem Stadion an der Hammer Straße, sollte Preußen Münster andernorts spielen?

► Wer soll das Stadion-Grundstück in Bösensell bezahlen? In Münster wollten die Preußen ein Grundstück von der Stadt pachten.

► Wird die Gemeinde Senden bereit sein, Millionen-Summen für die Infrastruktur rund um ein Fußballstadion zu bezahlen?

► Wollen die Bürger in Bösensell überhaupt ein 40 000 Zuschauer fassendes Fußball-Stadion vor ihrer Haustür haben?

► Müsste die Stadt Münster für ein Stadion in Bösensell Parkplätze im nicht weit entfernten Albachten bauen?



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5233847?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F