Do., 09.11.2017

Debatte in der Industrie- und Handelskammer Mobilität ohne Auto – geht das?

Sie diskutierten über Mobilität (v.l.): Joachim Brendel, Julius Roberg (beide IHK), Robin Denstorff (Stadtbaurat), Wolfgang Stricker (IHK), Jörg Pantenburg (Galeria Kaufhof), Reinhard Schulte (Stadtwerke) und Dirk Anger (WN, Moderator)

Sie diskutierten über Mobilität (v.l.): Joachim Brendel, Julius Roberg (beide IHK), Robin Denstorff (Stadtbaurat), Wolfgang Stricker (IHK), Jörg Pantenburg (Galeria Kaufhof), Reinhard Schulte (Stadtwerke) und Dirk Anger (WN, Moderator) Foto: Oliver Werner

Münster - 

Preisfrage: Wenn junge Menschen vor der Wahl stehen, entweder auf ihr Smartphone oder auf ihren Führerschein zu verzichten – wie entscheiden sie sich?

Von Klaus Baumeister

Der Verkehrsexperte Thomas Friderich zögerte bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen am Donnerstagabend keine Sekunde mit der Antwort: „Sie verzichten auf den Führerschein.“ Ohnehin sei es heute schon so, dass sich der Durchschnittsdeutsche am Tag weitaus länger mit seinem Handy beschäftigte als er im Auto sitze.

Dass Thomas Friderich so geantwortet hat, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, denn er arbeitet bei einem Tochterunternehmen des Autokonzerns Daimler. Aber in einem Tochterunternehmen, das sich mit der Zukunft der Mobilität beschäftigt. Friedrich nannte drei Stichworte, die Deutschlands Städte ebenso grundlegend verändern würden wie seinerzeit die Erfindung des Verbrennungsmotors: E-Mobiltät, autonomes Fahren und Car-Sharing.

Dass es jenseits solch spektakulärer Veränderungsprozesse auch (sinnvolle) Innovationen geben kann, machte Ann Nguyen von der Firma Pakadoo deutlich. Dieser Dienstleister hat sich darauf spezialisiert, dass bei Internet-Einkäufen die Pakete nicht an die Privatadresse geschickt werden, sondern in der Poststelle des Arbeitgebers landen und dort abgeholt werden können. Der Hintergrund: 30 Prozent aller Staus in Großstädten werden von Zustellfirmen ausgelöst, deren Paketfahrzeuge in zweiter Reihe parken.

In der abschließenden Diskussionsrunde zum Thema Mobilität kamen eher die konventionellen Schwierigkeiten in Münster und drum herum zu Sprache. Der Warendorfer Landrat Dr. Olaf Gericke erklärte, dass in der aktuellen Situation „eine Mobilität in der Region ohne Auto“ nicht denkbar sei. Ausdrücklich warnte er Münster vor einer verkehrlichen Abschottung. Für die geplante Wiedereinführung eines Zugsverkehrs auf der Strecke Sendenhorst – Münster nannte Gericke als Startpunkt das Jahr 2023.

Reinhard Schulte, Leiter der Bussparte bei den Stadtwerken Münster, wiederum wies darauf hin, dass angesichts der begrenzten Fläche für Straßen in Münster „das Auto zu viel Platz in Anspruch nimmt“. Das müsse sich ändern.

Jörg Pantenburg, Geschäftsführer der Galeria-Kaufhof-Filiale in Münster, nannte Diskussionspunkte wie eine City-Maut oder eine breit angelegte Tempo-30-Zone in der Innenstadt als „Schreckensgespenst“.

Zudem stellte er auch die Regelung infrage, dass Lieferfahrzeuge in der Innenstadt nur bis 11 Uhr vorfahren dürfen. Der Lieferverkehr sei damit auf die ohnehin sehr stauträchtigen Morgenstunden fixiert.



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