Di., 31.10.2017

Wertvolles Dokument in der Unibibliothek Die 95 Thesen von Münster

Reinhard Feldmann von der ULB Münster präsentiert einen noch im Jahr 1517 erschienenen Nachdruck der Thesen von Martin Luther. Weltweit gibt es davon nur noch 20 Exemplare.

Reinhard Feldmann von der ULB Münster präsentiert einen noch im Jahr 1517 erschienenen Nachdruck der Thesen von Martin Luther. Weltweit gibt es davon nur noch 20 Exemplare. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

In einem Sondermagazin der Universitätsbibliothek liegt ein besonders wertvolles Dokument: ein Nachdruck der Thesen von Martin Luther, der noch im Jahr 1517 gedruckt wurde.

Von Martin Kalitschke

Die 95 Thesen, die Martin Luther am 31. Oktober 1517 an die Schlosskirche in Wittenberg geschlagen haben soll, verbreiteten sich in den Wochen danach in Windeseile in Europa. Erhalten geblieben sind allerdings nur ganz wenige Exemplare der historischen Nachdrucke. Eines befindet sich im Besitz der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) in Münster: der „Basler Quartdruck“, der noch im Jahre 1517, also unmittelbar nach dem welthistorischen Ereignis, veröffentlicht wurde.

Weltweit 20 Exemplare

„Von diesem Druck gibt es weltweit nur 20 Exem­plare“, berichtet Reinhard Feldmann, Leiter des Dezernats Historische Bestände in der ULB Münster. Entsprechend oft werde das Dokument von Museen als Leihgabe für Sonderausstellungen angefordert. „Was wir hier haben“, sagt Feldmann, „ist ein richtiger Schatz.“

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Wobei dieser Schatz weitaus mehr Dokumente als „nur“ den „Basler Quartdruck“ erhält – nämlich 720 Flugschriften und ­Drucke, die fast ausnahmslos aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammen, darunter 230 Erst- und Frühdrucke der Schriften von Martin Luther. „Es ­finden sich Beispiele zu fast allen Stationen seines Lebens“, sagt Feldmann. So sind der Ablass-Streit, der kirchliche Prozess und ­innerprotestantische Diskussionen ebenso do­kumentiert wie die großen Programmschriften von 1520. Und auch ­Reformatoren, Freunde und Mitarbeiter von ­Luther sind in der Sammlung ent­halten, darunter Philipp Melanchthon, Ulrich Zwingli, Erasmus von Rotterdam und Ulrich von Hutten.

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Wie aber kam dieser Schatz nach Münster? Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb die „Bibliotheca Paulina“ – so hieß die Unibibliothek damals – die bedeutenden Sammlungen von zwei Privatgelehrten: die „Collectio Erhard“ des münsterischen Archivars Heinrich August Erhard und die Bibliothek von Pastor Joseph Niesert. Beide enthielten reformatorische und aus dem Umfeld der Reformation stammende Schriften. Nicht enthalten sind indes die beiden frühesten Drucke der Luther-Thesen, der Nürnberger und der Leipziger Plakatdruck, von denen nur eine Handvoll Exem­plare die vergangenen 500 Jahre überstanden hat.

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Der Druck, der sich in Münster befindet, ist leider nicht öffentlich zu sehen. Er befindet sich in einem Sondermagazin der ULB unter Verschluss. Anlässlich des Reformationsjubiläums hat die Internationale Martin-Luther-Stiftung allerdings ein Buch mit einem Faksimile-Nachdruck des historischen Erstdrucks der 95 Thesen herausgegeben – für den das Exemplar aus Münster als Vorlage diente.

Luthers 95 Thesen verändern die Welt

Martin Luthers 95 Thesen veränderten die Welt und wiesen den Weg in die Moderne. Mit ihnen zog der Wittenberger Theologie-Professor (1483-1546) unter anderem gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche zu Felde. Denn aus Angst vor dem Fegefeuer kauften die Menschen damals Ablassbriefe, um sich von ihren Sünden zu befreien – für den Papst eine sehr gute Einnahmequelle. Mit einem zentralen Festgottesdienst in der Wittenberger Schlosskirche wird am 31. Oktober daran erinnert, dass Luther auf den Tag genau vor 500 Jahren die Thesen an die Tür des Gotteshauses geschlagen hat.

Neben der Französischen Revolution und der Renaissance gehört die Reformation (zu deutsch: Umgestaltung) zu den wichtigsten politischen und geistesgeschichtlichen Bewegungen Europas. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts beendete sie die Vorherrschaft des Papstes und markierte den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit. (dpa)



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