Di., 07.11.2017

Podiumsdiskussion Medien-Kritik als Forschungsprojekt: Zeitungs-Glaubwürdigkeit ungebrochen hoch

Podiumsdiskussion: Medien-Kritik als Forschungsprojekt: Zeitungs-Glaubwürdigkeit ungebrochen hoch

Foto: dpa

Lügenpresse, Fake News – die Medien stehen in der Kritik. „Insbesondere an den politischen Rändern, rechts wie links, wachsen Skepsis und schwindet Vertrauen“, weiß Professor Bernd Blöbaum, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Münster, aus den Forschungen des Graduiertenkollegs „Vertrauen und Kommunikation in einer digitalisierten Welt“. So stünden die Medien unter dem Establishment-Verdacht, sie würden den Mächtigen mit zu wenig Kritik begegnen und dem Bereich soziale Gerechtigkeit zu wenig Beachtung schenken.

Von Norbert Tiemann

„Wir liefern eine interessenunabhängige Berichterstattung, glaubwürdig, seriös und verständlich“, schildert Burkhard Nagel im Rahmen der Podiumsdiskussion an der Uni Münster aus der journalistischen Praxis bei ARD-aktuell (Tagesschau und Tagesthemen); dort leitet er das Qualitätsmanagement.

Eine Faktenfinder-Redaktion, eine Art Verifikationsteam, prüft strittige Fakten, um der Verbreitung von Fake News vorzubeugen. „Insbesondere geht es um die Prüfung von Bewegtbildern, die heute aus vielen Quellen stammen, auch durch die Kooperation mit Fernsehsendern im Ausland.“ Sind die Bilder authentisch? Zeigen sie ein aktuelles Ereignis oder stammen Aufnahmen aus einem Archiv?

Schlagwort "Fake News"

Die Gründung der Faktenfinder-Redaktion gilt als Erfolg; dennoch muss sich die ARD aktuell mit dem Vorwurf einer mehrfach fehlerhaften Syrien-Berichterstattung in der Tagesschau vom vergangenen Samstag auseinandersetzen.

Mehr zum Thema

Erst prüfen, dann teilen:  Fake-News in sozialen Netzwerken erkennen

Tagung zum Thema Pressefreiheit:  Das Problem mit den „Fake-News“

Studie unter Online-Nutzern:  Breite Mehrheit für Maßnahmen gegen Fake News

Dubiose Online-Portale:  Falschmeldungen zum Selberbasteln

Norbert Tiemann, Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten, mahnt einen besonnenen Umgang mit dem Schlagwort Fake News an. Dabei handele es sich stets um eine vorsätzliche und der gezielten Desinformation dienende Verbreitung falscher Nachrichten. „Nicht jeder Fehler, nicht jede handwerkliche Unzulänglichkeit hat etwas mit Fake News zu tun.“

Glaubwürdigkeits-Ranking

Überdies schlage sich die vieldiskutierte Vertrauens-Krise der Medien nicht in Zahlen nieder: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, die regionalen Abonnement- und die nationalen Zeitungstitel stünden seit Jahren und auch aktuell im Glaubwürdigkeits-Ranking unangefochten an der Spitze. „Vertriebsschleuder für Fake News, für Hass und Empörung sind die sozialen Medien wie Facebook und Twitter; sie müssen einem Regelwerk unterworfen werden,“ fordert Tiemann. Im Unterschied zu den USA spielten Fake News in der politischen Kommunikation in Deutschland kaum eine Rolle.

Auf den hohen Stellenwert der direkten Kommunikation via Facebook verweist Svenja Schulze, Generalsekretärin der NRW-SPD. „In meinem Wahlkampfteam gab es eigens eine Online-Redaktion; ohne geht es heute nicht mehr.“



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5273319?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F