Fr., 10.11.2017

Botanischer Garten Feinschliff im grünen Juwel

Herbert Voigt ist als technischer Leiter des Botanischen Gartens in den Ruhestand gegangen.

Herbert Voigt ist als technischer Leiter des Botanischen Gartens in den Ruhestand gegangen. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Herbert Voigt ist ein echter Typ. Mit Zopf und Rock steht er ab und zu bei botanischen Fitnessgängen mitten in seinem Pflanzenreich und verteilt an die Teilnehmer Knospen und Kräuterspitzen als Kostproben. Dazu fordert er zu Yogaübungen auf. Das hält fit, sagt Voigt, der mit 65 Jahren in den Ruhestand geht. Rund 30 Jahre war er als technischer Leiter des Botanischen Gartens im Einsatz.

Von Gabriele Hillmoth

Das grüne Paradies hinter dem Schloss ist eine Oase, die rund 200 000 Besucher im Jahr anlockt. Voigt spricht von einem Juwel in Münster. Er freut sich, dass der Botanische Garten das ganze Jahr hindurch ein Anziehungspunkt geworden ist: „Für die Münsteraner ist das ihr Garten.“

Tausende von Pflanzen entfalten sich auf dem Areal – der technische Leiter kennt die Namen der meisten Pflanzen und Bäume. Unkraut gibt es nicht. Die Botanik fasziniert Voigt noch immer. Der Pensionär freut sich, demnächst in den heimischen Garten zwischen Münster und Albersloh eintauchen zu können. Auch hier ist es gewollt wild. „Eine Wiese kann noch so chaotisch aussehen, aber alles hat seinen Platz.“

Viele Pläne hat Voigt im Botanischen Garten umsetzen können. „Aber das geht nur mit einem super Team.“ Heide- und Moorlandschaft, Bauerngarten, Riech- und Tastgarten und Farnwelt – all das sei in den Jahren ent­wickelt worden.

Voigt, der Ur-Münsteraner aus Herz-Jesu, der Diplom-Landespflege studiert und eine Lehre in einer Baumschule absolviert hat, war drei Jahre in der Entwicklungshilfe in Malaysia tätig. Mit Jägern, Sammlern und Kopfjägern sei er unterwegs gewesen, um Orang Utans auszuwildern und Nationalparks anzulegen. Die Zeit ­habe ihn geprägt. Danach interessierten Voigt die öko­logischen Zusammenhänge, er nahm sein nächstes ­Studium auf: Diplom-Geografie-Landschaftsökologie.

Dann startete Herbert ­Voi­gt i m Botanischen Garten in Bochum und wechselte nach Münster. Dort bestimmten zunächst Rosen das Bild des Gartens. Sehr schön, so Voi­gt, aber er wollte die ökologischen Aspekte in den Vordergrund rücken. „Es ist aber leichter ein Rosenbeet anzulegen, als einen Kalkmagerrasen“, beschreibt er. Stück um Stück verwandelte das Team den Garten. „Wir arbeiten sehr viel mit Nützlingen.“ Läuse gibt es, aber auch Marienkäfer-Larven, die gegen Läuse angehen. Vögel haben ihre Lebensräume gefunden.

Herbert Voigt erzählt von der Datenbank, in dem jedes Pflänzchen registriert ist. Als er kam, hätten ihm nur zwei Karteikarten vorgelegen. Weltweit tauscht der Garten heute Samen mit anderen Gärten aus, dafür wird jedes Jahr ein Katalog erstellt.

Herbert Voigt avancierte auch zum Bau-Experten. Ein Großteil der Gewächshäuser, die unter Denkmalschutz stehen, wurde saniert und umgebaut. Momentan beschäftigt sich der 65-Jährige mit dem Thema Bioinspiration, wobei Dinge aus der Natur auf den Geist vieler Unternehmen übertragen werden könnten. Für Herbert Voigt steht fest: „Es gibt noch viele schöne andere Sachen.“ Nur ganz ohne den Garten kann er noch nicht.



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