Sa., 04.11.2017

Nach dem Brand auf dem Send Schaustellerfamilie macht das historische Kinderkarussell wieder fit

Andrzej Arning-Konopczynski hatte alle alten Autos vom Karussell demontiert. In der Halle der Schaustellerfamilie in Nienberge wird jedes Fahrzeug begutachtet. Brandschäden müssen beseitigt und Polster aufgearbeitet werden.

Andrzej Arning-Konopczynski hatte alle alten Autos vom Karussell demontiert. In der Halle der Schaustellerfamilie in Nienberge wird jedes Fahrzeug begutachtet. Brandschäden müssen beseitigt und Polster aufgearbeitet werden. Foto: hpe

Münster - 

Andrzej Arning-Konopczynski begutachtet die Brandschäden am Feuerwehrfahrzeug seines historischen Kinderkarussells, das am 26. Oktober durch einen Brand auf dem Send schwer beschädigt wurde.

Von Helmut P. Etzkorn

Und die Schäden sind größer als ursprünglich gedacht. Er hat das Karussell von 1937 in der Halle der Schaustellerfamilie in Nienberge in alle Einzelteile zerlegt. Viele Pfosten und Halterung für die ebenfalls zerstörte Plane müssen erneuert werden. Weil fast alles aus Holz ist, müssen selbst leicht angekokelte Balken aus statischen Gründen komplett erneuert werden. Insgesamt sind es 16 Pfosten, die quasi das Gerippe des Fahrgeschäftes bilden. Neun von ihnen sind nicht mehr verwendbar, aus optischen Gründen werden allerdings alle der rund drei Meter langen Hölzer ausgetauscht.

Vieles ist noch aus der Gründerzeit, jetzt sollen die Hölzer möglichst originalgetreu ersetzt werden. Einfach Leisten von der Stange nehmen, geht nicht, sagt der Schausteller.

"Alle packen mit an"

Beschädigte Autos bekommen neue Lackierungen und frische Sitzpolster. Ehefrau Ursula hat sich bereits nach entsprechenden Lederstücken umgesehen. In Handarbeit wird sie in den nächsten Tagen anfangen, in den Cabrios die Sitzflächen wieder aufzuarbeiten. „Wir haben ein knappes Zeitfenster, in gut zwei Wochen beginnt der Aufbau für den Weihnachtsmarkt“, sagt sie. Und bis zu diesem Zeitpunkt soll alles wieder betriebsbereit seien. „Alle packen mit an, wir sind optimistisch“, so Ursula Arning-Konopczynski.

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Glück im Unglück

Und wie immer steckt auch bei einem sehr alten Karussell der Teufel im Detail. Fast 1000 Glühbirnen müssen aus den Fassungen gedreht und vom Ruß befreit werden. Die Bögen am Dach des Karussells bekommen einen neuen Anstrich, vorher müssen auch hier die Brandstellen geschmirgelt und teilweise abgehobelt werden. „Zum Glück hat sich das Metall der Träger unter dem Dach trotz der brennenden Plane nicht verformt, sonst hätten wir ein Riesenproblem, meint Andrzej Arning-Konopczynski. Wäre die Feuerwehr nicht so rasch dagewesen, gäbe es das Karussell wohl heute nicht mehr, glauben die Schausteller. Denn die alten Holzwagen, in denen Generationen von Kindern auf dem Send und bei unzähligen Stadtfesten in der Region ihren Spaß hatten, sind unersetzbar.

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Und, ebenfalls Glück im Unglück, blieb der Antrieb als Herzstück des Karussells unbeschädigt. In der Mitte steht ein sogenannter Baum, der einen Eisenring mit Stiftkranz hält. Über die obenliegenden Öffnungen werden die Ausleger, die sich unter den Wagen befinden, hineingeschoben. Der Anlasser stammt aus einem 60 Jahre alten Mercedes-Lastwagen. das vorgesetzte Schwungrad ist durch Keilriemen mit einem Motor verbunden, pro Minute werden fünf Umdrehungen erreicht. „Genau die richtige Geschwindigkeit für die Kinder“, sagt Ursula Arning-Konopczynski.

Angebranntes Gefieder

Auch die Trittbretter rund um das Karussell müssen neu geformt werden. Die Sitzfiguren in der Mitte vom Pferd bis zum Esel sind bis auf den auffälligen Hahn unbeschädigt. Der Gockel jedoch hat ein „angebranntes Gefieder“ und wird deshalb nach der Spezialreinigung nun aufgearbeitet. Insgesamt besteht das Karussell aus rund 500 Einzelteilen und kann in zwei Tagen aufgebaut werden. Beim Weihnachtsmarkt kommen noch zwei Tage hinzu, um Deko anbringen zu können.

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Die Polizei hat noch keine Hinweise auf den Brandstifter. Inzwischen gibt es mehrere Spendenaktionen. Viele Bürger wollen sich an der Restaurierung des beliebten Fahrgeschäfts beteiligen.

„Den Kindern ein Minutenglück schenken und die Eltern an ihre eigene Kindheit erinnern. Das ist unser Anspruch und unsere Profession. Und so soll es auch bis zum 100-Jährigen Karussell-Jubiläum bleiben“, so die Schausteller.



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