Sa., 04.11.2017

Bundesbank-Vorstand wird Ehrendoktorwürde verliehen „Einer unserer Besten“

Aus den Händen von Prof. Dr. Theresia Theurl, Dekanin der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, bekam Prof. Dr. Andreas Dombret die Urkunde zur Ehrendoktorwürde überreicht.

Aus den Händen von Prof. Dr. Theresia Theurl, Dekanin der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, bekam Prof. Dr. Andreas Dombret die Urkunde zur Ehrendoktorwürde überreicht. Foto: Björn Meyer

Münster - 

Einst war er Student an der WWU, heute ist er einer der führenden Banker Deutschlands. Für seine Verdienste wurde Prof. Dr. Andreas Dombret nun die Ehrendoktorwürde verliehen. Mit im Gepäck hatte Dombret eine Forderung an die Politik.

Von Björn Meyer

In diesem Raum habe er seinerzeit seine Examensurkunde überreicht bekommen, erinnerte sich Professor Dr. Andreas Dombret am Freitagvormittag in der Aula des Schlosses. Nur Augenblicke zuvor hatte sich für ihn ein Kreis geschlossen, denn aus den Händen von Prof. Dr. Theresia Theurl, Dekanin der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, hatte Dombret, seit 2010 im Vorstand der Deutschen Bundesbank, soeben die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs 4 erhalten.

Beim ersten Mal durchgefallen

„Ich habe hier in dem Gebäude meine beste Klausur geschrieben“, fuhr Dombret in seiner Erinnerungen an sein Studium in Münster fort. Professor Meffert habe ihm danach sogar eine Promotion angeboten. „Was ich damals aber nicht gesagt habe, war, dass ich beim ersten Mal durchgefallen war“, merkte Dombret schelmisch an.

An einem beeindruckenden beruflichen Werdegang hinderte dies den in den USA geborenen Sohn deutscher Eltern freilich nicht. Nach seinem Abitur in Ahlen und dem Studium an der WWU kam Dombret 1987 zur Deutschen Bank. Es folgten Stationen bei JP Morgan, Rothschild, der Bank of America, eine Honorarprofessur an der European Business School sowie seit über sieben Jahren seine Tätigkeit im Vorstand der Deutschen Bundesbank.

Unzureichende ökonomische Bildung

Dekanin Theurl lobte Dombret als sowohl außergewöhnlich loyalen als auch ausgezeichneten Botschafter des Fachbereichs. „Er ist einer unserer Besten.“ Der Gelobte hatte derweil eine kleine Überraschung mit im Gepäck: „Anders als manche von Ihnen vielleicht erwarten, möchte ich heute nicht über Finanzpolitik, sondern über ökonomische Bildung sprechen“, denn „unzureichende ökonomische Bildung macht sich überall in der Gesellschaft bemerkbar“.

Wirtschaft als Schulfach einführen

Dombret folgerte daraus, dass Wirtschaft dringend als eigenes Schulfach in Deutschland einzuführen sei. Dabei sei ihm durchaus bewusst, dass der Schulbetrieb dem aus der Ökonomie bestens bekannten Prinzip der Knappheit unterliege. „Doch wir können Geldpolitik nur kommunizieren, wenn wir auf grundlegendes Verständnis stoßen.“ Wenn man ehrlich sei, so Dombret, drehe man sich in der seit Jahrzehnten bestehenden Debatte im Kreis.

Die in diesem Zusammenhang häufig formulierte Befürchtung, dass auf diesem Weg eine neoliberale Ideologie an den Schulen Einzug halten könnte, verneinte Dombret. Es gehe vielen eher darum, ein Bewusstsein für Modelle und Konzepte zu fördern, statt ideologische Grabenkämpfe zu führen. 

Kommentar

Kein Angebot trotz Nachfrage: Wirtschaft als Schulfach

Dass ausgerechnet ein ehemaliger Investmentbanker den Bundesländern vorhält, aus der Wirtschaftskrise nichts gelernt zu haben, entbehrt einer – mit Verlaub – gewissen Komik nicht. Doch ein allgemeines Schmunzeln sollte gar nicht erst aufkommen, denn im Kern hat der Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret absolut recht. Ein Leben lang wird von uns gefordert, sich in der Marktwirtschaft zurechtzufinden. Wir sollen lernen, um eine gut bezahlte Arbeit zu finden. Wir sollen Vermögen und Werte anhäufen, um uns und unseren Familien eine sichere Versorgung zu gewährleisten. Nur was dann, wenn wir das Geld tatsächlich haben, damit passiert, das lernen wir nicht. Björn Meyer



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