Do., 09.11.2017

Mitarbeitersuche in Münster Nach dem Boom droht der Stillstand

Viele Staus und hohe Immobilienpreise machen es münsterischen Unternehmen schwer, neue Mitarbeiter zu finden und an Münster zu binden.

Viele Staus und hohe Immobilienpreise machen es münsterischen Unternehmen schwer, neue Mitarbeiter zu finden und an Münster zu binden. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Der leer gefegte Wohnungsmarkt und die schlechte Erreichbarkeit der Stadt mache die Mitarbeitersuche am prosperierenden Standort Münster immer schwerer, beklagen Wirtschaftsvertreter. Die Zeit dränge, sonst schlage der Boom um in Stillstand.

Von Klaus Baumeister

Wolfgang Stricker, Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens Stricker GmbH, kennt die Biografien viele seiner Beschäftigen. Wenn sich früher ein junger Mitarbeiter an das Unternehmen gebunden habe, dann habe er sich in der Nähe eine Wohnung gesucht und sei – wenn möglich – morgens mit dem Rad zur Arbeit gefahren. „Heute geht das kaum noch“, beschreibt der Unternehmer einen grundlegenden Wandel. Aus Kostengründen ziehen die Mitarbeiter „30 bis 40 Kilometer ins Umland und stehen dann an jedem Morgen im Stau“.

Zentrale Probleme in Münster: Wohnen und Verkehr

Bei einem Pressegespräch beschreibt Wolfgang Stricker, der sich in den Gremien der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen engagiert, gleich zwei zentrale Probleme in Münster: zum einen die extrem hohen Immobilienpreise, zum anderen eine Verkehrsinfrastruktur, die den wachsenden Pendlerströmen nicht gewachsen sei.

„Noch vor wenigen Jahren hätten wir uns in die Politik der Stadt nicht eingemischt, aber heute können wir uns das nicht mehr erlauben“, so Stricker weiter. Der leer gefegte Wohnungsmarkt und die schlechte Erreichbarkeit der Stadt mache die Mitarbeitersuche am prosperierenden Standort Münster immer schwerer.

Erwartungshaltung der Wirtschaft

Am Donnerstag wollen Wirtschaftsvertreter im Rahmen einer IHK-Veranstaltung mit Experten und Vertretern der Stadt Münster darüber diskutieren.

Gemeinsam mit Matthias Lückertz von der Initiative Starke Innenstadt verdeutlicht Wolfgang Stricker schon mal die „Erwartungshaltung“ der Wirtschaft.

Wachstum organisieren

Lückertz hält die anstehenden Probleme allesamt für lösbar, denn die wachsende Zahl an Einwohnern und Arbeitsplätzen sei „Ausdruck einer hohen Attraktivität“. In Münster gehe es nicht darum, den Mangel zu verwalten, sondern das Wachstum zu organisieren. Hier aber fordern die Wirtschaftsvertreter „mehr Tempo und auch die Bereitschaft, neue Wege zu gehen“.

Pendlerströme besser bewältigen

Zwei Beispiele in diesem Zusammenhang: Seit Jahren herrsche bei den Politikern weitgehende Einigkeit, dass ein reaktivierter Zugverkehr auf der Trasse Münster – Sendenhorst helfen könne, die Pendlerströme besser zu bewältigen. Nur: „Die Vorlaufzeit ist einfach zu lang.“

Um die Abhängigkeit vom Auto zu minimieren, regt Stricker auch an, über spezielle Shuttlebusse nachzudenken, die morgens zu den Stoßzeiten auf direktem Wege zwischen dem Hauptbahnhof und den großen Gewerbegebieten pendeln.

In der Wohnungspolitik fordern Lückertz und Stricker ebenfalls eine höhere Schlagzahl: Mehr Nachverdingung, mehr Bauland, weniger Planungsschleifen.

Arbeit flexibler gestalten

Auch die Unternehmen selbst, so Lückertz und Stricker weiter, müssten umdenken. Exemplarisch nennen sie Heimarbeitsplätze, versetzte Arbeitszeiten und Dienstfahrräder.

Die Zeit jedenfalls, da sind sich die beiden Wirtschaftsvertreter einig, drängt. Sonst schlage der Boom um in Stillstand.

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