Di., 31.10.2017

Die Urban Turbans sind eine Hommage an die Hafenstraße in Münster Die Welt ist nicht genug

Zur Stammbesetzung der Urban Turbans zählen Felix Hartwig (l.), Lena Muer (3.v.l.), Martin Rott (4.v.l.), Schlagzeuger Daniel Rudolph (nicht im Bild) sowie Lukas Hülsermann (5.v.l.) Regelmäßig bei Auftritten dabei sind aber auch Diana Jansing (2.v.l.) und Carsten Ahlf (r.) sowie Andre Westarp am Keyboard (nicht im Bild).

Zur Stammbesetzung der Urban Turbans zählen Felix Hartwig (l.), Lena Muer (3.v.l.), Martin Rott (4.v.l.), Schlagzeuger Daniel Rudolph (nicht im Bild) sowie Lukas Hülsermann (5.v.l.) Regelmäßig bei Auftritten dabei sind aber auch Diana Jansing (2.v.l.) und Carsten Ahlf (r.) sowie Andre Westarp am Keyboard (nicht im Bild). Foto: Björn Meyer

Münster - 

Sie sind Lehrer, Mediziner, Selbstständige und teilen ein Hobby – die Musik. Die Entstehungsgeschichte der Band ist dabei eng mit der Stadt verwoben, aus der sie kommen: Münster.

Von Björn Meyer

„Die Tour hat uns in keiner Weise körperlich geschadet“, sagt Felix Hartwig auf der Bühne mit spöttischem Unterton und grinst ins Publikum. Hartwig ist Gitarrist bei den Urban Turbans. Am Samstagabend spielte das Quintett aus Münster inklusive befreundeter Gastmusiker im Rare Guitar. Es war der Abschluss einer kleinen Clubtour, die die Band nach Essen, Hamburg, Düsseldorf, Marburg, Krefeld und nun Münster geführt hat.

Ihr Geld verdienen die Turbans als Lehrer, Selbstständige oder Mediziner. Aus musikalischer Sicht sind sie völlig unterschiedlich geprägt. Der Saxofonist kommt vom Jazz, der Bassist hört Metal, der Schlagzeuger ist dem Blues zugetan, und der Gitarrist mag Reggae. Auf der Bühne kommt dabei ein musikalisches Programm ausgewählter Stücke aus der ganzen Welt heraus. Und manchmal ist selbst die nicht genug. Da werden mal schnell die Cantina Band von Star Wars, die Titelmelodie der Zeichentrickserie Captain Future oder Klänge von Game of Thrones in die eigentlichen Stücke arrangiert. „Wir sind eine Coverband. Doch viele Zuschauer bekommen das gar nicht so mit, weil sie die Songs nicht oder zumindest so nicht kennen“, sagt Hartwig, Lehrer für Niederländisch und Geschichte.

Die Keimzelle der Urban Turbans ist die Hafenstraße. Damals, Mitte der 2000er, als sich ein paar Freunde regelmäßig abends trafen, um locker auf der Couch zu jammen, wurde die musikalische Saat gesät. Auch wenn das zu diesem Zeitpunkt keiner der Beteiligten ahnte. „Wenn draußen wieder irgendwer etwas gerufen hat, dann haben wir das eingebaut“, sagt Felix Hartwig. Die Band heute ist eine Hommage an diese Zeit und das kulturell bunte Viertel. Doch der Weg dahin war keineswegs geradlinig. Die ersten Auftritte gab es in wechselnder Besetzung 2008 und 2009. Gelungene Konzerte für die Musiker, aber beide Male verlief sich die Sache wieder.

Zwei Jahre später nahmen Hartwig und Schlagzeuger Daniel Rudolph das musikalische Schicksal noch einmal in die eigenen Hände. Per Annonce suchten sie eine Sängerin. Es meldete sich – erst mal niemand. Als die Angelegenheit längst vergessen schien, kam plötzlich doch eine Antwort: von Lena Muer. „Ab da hat die Sache Fahrt aufgenommen“, erinnert sich Hartwig. Beim internationalen Straßenfest folgte der erste Auftritt. Damals noch mit Oswin Geldermann am Kontrabass, seit 2013 spielt Lukas Hülsermann den Bass.

In den vergangenen Jahren haben sich die Turbans zu Stammgästen der heimischen Konzertszene entwickelt. Auftritte beim Hafen- oder Stadtfest sowie dem Hot Jazz Club sind eher Regel als Ausnahme. „Die Musik hat uns schon in alle Ecken Deutschlands geführt“, sagt Hartwig. Rund 25 Shows spiele man jährlich.

Zuletzt eben auf Tour, dabei ist Sängerin Lena Muer im siebten Monat schwanger. „Ist das besonders anstrengend?“, fragt Hartwig gut gelaunt im Auto nach der Rückfahrt aus Düsseldorf. Die Antwort der Sängerin geht im allgemeinen Gelächter unter. „Das ist halt wie eine Klassenfahrt bei uns, nur dass sich hier keiner schubst“, resümiert der Gitarrist schelmisch.

Wohin der Weg der Band in Zukunft führen soll? Der 37-Jährige stutzt kurz: „Es wäre schön, wenn es noch eine Zeit lang so bleibt, wie es ist“, sagt Hartwig, denn einfacher werde der Spagat zwischen Beruf, Familienleben und Musik nicht. „Aber es ist eben unser Hobby – das schönste, das wir uns vorstellen können.“



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