Mi., 08.11.2017

Wohltaten für ehemalige Aufsichtsräte? Sparda-Bank: Staatsanwaltschaft Bielefeld prüft neue Vorwürfe

Wohltaten für ehemalige Aufsichtsräte?: Sparda-Bank: Staatsanwaltschaft Bielefeld prüft neue Vorwürfe

Foto: Klaus Wiedau (Symbolbild)

Münster - 

Polizei und Staatsanwaltschaft entdecken bei ihren Ermittlungen gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden der Sparda-Bank Münster, Enrico Kahl, immer neue Unregelmäßigkeiten. Aktuelle Entdeckung: Kahl soll 100.000 Euro mehr Jahresgehalt bekommen haben als es die Vorschriften des Sparda-Banken-Verband vorsehen.

Von Jürgen Stilling

Polizei und Staatsanwaltschaft entdecken bei ihren Ermittlungen gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden der Sparda-Bank Münster, Enrico Kahl, immer neue Unregelmäßigkeiten. Aktuelle Neuigkeit: Kahl soll 100 000 €  mehr Jahresgehalt bekommen haben, als es die Vorschriften des Sparda-Banken-Verbands vorsehen.

Gerald Rübsam, Oberstaatsanwalt bei der zuständigen Wirtschaftsstrafkammer in Bielefeld, bestätigte am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung zwar nicht die Höhe dieses in Bankenkreisen vermuteten Gehaltsaufschlags, betonte aber: „Das Gehalt war deutlich höher als üblich.“

"Ungewöhnliche Arbeitsverträge"

Die Genehmigung dieses üppigen Salärs wurde damals vom Aufsichtsrat erteilt. Mitglieder dieses Gremiums haben im Gegenzug Wohltaten in Anspruch genommen, zu denen wohl die Übernahme von Mobilfunk-Gebühren und Arbeitsverträge für 400-Euro-Jobs zählten. In Medienberichten ist von einem geschätzten Schaden von über 300 000 €  die Rede. Rübsam bestätigte lediglich die Existenz „ungewöhnlicher Arbeitsverträge“.

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Die Sparda-Bank räumte indes ein, mit sieben ehemaligen Aufsichtsräten zwischen 2004 und 2013 nach deren Amtszeit Arbeitsverträge geschlossen zu haben. Diese seien aber Ende 2015 beendet worden, erklärte Sparda-Sprecherin Ute Cewe unserer Zeitung.

Bereits länger im Fokus der Ermittler

Der alte Sparda-Bank-Aufsichtsrat steht schon länger im Fokus der Ermittler. Anfang Mai hatten alle Mitglieder des Gremiums ihre Ämter niedergelegt. Cewe betonte jedoch, dass von den aktuellen Vorwürfen lediglich ältere, nicht die im Mai zurückgetretenen Aufsichtsräte betroffen seien.

Die Anschuldigungen ­gegen Ex-Vorstandschef Kahl stammen schon aus dem Oktober 2015. Damals wurde Kahl fristlos entlassen. Ihm wird Spesenbetrug vorgeworfen. Zwei Jahre lang ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits. Wann geht diese Arbeit zu Ende? Das ist laut Rübsam noch völlig offen.



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