Do., 09.11.2017

Landesmuseum präsentiert im Lichthof „Idee und Form“ von Reiner Ruthenbeck Renaissance der Raute

Reiner Ruthenbecks „Bodenraute 130/1300“, 1991 erstmals installiert und nun wieder reaktiviert, ist eigentlich nur eine ausgelassene Fläche zwischen weißen Blättern.

Reiner Ruthenbecks „Bodenraute 130/1300“, 1991 erstmals installiert und nun wieder reaktiviert, ist eigentlich nur eine ausgelassene Fläche zwischen weißen Blättern. Foto: Foto: LWL

Münster - 

Nach den turbulenten Tagen der Skulptur-Projekte 2017 kommt nun wieder etwas Ruhe und Muße ins Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte am Domplatz in Münster. Was nicht heißt, dass der Ausstellungsbetrieb ruht. Im Gegenteil. Landesmuseum und Westfälischer Kunstverein bitten an diesem Wochenende zu einem Dreiklang. Den Grundton setzt dazu im Lichthof des Landesmuseums der im vergangenen Jahr verstorbene Künstler Reiner Ruthenbeck (1937-2016). Genauer gesagt seine große, schmale Raute, die den Lichthof des Landesmuseums fast genau, aber eben nicht ganz genau diagonal durchzieht.

Von unseremRedaktionsmitgliedJohannes Loy

Wenn man so will, mag man in diesen Tagen von einer „Renaissance der Raute“ sprechen, denn spätestens seit der von Angela Merkel permanent verwendeten Geste redet alle Welt von dieser geometrischen Form. Man könnte in diesem konkreten Fall im Lichthof auch von einem kunstvoll gequetschten Karo sprechen oder von einer feinen Kompassnadel.

Das Haus am Domplatz nennt die auf den Betrachter durchaus meditativ wirkende Schau „Idee und Form“ und ergänzt sie mit Papierarbeiten des Bildhauers Reiner Ruthenbeck aus dem Bestand des Museums und der Westfälischen Provinzial- Versicherung. Zwei Gründe gibt es, nach den Skulptur-Projekten gezielt mit Reiner Ruthenbeck im musealen Alltag fortzufahren. Er wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden, außerdem nahm er zweimal, 1987 und 1997, an den Skulptur-Projekten in Münster teil. Im Lichthof des Altbaus wurde die 1991 erstmals gezeigte Installation „Bodenraute 130/1300“ nun erneut aufgebaut und im Umlauf mit 34 Zeichnungen ergänzt.

Kuratorin Marijke Lukowicz bringt den besonderen Clou der Raute Ruthenbecks und einiger seiner Papierarbeiten auf den Punkt. Denn das, was der Betrachter als vom Künstler besonders herausgehobene Form sieht und erkennt, ist ja eigentlich eine Auslassung. So haben die Ausstellungsmacher auf der Grundlage der Arbeit von 1991 rund 200 DIN-A-0- Blätter stärkeren Formats auf dem Boden des Lichthofes ausgebreitet und die Raute, die ja eigentlich nur aus dem grau-gelben Fußboden besteht, freigelassen.

Solche „Freilassungen“ sieht man auch in den Papierarbeiten des Künstlers, so etwa, wenn er drei schwarze Kartonplättchen übereinanderstapelt, die in der Mitte ein kleines Dreieck freilassen.

Mit der jetzigen Ausstellung setzt das Museum die Tradition der Lichthofinstallationen fort, die seit den 1970er Jahren Künstler einlädt, den Innenhof des Altbaus kunstvoll zu bespielen und Wahrnehmungen zu verändern. Sie würdigt damit ebenso einen Künstler, der bereits seit den 1980er Jahren eine besondere Verbindung zu Münster und zum Museum pflegte. 1982 erhielt der in Velbert geborene Künstler den vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ausgelobten Konrad-von-Soest-Preis. „Für unsere Sammlung der Gegenwartskunst sind Ruthenbecks Papierarbeiten von besonderer Bedeutung: Sowohl das Konzept zur Bodenraute wie auch das Zeichnungskonvolut schenkte uns Ruthenbeck in den 1990er Jahren, womit er unsere Sammlung sehr würdigte“, sagt Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold.

Im Gegensatz zum Textil, womit Ruthenbeck unter anderem bei seinem Beitrag zu den Skulptur-Projekten 1987 „Lodenfahne“ arbeitete und das ein wichtiges Material in seinem Werk ist, lässt sich Papier einfacher in Form bringen. Arnhold: „Die klare Formensprache und die besonderen Eigenschaften des Materials stehen dabei klar im Fokus. Trotz ihrer Größe besticht die Arbeit durch zurückhaltende Klarheit und Reduktion.“

Die Raute, besser gesagt die weißen Blätter am Boden, lassen dabei unterschiedliche Stimmungen zu. Der weiße Boden löst im Zusammenspiel mit dem Gelb und Grau des Lichthofes winterliche Assoziationen einer schneebedeckten Fläche vor grauem Himmel aus. Seine Ideen für konzeptuelle Skulpturen hielt Ruthenbeck in Zeichnungen fest. 34 davon ergänzen im Umgang des Lichthofes die Installation.

Der Dreiklang wäre nicht perfekt, käme nicht der Westfälische Kunstverein mit zwei weiteren Kunst-Tönen hinzu. Da sind zum einen die Jahresgaben, die im großen Raum viele Arbeiten von Künstlern präsentieren, die auch Teilnehmer der Skulptur-Projekte waren. Und in der Reihe „Radar“ bieten Nicola Gördes und Stella Rossié eine Arbeit, die das „Thema der Nacht“ in vielerlei Variationen aufgreift und dabei auch auf Requisiten des Info-Punkts der Skulptur-Projekte zurückgreift. Berichte folgen.

Zum Thema

Gemeinsamer Eröffnungsabend am heutigen Freitag: 18 Uhr Lichthof, 19 Uhr Jahresgaben im Kunstverein, 20 Uhr „Radar“. Am 8. Dezember gibt Kuratorin Marijke Lukowicz um 20 Uhr eine Führung zu der Ausstellung. Die Kuratorin für Gegenwartskunst, Dr. Marianne Wagner, spricht am 8. Februar mit Dr. Mario Kramer, Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, über Ruthenbecks Arbeit.



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