Mo., 06.11.2017

Prof. Tiepelmann erlebte vor über 50 Jahren ein gastfreundliches Afghanistan „Unter die Räder gekommen“

Klaus Tiepelmann mit seinen Studenten vor dem „großen Buddha“ von Bamiyn, der 2001 (schon Weltkulturerbe) von den Taliban zerstört wurde.

Klaus Tiepelmann mit seinen Studenten vor dem „großen Buddha“ von Bamiyn, der 2001 (schon Weltkulturerbe) von den Taliban zerstört wurde. Foto: Privat

Münster - 

„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“. Als Verteidigungsminister Peter Struck 2002 diese berühmte Aussage traf, wussten viele nicht, wo dieses raue Gebirge eigentlich liegt. Auch Dr. Klaus Tiepelmann wusste es anfangs nicht – im Jahr 1963, als in seiner Kölner „WiSo“-Fakultät die Frage umging, ob sich junge Wissenschaftler bereitfänden, in Afghanistan Pionierarbeit zu leisten. Die Universität der Hauptstadt Kabul benötigte Hilfe beim Aufbau einer Wirtschafts-Fakultät.

Von Arndt Zinkant

Klaus Tiepelmann fand sich bereit. Und obwohl er erst ein Jahr zuvor in seiner Heimatstadt Münster geheiratet hatte und junger Vater war, ging es ohne viel Federlesen ins Unbekannte. Über ein halbes Jahrhundert ist das nun her. Mittlerweile ist Tiepelmann 85 und emeritierter Professor, lebt mit seiner Frau wieder in seiner alten Heimatstadt Münster und blickt zurück. Auf ein Land, das „unter die Räder der internationalen Politik gekommen ist“, wie er es formuliert. Ein Land, das nicht erst nach dem 11. September 2001 Kriegsschauplatz wurde. Ein Land, in dem deutsche Soldaten stationiert sind.

Was Tiepelmann und seine Familie 1964 nach langem Flug vorfanden, war eine fremde, faszinierende Welt. Zerklüftete Landschaften, gastfreundliche Menschen, Basar und Orient. Gefahren lauerten nicht durch Überfälle oder Anschläge, sondern durch Steinschlag oder geplatzte Reifen. Aber selbst dann konnte man sich auf spontane Hilfsbereitschaft verlassen. Die vielen verschiedenen Ethnien des Landes kamen im Großen und Ganzen miteinander aus, und auch die religiösen Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten hielten sich damals in Grenzen.

Die treibende Kraft hinter der internationalen Zusammenarbeit war König Zahir Shah, der Afghanistan 1964 öffnete und zur konstitutionellen Monarchie umformte. Es gab ein Zwei-Kammern-Parlament und sogar das Frauenwahlrecht. Das machte sich auch an der Wirtschaftsfakultät in Kabul bemerkbar. „Der Studentinnen-Anteil war damals mindestens so groß wie in Deutschland“, erinnert sich Tiepelmann an die jungen Frauen, die ihm durchaus „westlich“ vorkamen, den längeren Röcken und lockeren Kopftüchern zum Trotz.

Die Angestellten im Hause Tiepelmann sollten vorzugsweise Männer sein – sie zu beschäftigen, war ein Gebot sozialen Verhaltens. Obwohl man öfters mit Magen-Darm-Beschwerden zu kämpfen hatte, fühlte sich die Familie in dem rauen, schönen Land sehr wohl. Die zweite Tochter der Tiepelmanns wurde auch am Hindukusch geboren, bevor es 1966 zurück nach Deutschland ging.



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