Fr., 10.11.2017

„Gekommen, um zu bleiben“ Umstrittener Textilhändler Primark öffnet in Münster

Primark in Münster

Die moderne Fassade setzt bereits Akzente in der Salzstraße. Ende des Monats eröffnet hier der irische Textildiscounter Primark. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Ende des Monats kehrt wieder Leben an der Adresse des früheres Sinn-Leffers-Gebäudes an der Salzstraße ein: Der irische Textil-Discounter Primark eröffnet dort nach aufwendigen Bauarbeiten seinen 24. Laden in Deutschland.

Von Dirk Anger

Der wegen seiner Billigpreise für Textilien bisweilen in der Kritik stehende Handelsriese hat vor acht Jahren seine Expansion auf dem deutschen Markt begonnen. „Wir tragen zur Belebung der Innenstadt bei“, sagt Wolfgang Krogmann, Deutschland-Chef von Primark, selbstbewusst.

230 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden

In Münster sollen nach seinen Worten 230 Arbeitsplätze entstehen – davon 50 in Vollzeit. Knapp zwei Drittel sind den Angaben zufolgen Teilzeitstellen, der Rest geringfügig Beschäftigte. Den Mietvertrag in Münster habe man schon „vor etlichen Jahren unterschrieben“, sagt Krogmann. Das Unternehmen sieht in der Domstadt eine langfristige Perspektive: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

Fotostrecke: 10 Dinge über Primark, die Sie wissen sollten

Bei seiner Ausbreitung hat der Textil-Discounter ein Auge auf Städte mit mindestens 150 000 Einwohnern geworfen. Eine gute Anbindung an Bus und Bahn sei dabei wichtig. Schließlich locken die Tiefpreise vor allem ein junges Publikum an, das sich für wenig Geld mit viel Klamotten eindecken will.

„Wir brauchen viele Menschen“, sagt Krogmann mit Blick auf das Geschäftsmodell des Textil-Händlers, der nach eigenen Angaben weltweit mindestens 346 Geschäfte in elf Ländern betreibt. Denn angesichts seiner Niedrigpreise ist das Unternehmen auf hohe Verkaufszahlen angewiesen. Die Masse lässt also erst die Primark-Kassen klingeln.

Bislang kein Online-Geschäft

Aus diesem Grund hält sich der „bekennende Stationärhändler“ bislang auch aus dem Online-Geschäft heraus, der im Textilbereich bereits 30 Prozent ausmache. „Bei unseren geringen Margen lässt sich das nicht rechnen“, sagt Krogmann unter Verweis auf dann entstehende Kosten durch Warenversand und Retouren.

Gleichwohl verteidigt der Geschäftsführer, seit 30 Jahren im Textilhandel unterwegs, das umstrittene Geschäftsmodell seines Unternehmens: „Ein hoher Verkaufspreis sagt nichts über die Qualität des Produkts.“ Primark lebe vom Widerspruch zwischen guter Qualität und einem niedrigen Preis. Dass diesen bei 2,50 Euro für ein T-Shirt letztlich die Arbeiter in den Herstellungsländern zahlen müssen, will Krogmann nicht so stehen lassen – „das sind keine übelsten Bedingungen“, verteidigt der Manager die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern wie Bangladesch, Indien oder China.

Alle rund 700 Lieferanten würden zertifiziert. Fast 90 Mitarbeiter seien mit dieser Überprüfung beschäftigt. „Wir tragen dazu bei, dass sich bei den von uns beauftragten Fabriken etwas ändert“, behauptet Krogmann. Dass Primark niedrige Verkaufpreise biete, liege an superschlanken Strukturen und einer effizienten Logistik im Unternehmen. Schließlich hätten alle Mitbewerber in der Textilbranche „in etwa den gleichen Einkaufspreis“.



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