Sa., 04.11.2017

Pro & Contra Skulptur-Projekte: Soll der Eisenman-Brunnen in Münster bleiben?

Pro & Contra: Skulptur-Projekte: Soll der Eisenman-Brunnen in Münster bleiben?

Der Eisenman-Brunnen sollte nur während der Skulptur-Projekte an der Promenade stehen – und dann verschwinden. Macht eine dauerhafte Installation Sinn?

Von Martin Kalitschke, Lukas Speckmann

Pro: Zweite Chance

Wäre die Künstlerin dagegen – der Verein „Dein Brunnen für Münster“ könnte das Spendensammeln einstellen. Doch Nicole Eisenman ist ausdrücklich dafür, dass ihr Brunnen dauerhaft in Münster bleibt – und sie hat sogar schon Stellen im Blick, wo er stehen könnte. Bürgerliches Engagement und künstlerischer Anspruch Hand in Hand: Einem solchen Projekt kann man einfach nur Erfolg wünschen.

Sicher, der Brunnen sollte nur temporär sein, war auch eigentlich nur für jene Wiese an der Promenade gedacht, wo er 100 Tage lang stand. Er würde also an einem anderen Ort zwangsläufig eine inhaltliche Veränderung erfahren – was in Ordnung ist, weil diese von der Künstlerin selbst kommen wird.

Fotostrecke: Skulptur „Brunnen-Skizze“ von Nicole Eisenman

Das alte Kunstwerk würde so an einem neuen Standort zu einem neuen Kunstwerk. So mancher Kunstfreund mag in einem solchen Fall seine persönliche Deutungshoheit in Gefahr sehen: Doch was ist diese wert, wenn es die Künstlerin selbst ganz anders sieht?

Der Brunnen sollte eine zweite Chance bekommen. Er hat es verdient.

Martin Kalitschke

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Contra: Nicht für die Ewigkeit

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ja, Nicole Eisenmans Brunnen an der Kreuzschanze gehörte zu den spannenden und populären Beiträgen der Skulptur-Projekte. Er wird in guter Erinnerung bleiben. Dennoch: Ihn an anderer Stelle wiederaufzubauen, ist falsch verstandene Kunstliebe.

Drei Gründe. Erstens: Der Brunnen thematisiert sexuelle Unterdrückung, und er setzt sich explizit mit der Vergangenheit der Kreuzschanze und der Annette-Büste auseinander. An diesem und keinem anderen Ort konnte er wirken.

Zweitens: Die Arbeit heißt nicht umsonst „Sketch“, also „Skizze“. Das flache Pseudo-Becken, der bröckelnde Gips, die Wassertröpfelei, der zertrampelte Rasen – das alles war niemals für die Ewigkeit bestimmt. Natürlich könnte die sympathische Künstlerin ihren Brunnen neu erfinden, aber dann wäre es halt eine völlig andere Skulptur.

Und drittens: Münster ist überfüllt mit Kunstwerken im öffentlichen Raum. Die Kunstkommission hat auch deshalb – zu Recht – auf die Bremse getreten.

Aufhören, wenn es am Schönsten ist: Das gilt für die Skulptur-Projekte mehr denn je.  

Lukas Speckmann



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