Mi., 08.11.2017

Vermeintlicher Schwarzfahrer 15-Jähriger mit gültigem Ticket muss Bus verlassen

Vermeintlicher Schwarzfahrer: 15-Jähriger mit gültigem Ticket muss Bus verlassen

Weil das Lesegerät seine Karte nicht erkannte, musste ein 15-jähriger Münsteraner den Bus verlassen. Foto: Stadtwerke Münster (Symbolbild)

Münster - 

Das Lesegerät des Kontrolleurs erkannte seinen gültigen Fahrschein nicht. Der 15-Jährige erhielt einen 60-Euro-Strafzettel und wurde an der Haltestelle Heroldstraße aus dem Bus gewiesen.

Von Helmut Etzkorn

Obwohl er ein gültiges Busticket hatte, musste ein 15-jähriger Schüler aus Albachten am Samstagabend in Mecklenbeck als ertappter Schwarzfahrer den Bus verlassen. Nur weil er ein Handy dabei hatte und seine Mutter erreichte, die ihn dann mit dem Auto abholte, blieb dem jungen Mann ein dunkler Fußmarsch von fünf Kilometern bis zum Wohnhaus erspart.

Ticket noch bis August 2018 gültig

Jan Merten war mit einem Freund am Hauptbahnhof im Kino, dann sollte es mit der Linie 16 in Richtung Heimat gehen. Bei einer Kontrolle während der Fahrt auf der Weseler Straße zeigte Jan seine mit Lichtbild und laut Aufdruck bis 31. August 2018 gültige „goCard“-Abokarte für Schüler vor. Das Ticket wurde jedoch vom Lesegerät der Kontrolleure nicht erkannt. Jan zeigte nun seinen Schülerausweis vor - ein Beleg, dass er am Hittorf-Gymnasium ist und die „go-Card“ rechtmäßig besitzt und nutzt.

Strafzettel und Rauswurf

Die Prüfer beeindruckte das offenbar nicht sonderlich. Sie stellten ihm einen 60-Euro-Strafzettel wegen des Verdachts der Beförderungserschleichung aus. Auch die „goCard“ wurde eingezogen. Der „Sünder“ musste dann den Bus an der Heroldstraße in Mecklenbeck verlassen. „Eine Weiterfahrt mit der Linie 15 war nicht möglich, weil ich kein Bargeld mehr für einen neuen Fahrschein dabei hatte. Und schwarz fahren wollte ich nicht“, so Jan Merten.

Wütende Mutter

„Die anderen Fahrgäste haben schon ziemlich schräg geguckt“, so der Schüler. Mutter Anja Merten ist stocksauer auf die Stadtwerke: „Man kann doch einem 15-Jährigen nicht zumuten, bei stockdunkler Nacht zu Fuß bis Albachten zu laufen, weil ein Prüfgerät des Kontrolleurs eine gültige Karte nicht erkennen kann.“ Sie denkt dabei auch an ihre jüngere Tochter, der Ähnliches hätte passieren können.

Erklärung der Stadtwerke

Stadtwerke-Sprecher Florian Adler: „Die Familie muss natürlich keine 60 Euro zahlen, weil das Abo an sich gültig war. Die Karte war nur defekt. Der Schüler kann sich eine neue Karte abholen.“ Die Schwarzgeld-Buße wurde laut Adler ausgesprochen, weil der Prüfer nicht feststellen konnte, ob das Abo noch gültig ist oder beispielsweise inzwischen gekündigt war. Und damit das defekte Ticket nicht weiter im Umlauf bleibt, wurde es eingezogen.

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Kunden sollen Abokarten prüfen

Die Stadtwerke empfehlen Inhabern von Abokarten, ihr Ticket zumindest hin und wieder vor die Lesegeräte im Bus zu halten. So könne man überprüfen, ob sie als gültig angezeigt werden. Defekte Karten würden so schneller erkannt und könnten bei den Stadtwerken ausgetauscht werden. Zum Umstieg von Mecklenbeck in einen Bus der Linie 15 nach Albachten wäre zwar der Zettel mit der 60-Euro-Strafe nicht mehr gültig gewesen. „Sicherlich hätte der Fahrer ihn aber damit auch bis nach Albachten mitgenommen“, mutmaßt Adler.



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