Di., 07.11.2017

30 Jahre Aidsberatung „Wir kannten damals keine Therapie gegen Aids“

Die rote Schleife gilt als Symbol der Solidarität mit HIV-Positiven und Aids-Kranken.

Die rote Schleife gilt als Symbol der Solidarität mit HIV-Positiven und Aids-Kranken. Foto: dpa

Münster - 

30 Jahre ist es her, dass in den Gesundheitsämtern in NRW Aids-Beratungsstellen geöffnet wurden. Auch in Münster gibt es die Stelle seit 1987. Die Arbeit dort hat sich seitdem jedoch verändert.

Von Anna Spliethoff

Eine positive Bilanz haben die Aids-Beratungsstellen der Gesundheitsämter in NRW im Rahmen einer Jubiläumstagung gezogen. Seit 30 Jahren engagieren sich dort Fachkräfte aus medizinischen, psychologischen und sozialen Berufen gegen HIV, Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten. Zur Tagung hatte der Verband der Aids-Koordinatorinnen geladen.

Auch im münsterischen Gesundheitsamt gibt es seit dem November 1987 die Aids-Beratung. „Die größte Herausforderung war damals, dass wir mit einem völlig neuen Thema konfrontiert wurden“, erinnert sich Monika Brosda. Die Ärztin arbeitet seit 1988 in der Beratungsstelle. Sie sagt: „Es war schwierig, Menschen von der Prävention als einzige Schutzmöglichkeit zu überzeugen. Wir kannten damals noch keine Therapie gegen das Virus.“

Das sei nun anders. „Heute haben wir gute Medikamente, Therapien und Behandlungsmöglichkeiten“, so Brosda. Die Arbeit habe sich außerdem verändert, weil sich der Themenbereich auch auf andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphilis oder Chlamydien ausgeweitet habe.

Der Ärztin ist vor allem eins wichtig: „Den Menschen muss klar sein, dass es wichtig ist zu wissen, ob man HIV positiv ist. Nur dann kann man auch rechtzeitig behandelt werden.“ In der Therapie und auch in der Diagnostik habe eine „rasante Entwicklung“ stattgefunden: Anders als noch vor einigen Jahren kann mit einem negativen HIV-Antikörpertest heute bereits nach sechs Wochen eine Infektion ausgeschlossen werden. Früher mussten die Menschen zwölf Wochen mit der Angst vor einer möglichen Ansteckung leben.

Monika Brosda sieht die Aidsberatungsstellen aber noch nicht am Ziel: „Ich würde mir wünschen, dass die sexuelle Gesundheit akzeptiert und aus der Tabuzone rausgeholt wird, wie andere Gesundheitsbereiche.“ Es sei jedoch gut, dass sich immer mehr Menschen überhaupt damit beschäftigen. Wichtig seien außerdem noch immer die Anonymität bei der Beratung und die Kostenfreiheit des HIV-Tests.

Brosda ist Vorstandsmitglied im Verband der Aids-Koordinatorinnen: „Dass es Hand in Hand läuft und die Beratungsstandards in NRW abgestimmt sind, ist sehr wichtig.“ Bei der Jubiläumstagung lobte unter anderem NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann die Arbeit der Beratungsstellen in den Gesundheitsämtern.



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