So., 05.11.2017

Hilfseinsatz Facharzt aus Münster hilft in Gaza

Dr. Walid Ayad untersucht einen seiner kleinen Patienten.

Dr. Walid Ayad untersucht einen seiner kleinen Patienten.

Münster - 

Der münsterische Facharzt Dr. Walid Ayad war zwei Wochen lang im Westjordanland und in Gaza. Dort untersuchte er 354 Kinder – und operierte mehr als 100.

Von Claudia Kramer-Santel

„Es war sehr anstrengend, aber auch sehr erfolgreich“: Dr. Dr. Walid Ayad operiert normalerweise in seiner Praxis in Münster. Mit einem Team vom „Hammer Forum“ hat der Facharzt für Mund,- Kiefer- und Gesichtschirurgie sich auf den Weg in den Gaza-Streifen und das Westjordanland gemacht, um dort innerhalb von nur zwei Wochen insgesamt 354 Kinder zu untersuchen und 103 zu operieren – hauptsächlich im Kieferbereich.

„Wir behandelten fast nur komplizierte Fälle“, so Ayad. Viele hätten sonst nach Israel oder ins Ausland verlegt werden müssen.

Das Operieren in den Palästinensergebieten gestaltete sich schwierig. Das Krankenhaus sei zwar modern gewesen, auch gab es ausreichend Strom. Doch es fehlt laut Ayad an Zubehör.

Und schon der Weg hat es in sich. Da der Grenzübergang nach Gaza nur bis 15 Uhr gearbeitet hätte, musste das Team in Jerusalem übernachten. „Gleich drei Kontrollen mussten wir am nächsten Tag absolvieren“, erklärte Ayad. Auf die Überprüfung der israelischen Soldaten, bei der es dem Team sogar gelang, Instrumente und Geräte ohne Vorliegen der beantragten Genehmigung einzuführen, folgte die der palästinensischen Autonomiebehörde Fatah, dann noch die der Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert.

Doch Ayad hat einen Antrieb: Die Kinder warten auf eine Behandlung. Partner vor Ort war der „Palestine Children Relief Fund“.

Es fehlt auch die Weiterbildung: Deshalb hielten Ayad und seine Kollegen noch Fortbildungen ab. Außerdem durften örtliche Mediziner bei den Operationen assistieren.

Ayad hat für die Kinderhilfsorganisation „Hammer Forum‘“ bereits in vielen Ländern gearbeitet: Dazu zählen Vietnam, Jemen und Kongo.

Warum er seit zehn Jahren einen Teil seiner Freizeit damit verbringt, unter schwierigen Bedingungen zu helfen? „Wenn man in der glücklichen Lage ist, anderen Menschen die Gesundheit zu schenken, dann soll man das tun. Es ist aus meiner Sicht wichtig, eine Vorbild in der Gesellschaft zu geben. Das ist eine positive Erfahrung.“

Ayad und seine Kollegen werden wohl nicht zum letzten Mal in den Palästinensergebieten sein. Sie haben eine Genehmigung für sechs Monate erhalten, deshalb werden sie im Januar wiederkommen – dann nicht mehr ins Westjordanland, sondern nur nach Gaza, denn dort sei „durch die Belagerung und Blockade die Not am Größten“.



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