Fr., 03.11.2017

Zusatzausbildung für Trauerbegleiter Thema Suizid "darf nicht tabu sein“

Als Trauerbegleiterinnen nach Suizid bilden sich (v.r.) Barbara Pawlaczyk und Sabine Hausmann weiter. Petra Karallus freut sich, dass Florenz Janning von der Stiftung DKM den Kursus für elf Ehrenamtliche finanziell unterstützt. 

Als Trauerbegleiterinnen nach Suizid bilden sich (v.r.) Barbara Pawlaczyk und Sabine Hausmann weiter. Petra Karallus freut sich, dass Florenz Janning von der Stiftung DKM den Kursus für elf Ehrenamtliche finanziell unterstützt.  Foto: ide

Münster - 

Als Krisenbegleiter arbeiten sie schon ehrenamtlich bei der Krisenhilfe Münster. Nun haben elf Frauen noch eine Zusatzausbildung begonnen, um Menschen zu begleiten, die einen Angehörigen durch Suizid verloren haben.

Von Martina Döbbe

Sie sind motiviert. Engagiert. Und obendrein zudem ausgesprochen qualifiziert. Die Krisenhilfe baut auf ein ehrenamtliches Team von knapp 30 Frauen und Männern – und die geben alles – für Menschen, die genau diese Hilfe brauchen. Um sich aus einer persönlichen Krise hochzuziehen, um wieder Licht zu sehen und den Alltag zu schaffen.

Spezielle Weiterbildung

Elf der Ehrenamtlichen stellen sich nun noch einer ganz speziellen Weiterbildung: Nach ihrer Ausbildung zur Krisenbegleiterin – als solche sind sie schon aktiv – werden diese elf Frauen anschließend als Trauerbegleitung nach Suizid arbeiten können.

Neue Herausforderung

"Das ist noch einmal eine Zusatzqualifizierung", erläutert Petra Karallus den Werdegang. Die Leiterin der Beratungsstelle an der Klosterstraße freut sich sehr, dass eine so große Runde diese neue Herausforderung annimmt. Zurzeit sind es sechs Ehrenamtliche, die für "Trauerbegleitung nach Suizid" schon eingesetzt werden können.

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Aber der Bedarf wird größer, natürlich gibt es auch bei den Ehrenamtlichen Fluktuation und Veränderungen, sodass wir unser Team möglichst breit aufstellen möchten.

Petra Karallus

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Suizid als Tabu

Barbara Pawlaczyk und Sabine Hausmann zählen zu den Frauen, die sich zurzeit weiterqualifizieren – und das für sich selbst nicht nur als persönliche Herausforderung sehen, sondern auch als Chance, sich in einem sehr sensiblen Bereich einzubringen – und zu helfen, ihn aus dem Tabu herauszuholen.

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Suizid ist nach wie vor ein Tabu unserer Gesellschaft. Menschen, die einen Angehörigen auf diese Weise verloren haben, fehlt oft ein Ansprechpartner, weil viele sich nicht trauen, dieses Thema auszusprechen, darüber zu reden. Aber das Thema darf nicht tabu sein

Barbara Pawlaczyk und Sabine Hausmann

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In ihrer Arbeit möchten die beiden Betroffene stärken, sie ermutigen, nicht zu verzweifeln.

Zusatzausbildung kostet

Diese Zusatzausbildung kostet auch zusätzliches Geld – und das kann die Krisenhilfe nicht einfach so aufbringen. Umso mehr freuen sich die Verantwortlichen, dass die "Stiftung DKM Darlehnskasse Münster" mit 2000 Euro einen Großteil finanziert.

Florenz Janning, Geschäftsführer der Stiftung, ist überzeugt, dass dies "eine richtig gute Sache ist, die vom Konzept der Ausrichtung der Stiftung entspricht".

Krisenhilfe mit Alleinstellungsmerkmal

Petra Karallus unterstreicht dabei, dass die Krisenhilfe in diesem Bereich ein absolutes "Alleinstellungsmerkmal" hat, vor allem, weil sie versucht, in den dringenden Fällen innerhalb von 24 Stunden ein erstes Gespräch zu ermöglichen.

"Aber wir sind keine Therapieeinrichtung", macht sie deutlich. Beim Angebot gelte: "Hier darf jeder so trauern, wie er möchte, hier wird nichts gefordert, es gibt keinen Druck, wie etwas sein muss. Jeder wird so begleitet, wie es für ihn gut ist."

Mehr zur Krisenhilfe Münster

30 Jahre Krisenhilfe Münster: Menschen nicht allein lassen (06.09.2017)

Angebot der Krisenhilfe: In der Trauer nicht allein (19.04.2017)

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