Mo., 30.10.2017

Festival „Mensch. Musik“: Stürmischer Applaus zum Abschluss Schubert zwischen Melancholie und Stärke

Schuberts Unvollendete zum Abschluss (v.l.): Götz Alsmann moderierte, Marion Wood dirigierte.

Schuberts Unvollendete zum Abschluss (v.l.): Götz Alsmann moderierte, Marion Wood dirigierte. Foto: Christoph Schulte im Walde

Münster - 

Zwei Tage lang Schubert in der Musikhochschule – es hätten zwei Wochen sein können, denn das Oeuvre des Meisters ist so vielfältig, dass Langeweile kaum aufkommen würde. Beim Festival „Mensch. Musik“ mit dem Titel „Schubert reloaded“ ging es noch vielfältiger und bunter zu – „Schubert neu geladen“ oder „nachgeladen“ also.

Von Chr. Schulte im Walde

Mit der Musik des viel zu jung verstorbenen Komponisten setzen sich bis in unsere Tage hinein Komponisten auseinander, Hans Zender etwa mit der „Winterreise“, Luciano Berio mit Schubert-Fragmenten in „Rendering“. In der Musikhochschule indes ging der Horizont noch weiter, von Pop und Rock bis hin zu Beiträgen von Singer/Songwriter – Crossover also.

Das Finale galt schließlich (fast) ganz dem Wiener „Original“ und seiner „Unvollendeten“, jener zwischen Melancholie und Stärke changierenden Sinfonie, um die herum sich endlose Legenden gebildet haben. Mit denen räumte Eberhard Hüppe zu Beginn des Konzertes in seinem kurzen Vortrag erst einmal gründlich auf. Wer Schuberts Arbeitsweise kennt, für den ist der Umstand, dass die „Unvollendete“ ein Torso geblieben ist, kein mysteriöses Wunder mehr.

Eigentlich ist es völlig egal, weshalb diese Sinfonie nur zwei Sätze hat. Zwei Sätze voller schöner Momente, voller Spannung und Entspannung, dramaturgisch genial aneinander gefügt. Dies offenbarte auch die Interpretation des Hochschulorchesters mit hellwachen Holzbläsern, kieksfreien Hörnern, samtweichen Streichern. Alles in allem eine runde, stimmige Sache, von Dirigentin Marion Wood sowohl mit Präzision als auch großer Musikalität zusammengefügt. Zu Recht ernteten die Akteure in dem bis zum letzten Platz gefüllten Konzertsaal großen Beifall.

„Schubert reloaded“, daran hat auch der Musikhochschulstudent Nicklas Erpenbach gearbeitet und verschiedene Themen aus der „Unvollendeten“ quasi wie in einer strukturierten Endlosschleife aneinander montiert – dies der definitiv letzte Beitrag des Hochschulorchesters beim Abschlusskonzert. Auch hierfür stürmischer Applaus, den Erpenbach, Wood und die Ins­trumentalisten sichtlich genossen. Im nächsten Jahr geht’s weiter mit dem „mensch.musik.festival“.



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